SIEBEN JAHRE BIS ZUM TEE
Sie trennten sich im August, jeder darum bemüht, den anderen mit Worten noch mehr zu verletzen.
Du wirst auch in zehn Jahren die Schuld bei allen anderen suchen, nur nicht bei dir selbst!, warf damals Konstantin hin, während er die Tür hinter sich zuschlug.
Er glaubte, er nehme sich eine Auszeit, um ihr zu zeigen, was sie verloren hatte, aber Annalena schloss einfach nur die Tür hinter ihm. Für immer, dachte sie damals.
…Ein Jahr später heiratete sie den verlässlichen Thomas. Drei weitere Jahre: Geburtsklinik, schlaflose Nächte und die schmerzhafte Erkenntnis, dass verlässlich nicht automatisch der eigene Mensch bedeutete. Thomas war korrekt wie ein Rechenbuch, aber in diesem Buch fand sich auf keiner Seite etwas über sie.
…Konstantin verfolgte das alles aus dem Augenwinkel.
Hab deine Ex gesehen, meinte ein gemeinsamer Freund in einer Münchner Kneipe. Ist wohl etwas fülliger geworden, die Tochter kommt ganz nach ihr. Schiebt den Kinderwagen durch die Gegend, ihr Mann ist ständig auf Geschäftsreisen.
Konstantin nickte, betrachtete das Eis in seinem Glas.
Treue hatte er ihr nicht gehalten, zumindest nicht im klassischen Sinn. Es gab Frauen, One-Night-Stands, leere Gespräche. Doch in ihm hatte sich so etwas wie innere Starre eingenistet. Er wartete einfach, bis das alles irgendwann vorbei war.
…Sie begegneten sich nach sieben Jahren auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Annalena kämpfte mit schweren Tüten, neben ihr hopste ein kleines Mädchen.
Ich helfe dir mal, sagte Konstantin wortlos und nahm ihr die Taschen ab.
Annalena zuckte zusammen, drehte sich abrupt um.
Danke, hauchte sie, als hätte sie seit Tagen nicht geschlafen. Konstantin? Was… wie kommst du hierher?
War zufällig in der Nähe. Hab deinen grauen Golf erkannt. Du hast ihn immer noch nicht verkauft?
Das ist das einzige, was in meinem Leben noch ohne Murren funktioniert, meinte sie bitter und lächelte schief.
…Sieben Jahre das ist mehr als eine bloße Zahl. Es ist Annalenas neue Art, stets ein Auge auf ihr Kind zu haben; es ist Konstantins neu gewonnene Ruhe; es ist ihre gemeinsame Erinnerung…
Mama, ich hab Durst!, motzte die Tochter und zerrte an der Wagentür.
Einen Moment noch, Franzi…, Annalena wandte sich an Konstantin. Ich habe mich vor einem halben Jahr scheiden lassen. Sich aus Trotz eine Familie aufzubauen, ist eine furchtbare Idee. Das hält nicht.
Ich weiß, erwiderte er. Oder ahnte es zumindest… Hab deine Bilder auf Instagram gesehen. Auf den Fotos im schicken Hotel sahst du bedrückt aus…
Schweigen trat ein.
Annalena kletterte in ihr Auto.
Kommst du heute Abend vorbei?, fragte sie leise durchs geöffnete Fenster. Hier tropft der Wasserhahn und überall liegen Spielzeuge herum.
Tropft der Hahn, na sowas Klassiker… Ich komm, mit Werkzeug.
Es fühlt sich an wie eine zweite Chance, nur hundertmal schwerer als die erste. Aber wenigstens weiß er jetzt, wofür dieses unerwartete Wiedersehen gut ist.
…Am Abend kommt Konstantin tatsächlich. In der einen Hand einen schweren Werkzeugkoffer, in der anderen einen Beutel mit dicken grünen Äpfeln, die Annalena früher nachts so gern geknabbert hat.
Der Wasserhahn in der Küche gibt nach obwohl Konstantin sich Zeit lässt, um den Geräuschen aus dem Kinderzimmer zu lauschen. Dort kämpft Annalena mit ihrer Tochter.
Mama, noch eine Geschichte!”
Franzi, das war die letzte heute, versprochen.
Dann soll Onkel was erzählen!
Onkel repariert das Wasser, damit wir morgen nicht in einer Pfütze aufwachen. Schlaf jetzt.
Als es schließlich ruhig ist, kommt Annalena in die Küche. Sie hat die Jeans gegen ausgebeulte Jogginghosen getauscht, die Haare in einen schnellen Dutt gesteckt. Sie setzt sich auf einen Hocker und beobachtet, wie Konstantin sich die Hände am Lappen abwischt.
