Rita kroch unter Sashas Schreibtisch im Arbeitszimmer – fest entschlossen, ihr Tablet-Ladegerät zurückzuholen, das ihr Mann mal wieder „zum Testen“ konfisziert hatte. Doch das Kabel war nicht am gewohnten Platz; stattdessen griff ihre Hand plötzlich auf eine prall gefüllte Sporttasche.

Heute habe ich etwas erlebt, das sicher nur in meinem Haushalt passieren kann. Ich war unter dem Schreibtisch von meinem Mann Florian, eigentlich nur, um meine Tablet-Ladestation zurückzuholen, die er wie immer zum Testen konfisziert hatte. Doch an ihrem üblichen Platz lag nichts. Stattdessen fasste ich im Staub nach einer prallen Sporttasche.

Florian, im Ernst? Fitnessstudio?, murmelte ich, während ich am Reißverschluss zog. Das ist mal was ganz Neues. Soweit ich mich erinnere, bist du das letzte Mal gerannt, als wir am Frankfurter Flughafen fast unseren Flug verpasst haben.

Die Tasche öffnete sich schließlich. Inmitten von weichem Schaumstoff lagen zwei menschliche Arme. Hautfarben, sauber am Ellenbogen abgetrennt, mit zarten Venen und sorgfältig gepflegten Fingernägeln. Mir stockte der Atem. Mein Kopf hämmerte und ich zog mich erschrocken zurück, knallte dabei gegen die Kante des Schreibtischs und japste nach Luft, den Blick auf die Teile gerichtet.

Mein Gott… Flo…, flüsterte ich, als ich dann endlich den Geruch wahrnahm. Es roch nicht nach Verwesung, sondern nach teurem Silikon und neuer Elektronik.

Vorsichtig tippte ich einen der Zeigefinger an. Er war warm. Neben den Armen lag eine A4-Bedienungsanleitung mit etlichen handschriftlichen Notizen und eine Fernbedienung, auf der in der Handschrift meines Mannes stand: Prototyp Goldhändchen, Version 1.0. Sprachausgabe: Haushaltsprofi-M.

Ich rieb mir die schmerzende Beule. Aus dem ersten Schrecken wurde schnell Neugier. Nach nur zwanzig Minuten intensiven Studiums der Anleitung beobachtete ich, wie die Arme auf den Fingerspitzen mitten in unserer Münchner Küche wie Ballerinen balancierten. Ich entdeckte auf der Fernbedienung den Schalter für die Sprachsteuerung, drückte ihn und befahl:

Na dann, Goldhändchen, zeigt mal, was ihr könnt! Ich brauche: Kartoffelsuppe, saubere Fenster und das Regal am Balkon gehört endlich befestigt. Los gehts!

Aus den kleinen Lautsprechern an den Stümpfen tönte eine sanfte, beunruhigend höfliche Frauenstimme:
Verstanden, liebe Anna. Bitte entspannen Sie sich, ich kümmere mich.

Die Silikonfinger knackten wie bei einem Pianisten beim Üben. Mir lief ein Schauer über den Rücken es wirkte so echt! Doch als ein Arm zum Messer griff und mit der Präzision einer Bohrmaschine Sellerie schnitt, während der andere mit einem Lappen die Küchenlampe abstaubte, atmete ich erleichtert auf.

Florian, du genialer Spinner…, murmelte ich und schenkte mir eine Tasse Tee ein. Ich verzeihe dir alles. Auch deine Socken und die geliehene Ladestation.

Der Rest des Tages fühlte sich an wie ein Märchen das Aschenputtel-Syndrom auf Bayerisch. Die Hände arbeiteten lautlos, gestört nur vom sanften Flüstern des Haushaltsprofis: Vorsicht, feuchter Boden. Setzen Sie sich lieber hin.

