Wir fuhren gerade auf der Autobahn, als plötzlich ein riesiger Bär auf die Straße sprang und langsam auf unser Auto zukam.

Wir fahren also auf der Autobahn, irgendwo zwischen München und Rosenheim, es regnet leicht, alles ist grau und der Wald rechts und links so richtig dicht. Es ist schon spät, alles ruhig, keine anderen Autos, und mein Mann Thomas am Steuer, ich nebendran wir quatschen ganz entspannt und freuen uns einfach auf Zuhause.

Und dann völlig aus dem Nichts springt vor uns auf einmal ein riesiger Braunbär auf die Fahrbahn. Ich schwörs dir, so ein Tier hab ich noch nie aus der Nähe gesehen! Thomas tritt sofort krass auf die Bremse, die Reifen quietschen, mein Herz rutscht mir voll in die Hose. Der Bär bleibt vielleicht einen Meter vorm Auto stehen, stellt sich dann auf die Hinterbeine richtig bedrohlich, als ob er gleich auf die Motorhaube springt.

Der starrte uns direkt an. Ganz ruhig, kein Blinzeln, nur dieser Blick als ob er was von uns will. Dann macht der Bär auch noch einen Schritt auf das Auto zu. Und ich so: Gleich ist es aus, der hat sicher Hunger. Da fühlst du dich mit geschlossenen Türen und Fenstern auch nicht mehr wirklich sicher, ganz ehrlich…

Thomas schaltet zurück, legt vorsichtig den Rückwärtsgang ein, fängt an langsam rückwärts zu rollen, und wir beide starren nur wie gebannt diesen Bären an, so starr, dass ich mich nicht mal mehr bewegen konnte. Ich schwöre, ich hab so eine Angst gehabt, ich war wie erstarrt.

Und dann passierts plötzlich krachts ganz fürchterlich hinter uns! Ein riesiger, alter Baum direkt am Straßenrand kippt einfach um, mit so einem Lärm, dass mir fast das Herz stehen bleibt. Der Baum fällt vielleicht einen Meter neben unsere Karre hätte uns locker plattmachen können. Wir hatten so ein Glück, das war echt Millimeterarbeit! Wir hätten nie gedacht, dass wir ausgerechnet durch so eine Aktion heil rauskommen…

Der Bär springt vor Schreck sofort zurück, dreht sich ganz schnell um und verschwindet blitzartig im Wald. Keine 10 Sekunden später ist alles wieder mucksmäuschenstill, als wäre nichts passiert.

Seitdem denke ich ständig daran zurück. Wollte der Bär uns wirklich angreifen? Oder wollte er uns vielleicht sogar warnen? Oder hat der sich einfach nur selbst vor dem Krach erschreckt und Reißaus genommen? Ich hab echt keine Ahnung aber diesen Blick, diesen Moment, werde ich niemals vergessen.