Vergiss die Dichtung am Hahn nicht, murmelt sie. Thomas hat drei Jahre lang versprochen, sie zu wechseln.
Schon erledigt, antwortet Konstantin und setzt sich ihr gegenüber. Siphon ist auch frei.
Weißt du, ihr Blick fällt auf die Äpfel, ich hab sieben Jahre lang geprobt, wie diese Begegnung läuft. Ich dachte, ich würde in meinem schönsten Kleid kommen, einen tollen Mann präsentieren, dir zeigen, wie gut ich ohne dich zurechtkomme. Aber jetzt… mir ist egal, was ich anhabe. Es ist einfach nur schön, dass du da bist.
Sanft legt Konstantin die Hand auf ihre Schulter.
Wir haben so viel Zeit verloren, Annalena. Wir waren wie Kinder, denen man eine wertvolle Vase anvertraut, nur damit sie testen, wie hart sie wirklich ist.
Wir haben sie zerbrochen, Konsti.
Wir kleben sie wieder zusammen. Sie wird vielleicht nicht mehr so schön, aber definitiv stabil. Ich glaube, wir sind endlich alt genug, um aufeinander achtzugeben.
Annalena legt ihre Hand auf seine.
Lass uns einfach Tee trinken, lächelt sie, und in dieser kleinen Alltagsfloskel steckt alles, was sie sieben Jahre lang nicht sagen konnten. Aber such bitte nicht den losen Tee heute übernehme ich das. Du hast genug als Klempner geleistet.
Setz den Wasserkocher auf, sagt er und lehnt sich zurück. Wir haben eine ganze Nacht, um gemeinsam über das Wichtige zu schweigen.
…Am nächsten Morgen wird Konstantin von leisem Geflüster geweckt. Zuerst ist er verwirrt die fremde Bettwäsche riecht nach Annalenas dezentem Parfum.
Am Rand des Betts sitzt Franzi. Im etwas zu kleinen Einhorn-Pyjama, mit ernstem Blick.
Warum schläfst du hier? Hast du kein eigenes Zuhause?
Konstantin setzt sich auf, reibt sich das Gesicht. Sieben Jahre einsames Wachwerden haben ihn nie auf solch neugierige Frager vorbereitet.
Doch, flüstert er. Aber bei mir tropft kein Wasserhahn. Das ist langweilig.
Mama sagt, du bist Handwerker. Handwerker gehen immer, wenn sie fertig sind.
Ich bin ein besonderer Handwerker, grinst er, während Franzi sein Tattoo studiert. Ich kann auch Grießbrei kochen. Mit oder ohne Klümpchen?
Ohne!, verkündet Franzi bestimmt. Mama macht immer Klümpchen und behauptet, das wären Schatzinseln. Aber ich mag gar keine Schätze. Ich mag Marmelade.
…Als Annalena in die Küche kommt, bleibt sie im Türrahmen stehen. Konstantin steht nur in Jogginghose am Herd, Franzi sitzt neben ihm auf der Arbeitsplatte und überreicht ihm konzentriert Löffel wie eine OP-Assistentin.
So, lehnt sich Annalena an den Türpfosten, hab ich irgendwas verpasst?
Wir haben abgemacht, sagt Konstantin, dreht sich um und schaut sie weich an, Franzi nimmt mich probeweise als Frühstückschef in die Familie auf.
Er hat gesagt, bei ihm zu Hause ist es langweilig, ruft Franzi, den Marmeladenlöffel ableckend. Mama, geht er wieder, wenn das Frühstück fertig ist?
Stille. Konstantin legt das Küchentuch beiseite, tritt zu Annalena und nimmt sie ganz offen, vor dem Kind an der Hand.
Nein, Franzi. Heute geh ich nicht. Und morgen wahrscheinlich auch nicht. Deine Mama und ich haben noch viele Märchen nachzuholen.
Annalena lehnt ihre Stirn an seine Schulter.
Du weißt, dass das nicht einfach wird?, fragt sie leise. Franzi hat meinen Dickkopf. Sie wird dich zum Lego-Bauen zwingen und Die Eiskönigin in Dauerschleife schauen wollen.
Nach sieben Jahren Stille im leeren Apartment? Constantin hält sie fest. Meinetwegen spiele ich auch mit Puppen. Hauptsache, hier riecht es wieder nach Kaffee und deinem Lachen.
Sie frühstücken zu dritt. Franzi schwingt die Beine und erzählt von der strengen Erzieherin, während Konstantin und Annalena sich heimlich anlächeln.