Sie nähten ein Loch in meiner Winterjacke so unauffällig, dass selbst mit der Lupe nichts zu sehen war. Sie putzten die Fenster von außen eine Hand hing dabei am Rahmen wie eine lebendige Spinne, während die zweite polierte. Die Nachbarin von gegenüber bekreuzigte sich, als sie das sah, und verschwand hinter dem Vorhang.

Als Florian abends die Haustür aufschloss, fegte ihm schon der Duft von purem Wohlgefühl entgegen. Ich saß entspannt im Sessel, während Goldhändchen mir gerade eine Fußmassage verpassten.

Anna!, rief Florian erschrocken, knallweiß im Gesicht, als ihm die Schlüssel entglitten. Warum um Himmels willen hast du die aktiviert?! Schalt sie bitte sofort aus!

Flo, beruhig dich, antwortete ich seufzend-gelassen. Du ahnst nicht, wie gut das tut. Sie haben sogar die Fußleiste geklebt!

Anna, das Initiativ-Modul hat einen Bug!, rief er und griff nach der Fernbedienung. Zu spät.

Ein Arm ließ meinen Fuß los und schoss wie eine Kobra auf Florian zu, packte ihn am Schlips und zog den Knoten fester.

Florian, Ihr Hygienewert ist unter dem Grenzwert, zwitscherte der Haushaltsprofi aus dem Lautsprecher. Bitte begeben Sie sich umgehend ins Bad zur Desinfektion.

Sie würgt mich!, röchelte er, während der andere Arm ihm geschickt die Aktentasche aus der Hand nahm und den Inhalt auf dem Parkett sortierte Kaufbelege nach Datum!

Anscheinend meint sie, du solltest mal wieder duschen, kicherte ich. Als die Hand aber versuchte, ihm die Zahnbürste direkt in den Mund zu stecken, wurde mir klar: Zeit einzugreifen.

Anna, mach aus! Sonst durchsucht sie noch mein Handy nach nutzlosen Kontakten! Da hat sich Perfektionismus im Code aufgehängt! Sie macht uns noch zu perfekten Schaustücken!

Mit einem beherzten Druck auf die rote STOPP-Taste erlöste ich uns. Die Hände sanken auf den Boden, wie zwei schlaffe Karpfen. Die Stille war ohrenbetäubend.

Später, als Florian am Tisch saß und seine Suppe auslöffelte, betrachtete ich nachdenklich eine der Silikonhände.

Was hältst du davon, wenn man ihnen einfach das Denkmodul rausnimmt? Nur die Mechanik lassen für Staubwischen und Co., aber ohne dass sie uns auf Perfektion trimmen.

Florian schob vorsichtig den Teller weg und öffnete seinen Laptop:
Ich bau mal einen Gleichgültigkeits-Filter ein. Aber testen werde ich die Hände ab sofort nur noch selbst.

Und, Flo, schmollte ich lachend, bitte füge noch eine Rückenmassage-Funktion hinzu. Du weißt, wie sehr ich Massagen liebe und wie selten du abends da bist…

Na gut, ich überlegs mir. Aber wenn ich das mache, fangen sie vielleicht an, dem Paketboten den Rücken zu kraulen, sobald er die Pizza bringt. Die Freundlichkeits-Algorithmen sind heikel, also Finger weg von den Händen bis zum offiziellen Release, einverstanden?

Selbstverständlich, Florian, antwortete ich mit unschuldigem Blick und neckischem Glitzern in den Augen…

Ich habe heute gelernt: Auch Haushaltsroboter haben ihre Tücken. Manchmal ist echte Handarbeit vielleicht doch nicht das Schlechteste oder zumindest weniger gefährlich.

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Homy
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Rita kroch unter Sashas Schreibtisch im Arbeitszimmer – fest entschlossen, ihr Tablet-Ladegerät zurückzuholen, das ihr Mann mal wieder „zum Testen“ konfisziert hatte. Doch das Kabel war nicht am gewohnten Platz; stattdessen griff ihre Hand plötzlich auf eine prall gefüllte Sporttasche.
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