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Homy
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Wir fuhren gerade auf der Autobahn, als plötzlich ein riesiger Bär auf die Straße sprang und langsam auf unser Auto zukam.
Die Geliebte meines Mannes war einfach umwerfend. Hätte ich als Mann wählen müssen, hätte ich genau sie ausgesucht. Es gibt diese Frauen, die ihren Wert kennen: Sie gehen mit aufrechtem Rücken, blicken offen und direkt, hören aufmerksam zu. Sie brauchen kein freizügiges Outfit, um aufzufallen, denn sie strahlen königliche Gelassenheit aus und geraten nie in Panik. Genau so eine Frau war sie – das genaue Gegenteil von mir. Denn wer bin ich? Immer in Eile, schimpfe auf Kinder und Mann, mir fällt alles aus den Händen, im Job Stress, der Chef unzufrieden. Ewig in Jeans und Pullovern unterwegs – ein Kleid oder eine Bluse bügeln, das ist für mich schon fast ein Kraftakt. Zum Glück habe ich den neuesten Wäschetrockner, der alles glatt bügelt und das Bügeleisen überflüssig macht. Aber die Geliebte? Perfekte Figur, Haltung, Beine, Haare, Augen, alles zum Niederknien! Seitdem ich davon erfahren habe – und erst recht, seit ich die beiden zufällig im Café in Barmbek gesehen habe, halte ich innerlich die Luft an. Mein Mann hielt ihre Hände, küsste ihre Finger… Wie aus einem alten Gedicht, dachte ich ironisch. Aber objektiv: Die Frau war der Hammer. Ich fühlte mich komisch, wie nach einem Sonnenbrand – der Moment, in dem man weiß, dass es gleich richtig weh tut, aber noch ist alles leer. Nichts. Mein Mann kam pünktlich und war wie immer: ausgeglichen, humorvoll – der typische hanseatische Sanguiniker. Ich dagegen: leicht entflammbar, rastlos, hektisch. Jetzt hätte ich auch gern etwas von seinem Humor gehabt. Den ganzen Abend wollte ich ihn direkt fragen – möglichst kühl und sachlich: „Und, wie läuft’s mit deiner Geliebten? Hab euch letztens im Café gesehen, wow, die ist wirklich toll. Verstehe dich. Hätte ich an deiner Stelle vielleicht auch nicht widerstehen können…“ Und dann zusehen, wie ihm der Schweiß ausbricht und er zu stottern beginnt. Ich hätte weitermachen können: „Na, wann stellst du sie eigentlich den Kindern vor? Sie wird ihnen bestimmt gefallen. Und mich? Wo soll ich hin? Bringt sie wenigstens eine eigene Wohnung mit oder zieht sie bei uns ein?“ Aber ich sagte nichts. Er kuschelte sich wie gewohnt im Bett an mich und schlief schnell ein. Vielleicht läuft bei denen noch gar nichts – dachte ich, als ich mich an meinen Bettrand verzog und leise lachte. Jetzt denke ich schon wie eine Frau, die live beim Betrügen zusehen durfte und trotzdem vor allen so tut, als sei nichts passiert. Vielleicht ist es bei denen ja nur die Anfangsphase – erste Sympathiewellen, abgestimmte Atemzüge, gleiche Gedanken. Ein Profi halt, mein Mann. Nicht ein Muskelzucken, kein verräterisches Wort! Ich wälzte mich im Bett, schlief unruhig, träumte von knallbunten Blumen und fremden Frauen in roten Kleidern. Am Morgen bewegte ich mich träge durch die Wohnung, machte die Kinder fertig, alles wie immer – zumindest nach außen. Aber was tun? Was machen Frauen in so einer Situation? Sollte ich googeln? Google half nicht. Ich hatte keine Antworten. Einfach weitermachen wie bisher? Was soll’s – ich lebe ja schon so weiter. Nichts hat sich geändert: Gewohnter Alltag, pünktlicher Mann, kein Lippenstift an seinem Hemd, kein fremdes Parfüm, tobende Kinder, Sonntag Kino. Routinemäßiger Sex zweimal die Woche – manchmal dreimal, wenn man die Details genau nimmt. Vielleicht war ich im Café doch im Irrtum? War ich nicht. Ich rief ihn mittags an – keine Antwort. Also setzte ich mich ins Taxi und fuhr wieder zu dem Café in Barmbek. Vorher erklärte ich dem Fahrer, wir würden dort „arbeiten, auf ein Paket warten“. Da stand sein Auto. Mein Mann und sie kamen raus, stiegen in sein Auto und fuhren davon. Ich wurde ganz weiß, bat den Taxifahrer um Wasser, spielte einen Anruf ins Leere vor: „Ist egal mit eurem Paket, ich warte nicht länger, fahre jetzt zur Arbeit!“ Komisch, dass mir immer noch nicht egal war, was der Taxifahrer denkt. Die Erkenntnis, dass es eine Geliebte gibt, stellt das ganze Leben auf den Kopf. Sich trennen? Wahrscheinlich. Einfach weitermachen? Warum? Was soll das bringen? Ich erinnerte mich daran, wie es vor ein paar Jahren bei Freunden war: Er hatte eine Affäre, log und bestritt alles – bis die Beweise nicht mehr wegzureden waren. Mein Mann sagte damals: „Also ich würde nie lügen. Wer Mist baut, soll die Größe haben, es zuzugeben und die Familie abzusichern oder ganz zu gehen.“ Damals war ich richtig stolz auf ihn. Verantwortungsbewusst, mein Hamburger Jung. Lustig, wie leicht das über andere zu sagen ist, wenn es einen selbst nicht trifft. Aber wenn man plötzlich selbst mittendrin steckt, verlässt einen aller Mut, sobald beide – Frau und Geliebte – einem gegenüber sitzen. Ich setzte mich im Café einfach zu ihnen. Die Geliebte schaute überrascht auf. Mein Mann wurde blass. „Ist doch nicht das, was ich denke, oder?“, fragte ich und hob die Hand, um ihn am Reden zu hindern. „Wissen Sie was? Eigentlich ist das kein Drama. Sowas passiert. Aber jetzt überlegt mal, wie ihr das löst – Kinder, gemeinsame Wohnung, alte Eltern. Ihr schafft das schon! Ihr seid doch erwachsen.“ Dann stand ich langsam auf und verließ das Café. Das frisch gebügelte Kleid stand mir gut. Schade, dass ich es so lange nicht getragen hatte.