Hannelore ist in einer wohlhabenden Familie in München aufgewachsen. Ihr Vater hat ihr jeden Wunsch erfüllt, den sie hatte. Dennoch verbringt er kaum Zeit mit seiner Tochter. Er führt ein erfolgreiches Unternehmen und arbeitet rund um die Uhr. Wenn er nach Hause kommt, dann meistens nur, um seine Geliebten zu sehen. Es heißt sogar, dass eine seiner Affären nur wenige Jahre älter ist als Hannelore. Hannelore beginnt ein Lehramtsstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität, obwohl ihr Vater eigentlich wollte, dass sie Zahnärztin wird. Aber sie beharrt auf ihrem eigenen Weg.
Im Laufe ihres Erwachsenwerdens weigert sich Hannelore, noch Geld von ihrem Vater anzunehmen, und bewältigt ihren Alltag mit dem BAföG. Im Sommer absolviert sie zudem ein Praktikum in einem Kinderferiendorf im Schwarzwald, obwohl ihr Vater ihr eine Reise nach Australien spendieren möchte. Sie lehnt ab, weil sie die Arbeit mit Kindern liebt.
Eines Abends kommt ein Reisebus mit Kindern aus einem Kinderheim an. Sie verteilen sich direkt auf ihre Zimmer, nur ein Mädchen steigt zuletzt aus. Sie ist sichtlich schmächtig, ihr Blick wirkt ungewöhnlich ernst. Später beschweren sich die Kinder, dass es im Zimmer seltsam riecht.
Das merkwürdige Aroma ist auf das Mädchen zurückzuführen. Als Hannelore nachsieht, entdeckt sie, dass das Mädchen nach dem Abendessen Frikadellen unter ihrem Kissen versteckt hat sie sind schon verdorben.
Das Mädchen schaut Hannelore schuldbewusst an und erklärt leise:
Die sind für meinen Bruder.
Und wo ist dein Bruder? fragt Hannelore.
Er lebt in einem anderen Kinderheim.
Nach diesem Gespräch greift Hannelore sofort zum Telefon und ruft ihren Vater an, um ihn um Geld zu bitten.
Als ihr Vater hört, dass sie ihn braucht, denkt er bei sich: Endlich braucht meine Tochter meine Unterstützung wieder. Ich hatte schon befürchtet, sie wäre böse auf mich.
Hannelore, weshalb brauchst du so viel Geld? Möchtest du dir ein neues Auto kaufen?
Nein, Papa. Ich möchte so viel Essen wie möglich für die Kinder aus dem Heim kaufen.
Du hast wirklich ein großes Herz, Hannelore, sagt ihr Vater und lächelt.