Konsti? ruft sie, als er gerade losziehen will, um seine Sachen zu holen. Lässt du dein Werkzeug hier?
Ja. Was muss ich denn sonst noch reparieren?
Mein Herz, lächelt sie schwach.
Er nickt, küsst sie sanft an die Schläfe und verschwindet auf den Flur. Beim Gehen hört er, wie Franzi fragt:
Mama, kommt er wirklich zurück? Der Beutel mit den Äpfeln liegt doch noch da.
Klar kommt er wieder, mein Schatz, antwortet Annalena. Diesmal ganz bestimmt.
…Zwei Monate später. Die zusammengeklebte Vase ihrer Beziehung hält erstaunlich gut. Konstantin wird langsam heimisch: Seine Zahnbürste steht im Bad, schwere Sneaker stehen im Flur, und seinen schwarzen Kaffee, den Annalena früher nie mochte, nimmt sie jetzt lächelnd hin.
…Die Konfrontation mit der Vergangenheit folgt an einem Samstag. Thomas, Annalenas Ex-Mann, holt Franzi fürs Wochenende ab. Immer pünktlich wie ein Uhrwerk der Summer ertönt exakt um 10:00 Uhr.
Annalena steht vor dem Spiegel und rückt die Haarspange zurecht.
Ist er das?, fragt Konstantin gelassen, spürt aber Unruhe in sich aufsteigen.
Ja. Er bringt Franzi am Sonntagabend zurück. Konsti, du kannst gern ins andere Zimmer gehen. Er ist… nicht so für Überraschungen.
Konstantin richtet sich auf.
Ich bin keine Überraschung, Anna. Ich bin jetzt Teil deiner Konstante. Der soll sich dran gewöhnen.
Die Tür öffnet sich. Thomas steht im Flur, akkurat, mit gebügelter Jacke, teurem Eau de Toilette und immer diesem Ministerblick.
Hallo, Annalena. Ist Franzi fertig? Er bleibt stehen, als er Konstantin sieht, der hier jetzt ganz selbstverständlich wirkt.
Und wer ist das? Einer deiner neuen Selbstverwirklichungsprojekte?
Konstantin tritt vor.
Konstantin. Ein Freund von Annalena.
Thomas ignoriert die Hand, mustert ihn wie B-Ware im Fachmarkt.
Freund? Na, das ging ja schnell. Ich hoffe, der hält wenigstens die Rechnungen aus, nicht nur das Türstehen.
Annalena will entrüstet antworten, doch Konstantin berührt sanft ihren Arm, seine Stimme ist ruhig:
Hör mal, Thomas. Du bist hier für deine Tochter. Lass uns bitte dabei bleiben. Deine Urteile über Annalenas Privatleben interessieren hier keinen mehr.
Ach so?, Thomas lacht spitz, schaut Annalena an. Du lässt das Kind bei einem für mich fremden Kerl? Hat der wenigstens ein Führungszeugnis, oder wählst du immer noch nach Gefühl statt Verstand, so wie damals, als du mir über deinen Ex-Idiot die Ohren vollgeheult hast?
Das sitzt. Annalena wird blass; damals hatte sie Thomas in einer schwachen Stunde einmal von ihrem Schmerz durch Konstantin erzählt.
Ja, sagt sie ruhig und sieht Thomas direkt in die Augen. Ich habe ihn gewählt. Damals, jetzt und weißt du, warum? Mit ihm lebe ich. Mit dir war ich nur Staffage in deinem perfekten Wohnzimmer.
Papa!, ruft Franzi, kommt mit ihrem Rucksack. Die Anspannung verfliegt für einen Moment.
Thomas schnappt sich seine Tochter, spielt den perfekten Vater.
Hallo, Liebling. Gehen wir Eis essen?
Ja! Kommt Konsti mit?
Nein, Franzi, geht Konstantin in die Hocke. Heute ist Papa-Zeit. Benimm dich, ja?
Mit Thomas und Franzi verschwindet die Vergangenheit aus der Wohnung und Stille kehrt ein. Annalena lehnt sich gegen die Wand, schließt die Augen.
Sorry. Er weiß immer, wo es wehtut… Dass ich ihm alles erzählt hab…
Vergiss es. Konstantin tritt hinter sie, legt den Kopf an ihren. Wir beide haben vieles gesagt in den letzten sieben Jahren. Thomas ist nur das Echo von früher laut, aber eben nur ein Echo.
Bist du nicht wütend?
Schon. Weil er dich immer noch zum Rechtfertigen bringt. Aber am meisten bin ich froh, dass er jetzt Vergangenheit ist.
