„Das ist mein Talisman“, flüsterte Elena leise. „Ich trenne mich nie davon. Und das Mädchen auf dem Foto – das bin ich, mein Lieber. Erkennst du mich nicht?“ – „Unglaublich…“, hauchte Sergej und sah seine Frau erstaunt an.

Das ist mein Glücksbringer, sagt Lena leise. Ich trenne mich nie von ihm. Sie hält ein altes Foto hoch. Und das Mädchen auf dem Bild das bin ich, mein Schatz. Erkennst du mich nicht?
Unfassbar…, flüstert Sebastian und schaut seine Frau ungläubig an.

Vor der Hochzeit hatten Lena und Sebastian nie zusammen gewohnt. Sie war ab und zu in seiner Junggesellenwohnung in München, aber auf all seine Vorschläge, doch schon vorher einzuziehen, winkte sie ab.

Lass uns lieber warten, antwortete sie immer. Ich will meine Mama nicht traurig machen. Sie ist, wie du weißt, etwas altmodisch.

Also wartet Sebastian…

Schließlich zieht seine junge Frau endlich in seine Wohnung.

Natürlich macht Lena sich sofort daran, alles in Ordnung zu bringen. Schließlich musste sie auch ihre eigenen Sachen unterbringen. Das Ganze dauerte ein paar Tage.

Lena hat es eilig. Silvester steht kurz bevor und sie möchte, dass das erste gemeinsame Fest perfekt wird.

Sebastian, hast du eigentlich einen Tannenbaum? fragt sie sicherheitshalber, um nicht versehentlich noch einen zweiten zu kaufen.

Moment, ich schaue mal oben auf dem Schrank. Da müsste noch was sein. Aber ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht mehr, wann ich den das letzte Mal aufgestellt habe.

Sebastian steigt auf einen Stuhl. Lena könnte dort unmöglich heranreichen.

Er zieht den Karton mit dem Baum hervor, und plötzlich fällt dabei auch noch ein altes Fotoalbum auf den Boden.

Oh, wie spannend! Lass uns reinschauen, ruft Lena, setzt sich auf den Boden und öffnet das Album voll alter Fotos.

Das sind alte Klassenfotos. Ich hatte völlig vergessen, dass ich die noch habe, setzt sich Sebastian daneben.

Klassenfotos! Wie schön! Vielleicht erkenne ich ja jemanden? Wir waren ja immerhin auf derselben Schule, auch wenn ich sieben Jahre jünger bin.

Kaum wie sollten da Freunde von dir drin sein? Ihr wart damals ja noch kleine Kinder.

Ach, ist doch trotzdem interessant. Die Schule ist ja die gleiche

Sie beginnen die Fotos zu betrachten. Sebastian erklärt, erzählt von lustigen Momenten aus seiner Schulzeit und berichtet von Lehrern, die Eindruck hinterließen.

Kaum zu glauben, dass das schon zehn Jahre her ist ich weiß noch alles, als wäre es gestern gewesen, wundert er sich.

Natürlich, das war ja auch die unbeschwerteste Zeit, antwortet Lena lächelnd.

Oh schau! Ein Weihnachtsmann! ruft Lena plötzlich und hält ein Foto hoch.

Ach, das war ich in der 10. Klasse. Unsere Klassenlehrerin hat tagelang auf mich eingeredet, ich solle den Weihnachtsmann beim Schulfest spielen.

Und das Mädchen hier? Lena zeigt auf ein kleines Mädchen neben dem Weihnachtsmann, das Sebastian merkwürdig anschaut.

Das? Keine Ahnung. Ich weiß nur noch, dass nach der Feier, als ich mich gerade umziehen wollte, die stellvertretende Schulleiterin kam. Sie bat mich, nochmal das Kostüm anzuziehen und dem Mädchen zu lauschen.

Sie hatte wohl keinen Mut gehabt, ihr Gedicht vor dem Weihnachtsmann aufzusagen und so auch kein Geschenk bekommen.

Und hast du zugehört?

Klar Was sollte ich sonst machen? Sie tat mir einfach leid. Also nochmal Bart, Mütze und den Mantel angelegt.

Weißt du noch, was du ihr geschenkt hast?

Nein, wirklich nicht. Ich habe damals so viele Geschenke wie aus dem Automat verteilt

Pass auf, sagt Lena, steht auf und holt einen hellbraunen, weichen Teddybären, der immer auf ihrem Schreibtisch vor dem Computer sitzt. Kommt dir irgendwas bekannt vor?

Sebastian blickt sie verwundert an, hat keine Ahnung, worauf sie hinauswill.

Das ist mein Talisman, fügt Lena leise hinzu. Ich habe ihn immer bei mir. Und das Mädchen auf dem Foto das bin ich, mein Lieber. Erinnerst du dich jetzt?

Unfassbar, flüstert Sebastian wieder und schaut sie noch überraschter an.

Das war damals in der dritten Klasse, beginnt Lena ihre Geschichte. Vor Weihnachten war ich krank, war über zwei Wochen zu Hause.

Deshalb war ich bei den Vorbereitungen fürs Fest nicht dabei. Ich kam erst direkt zum Weihnachtsbaum alle tanzten, lachten, hatten Spaß. Ich fühlte mich fehl am Platz, saß nur auf dem Stuhl, habe sogar geweint.

Die stellvertretende Schulleiterin bemerkte das, tröstete mich und nahm mich mit raus. Sie blieb stehen und sagte:

Warte hier. Jetzt passiert gleich ein Wunder.

Und dann ging sie. Ich stand allein im Flur und wartete. Plötzlich stand der Weihnachtsmann vor mir. Er bat mich, ein Gedicht vorzutragen.

Zwischen Tränen habe ich ihm ein Gedicht aufgesagt. Er streichelte mir über den Kopf und sagte, es würde alles gut werden und schenkte mir diesen Teddybären.

Und dann verschwand er wieder genauso plötzlich.

Also, Sebastian, du warst mein persönlicher Weihnachtsmann. Und wir hatten davon nicht die leiseste Ahnung

Lange sitzen sie noch schweigend Arm in Arm, versuchen zu begreifen, wie wunderbar das Leben manchmal spielt

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Homy
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„Das ist mein Talisman“, flüsterte Elena leise. „Ich trenne mich nie davon. Und das Mädchen auf dem Foto – das bin ich, mein Lieber. Erkennst du mich nicht?“ – „Unglaublich…“, hauchte Sergej und sah seine Frau erstaunt an.
Die Fortsetzung der GeschichteAls die Sonne hinter den schneebedeckten Alpen verschwand, stand sie am Rand des alten Waldes und fragte sich, welche Geheimnisse noch darauf warteten, entdeckt zu werden.