Katrin kam völlig erschöpft nach Hause, beladen wie ein Packesel. Statt auf ihren Mann zu treffen, ertönten plötzlich brüllende Schreie aus dem Wohnzimmer. Sie trat ein und entdeckte ihren Mann und dessen Bruder, Matthias, wie sie völlig vertieft ein Fußballspiel glotzten und dabei Hefeweizen schlürften. Da platzte ihr glatt der Kragen: Sie erinnerte ihren Mann an ihre Pläne für den Abend. Doch der zuckte nur mit den Schultern: Ach, mein Bruder seine Frau hat ihn rausgeschmissen, er bleibt halt für eine Woche bei uns!
Am nächsten Morgen wurde Katrin von ohrenbetäubender Musik geweckt Matthias hatte die Stereoanlage entdeckt und fühlte sich offenbar wie Papst in Rom. Arbeitslos war er auch noch, nachdem seine alte Firma dichtgemacht hatte, und ihr Mann versuchte verzweifelt, ihm im Büro einen Job zu besorgen. Wenn Katrin zufällig mal einen Tag frei hatte, durfte sie allein die Wohnung auf Vordermann bringen. Seit Matthias bei ihnen wohnte, war das Arbeitspensum dreimal so groß, wobei ihr Gatte fest überzeugt war, dass Hausarbeit reine Frauensache sei.
So stand Katrin also da: Sie kochte, wusch Berge von Wäsche und wienerte putzwütig die Wohnung, während die beiden Herren ihre Shirts auf dem Sofa sammelten wie Trophäen. Eines Tages kam sie fix und fertig nach Hause und fand das reinste Chaos vor. Mit letzter Kraft beschwerte sie sich energisch bei den beiden, dass sie sich wie Hotelgäste benähmen und sie nicht als ihre persönliche Putzfrau eingestellt habe. Sie erinnerte daran, dass Matthias doch angeblich nur eine Woche bleiben sollte inzwischen war bereits ein Monat vergangen.
Natürlich folgte eine handfeste Auseinandersetzung, und die beiden verschwanden beleidigt zur Stammkneipe, ohne in derselben Nacht zurückzukehren. Katrin verbrachte die nächste Woche ratlos allein und wusste nicht einmal, wo ihr Mann steckte. Schließlich kam er reumütig zurück und gestand: Es sei alles schiefgelaufen. Matthias hatte ihn im Büro so reingeritten, dass sie beide ihren Job verloren hatten. Sie hatten sich gestritten und nun bereute ihr Mann zutiefst, Katrins Warnungen ignoriert zu haben.
Ein paar Tage campierte ihr Mann dann wie ein trauriges Häufchen Elend im Wohnzimmer, in der Hoffnung auf Versöhnung. Und tatsächlich, Katrin verzieh ihm. Sie begriff, dass Liebe mehr zählt als jeder Groll. Die turbulente Episode war für die beiden ein Weckruf: Von nun an wollten sie ihre kleinen und großen Probleme gemeinsam anpacken und das Glück wieder einziehen lassen in ihre drei Zimmer, Küche, Bad, mitten in München.





