Meine Eltern waren von Anfang an alles andere als begeistert von meiner Beziehung zu Johanna, meiner Freundin. Wir haben uns in unserem zweiten Studienjahr in München kennengelernt und für mich war es sofort klar Liebe auf den ersten Blick, wie aus einem Rosamunde-Pilcher-Film, nur mit mehr Brezn und weniger Drama. Johanna und ich sind zusammengekommen, aber unser Glück wurde schon im dritten Jahr auf eine harte Probe gestellt: Sie wurde überraschend schwanger.
Ein Kind war zwar nicht gerade als Studentenzimmer-Deko geplant, trotzdem hat Johanna entschieden, das Baby zu bekommen. Natürlich habe ich sie voll unterstützt schließlich war ich überzeugt davon, dass unsere Liebe uns auch durch den nächsten Elternabend bringen würde. Wir wollten ihre Eltern involvieren, in der Hoffnung, dass sie uns verstehen und unterstützen würden.
Johannas Eltern waren zunächst skeptisch, typisch deutsch eben immer erst mal ein bisschen in Sorge, bevor man sich freut. Aber am Ende haben sie uns herzlich aufgenommen und sich sogar angeboten, mit allem zu helfen, ob es nun Windeln oder Allgäuer Käsekuchen ist. Es war angenehm, diese Unterstützung zu erleben. Ganz anders allerdings meine Eltern: Mein Vater hätte wohl am liebsten eine Schildkröte als Enkel gehabt weniger Verantwortung und kostet weniger. Er war klar unzufrieden, besorgt wegen der Zukunft und vor allem wegen den finanziellen Folgen. Seine Ablehnung war deutlich und jede Art von Verständnis oder Hilfe fehlte komplett.
Es hat mich gekränkt und ich war bitter enttäuscht, sodass ich die schwere Entscheidung traf, mich von meinen Eltern zu distanzieren. Fast fünf Jahre lang gab es kaum Kontakt, und meinen Sohn, Max, hielt ich konsequent von ihnen fern. Mit meiner Mutter und meiner Schwester Klara habe ich gelegentlich telefoniert, aber Max blieb für sie ein unbekanntes Wesen fast wie ein Yeti, nur mit weniger Schnee.
Mit der Zeit wurde die Beziehung zwischen Johanna und mir stärker. Als Max vier wurde, fanden wir, es wäre der perfekte Zeitpunkt für Familienzuwachs. Johanna wurde erneut schwanger dieses Mal erwarteten wir eine Tochter, was für mich vor allem bedeutete, dass ich ab jetzt zu Puppen-Tee-Partys eingeladen werden würde. Trotz der Freude über das neue Abenteuer schlich sich auch Wehmut ein, als meine Mutter mich wieder kontaktierte diesmal aber nicht um Max zu begutachten, sondern wegen Klara: Sie war schwanger von einem Mann, den sie gerade mal so gut kannte wie die Bedienung im Wirtshaus um die Ecke.
Meine Mutter bat mich dringend um finanzielle Unterstützung Könntest du deiner Schwester mit ein paar Euro helfen? und konnte dabei offenbar ohne rot zu werden die Vergangenheit ignorieren. Es erinnerte mich schmerzhaft daran, wie meine Eltern damals mit Johanna und mir umgegangen waren: keine Hilfe, keine Unterstützung, nur Vorwürfe und strenge Prinzipien, die nun wohl im Keller neben dem alten Staubsauger verschwunden waren.
Obwohl ich Klara wirklich mochte, konnte ich nicht anders, als an das ultimative Ultimatum meines Vaters zu denken, das er jetzt scheinbar vergessen hatte wie den Hochzeitstag. Trotz meiner eigenen Erfahrungen wusste ich, dass ich Klara mit Mitgefühl begegnen musste. Ich riet ihr, ihre Optionen sorgfältig abzuwägen und die Entscheidung zu treffen, die für sie am besten war.
Das Telefonat war eine seltsame Erinnerung an unsere Familiengeschichte, aber es hat mir auch bestätigt: Eigene Entscheidungen muss man mit Stolz treffen und denen helfen, die man liebt, egal wie kompliziert die Lage ist. Denn Familie ist etwas chaotisch, das Leben fährt gern mit dem ICE quer durch unbekannten Bahnhof, aber am Ende des Tages sind Liebe und Verständnis das Einzige, was wirklich zählt selbst wenn es zwischen dem letzten Tatort und dem Frühstücksei ausgesprochen wird.





