Papa vergaß mich bei Mama und erinnerte sich nur an meine Existenz, wenn ein Vorteil für ihn in Sicht war.

In jener schweren Zeit meines Lebens, von der ich heute noch manchmal träume, verließ mein Vater unsere Familie meine Mutter, meine kleine Schwester und mich um mit einer anderen Frau zu sein. Meine Schwester war damals erst zwei Jahre alt und kämpfte mit einer Krankheit, die sich immer mehr zuspitzte. Ihre Pflege erforderte Unmengen an Geld, Kraft und Geduld. Auch wenn ich damals das Ausmaß ihrer Krankheit nicht ganz fassen konnte, spürte ich doch das Leid meiner Mutter, die gemeinsam mit meiner Großmutter alles versuchte, um das Leben meiner Schwester zu retten. Mein Vater sagte nur noch, er sei erschöpft, stritt regelmäßig mit meiner Mutter und fügte ihr so tiefen Schmerz zu. Als er ging, fühlte es sich für mich wie ein persönlicher Verrat an, denn zu mir war er eigentlich immer gütig gewesen, während meine Mutter mit den Sorgen um meine Schwester beschäftigt war.

Der Tag, an dem meine Mutter erfuhr, dass mein Vater uns verlassen hatte, ist für immer in meine Erinnerung eingebrannt so traurig war ich nie wieder. Mein Vater zog in eine andere Stadt, begann dort mit jener Frau ein neues Leben und schien uns völlig vergessen zu haben. Selbst als meine Großmutter väterlicherseits ihn flehentlich bat heimzukehren, zeigte er keinerlei Regung. Ein ganzes Jahr später starb meine geliebte Schwester, und unser Zuhause versank in Trauer. Auch dann erschien mein Vater nicht, nicht einmal um sich zu verabschieden.

Meine Mutter litt sehr unter dem Verlust ihrer Tochter, und meine Großmutter wurde in dieser Zeit zu meiner wichtigsten Bezugsperson und Quelle der Geborgenheit. Glücklicherweise waren beide Großmütter wundervolle und liebevolle Frauen sie wurden für mich zu einer zweiten und dritten Mutter. Nach und nach fand meine Mutter langsam den Weg zurück ins Leben und erinnerte sich, dass sie auch noch mich hatte. Weinend nahm sie mich eines Abends in den Arm und versprach, mich nie zu verlassen und alles für mein Glück zu geben. Wort und Tat stimmten bei ihr überein: Sie und meine Großmutter wechselten sich ab, spendeten Liebe und Geborgenheit und ließen mich nie allein. Selbst bei meinem Schulabschluss sorgten sie dafür, dass ich ein wunderschönes Kleid trug sie wollten, dass ich die Schönste im Saal war.

Jahrelang sah ich meinen Vater nicht mehr, aber aus meinen Gedanken war er doch nie ganz verschwunden. Nur einmal tauchte er wieder auf bei der Beerdigung meiner Großmutter. Offenbar hoffte er, einen Teil des Erbes zu bekommen, da er glaubte, sie habe ihm eine Wohnung hinterlassen. Doch meine kluge und gütige Großmutter überraschte ihn und schenkte mir die Wohnung schon, als ich erst zwölf Jahre alt war. Diese liebevolle Geste zeigte, wie tief unser Band war und wie groß ihre Fürsorge. Damals lernte ich: Familie wird nicht allein durch Blutsbande bestimmt, sondern durch das Herz und die aufrichtige Zuwendung, die wir einander schenken.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Papa vergaß mich bei Mama und erinnerte sich nur an meine Existenz, wenn ein Vorteil für ihn in Sicht war.
Gabi war die Geliebte. Mit der Ehe hatte sie kein Glück. Sie blieb bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahr unverheiratet und beschloss dann, sich doch endlich einen Mann zu suchen.