Er dreht Annalena zu sich.
Weißt du, was ich heute verstanden habe? Ich kapiere jetzt, warum du damals gegangen bist. Du hast nach Ruhe gesucht nach unserem Sturm. Aber Stille ist eben oft ganz schön kalt.
Annalena lächelt schwach:
Kalt trifft es nicht. Ich bin innerlich erstarrt.
Dann stell schon mal den Tee auf. Wir müssen uns aufwärmen, bevor Franzi zurück ist und uns wieder zum Lego-Spielen zwingt.
…Der Sonntagabend verläuft ruhig. Franzi schläft zu Disney-Filmen ein und Konstantin fährt es wird Zeit, die restlichen Sachen aus seiner alten Wohnung zu holen.
Annalena sortiert währenddessen in der Abstellkammer, um ein Regal für seine Werkzeuge freizuräumen.
Dabei fällt ihr eine abgewetzte Mappe mit Papieren in die Hände. Ein vergilbter Briefumschlag rutscht heraus.
Annalena bleibt stehen. Sie erinnert sich an diesen Umschlag geschrieben vor fünf Jahren, als sie schwanger wurde und die Einsamkeit mit Thomas sie fast erdrückte. Sie war beinahe am Briefkasten, doch dann bekam sie Angst.
…In dem Moment dreht sich der Schlüssel in der Wohnungstür. Konstantin kommt mit zwei schweren Umzugskisten herein.
Puh, das muss jetzt endlich die letzte Ladung sein. Wenn ich noch eine Tüte mit alten CDs finde, verbrenn ich sie…, bricht ab, als er Annalena am Boden sieht. Was ist los, Anna? Schatztruhe gefunden?
Sie reicht ihm den Umschlag.
Mich selbst. Vor fünf Jahren.
Konstantin stellt die Kisten ab, setzt sich zu ihr und öffnet den Brief vorsichtig. Schweigend liest er.
Hallo Konsti. Wahrscheinlich schicke ich das nie ab. Ich will nur, dass wenigstens dieses Papier weiß: Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe Thomas geheiratet, weil ich deine Stimme in meinem Kopf übertönen wollte. Heute habe ich erfahren, dass ich ein Kind bekomme. Und ich habe Angst, dass ich ihre Augen nach deinen durchsuchen werde. Tut mir leid für damals, für diesen August. Wir waren zu stolz, um glücklich zu sein…
Konstantin liest bis zum Schluss, dann sieht er Annalena an.
Fünf Jahre…, sagt er leise. Damals saß ich mit irgendjemanden in einer Bar und versuchte, mich an deinen Duft zu erinnern. Hättest du das abgeschickt…
Was wäre dann? Wärst du gekommen? Hättest du mich vor Thomas gerettet?, fragt sie kaum hörbar.
Nein, schüttelt er den Kopf. Ich hätte dich nicht gerettet. Wir hätten alles nur noch schlimmer gemacht. Du warst verheiratet, ich voller Zorn. Es wäre noch mehr Schmerz gewesen.
Er hebt ihr Kinn, sieht ihr lange in die Augen.
Gut, dass du ihn nicht abgeschickt hast, Anna.
Wirklich?, verblüfft sie sich.
Ja. Denn dann wären wir uns als Unglückliche begegnet. Heute begegnen wir uns als die Richtigen.
Konstantin steht auf, nimmt den Brief. Das Feuerzeug klickt. Die Ecke des Briefes lodert kurz, dann ist nur noch Asche in der Schale.
Warum hast du das getan?, flüstert sie.
Damit hier keine Geister mehr wohnen, antwortet er und nimmt sie fest in den Arm. Von der Annalena vor fünf Jahren gibt es nichts mehr. Es gibt die, die heute mit mir Kaffee gekocht hat. Und mich endlich zuhause.
Annalena schmiegt sich an ihn, Herzklopfen im Ohr.
Weißt du, flüstert sie nach einer Weile, Franzi hat wirklich deine Augen. Nicht buchstäblich… aber wenn sie bockt und das Kinn nach vorne schiebt das bist genau du.
Das arme Kind, lacht Konstantin. Mit meinem Dickkopf wird sies nicht leicht haben. Dann bleib ich halt länger und bring ihr bei, wie man da durchkommt.
…Ein halbes Jahr vergeht. Der Alltag ist keine Arena mehr, sondern ein sicherer Hafen. Morgens diskutieren sie darüber, wer Franzi zum Kindergarten bringt und warum schon wieder das Müsli alle ist.
Thomas stürmt das Leben nicht mehr wie ein Orkan er ist zum regelmäßigen Abholen am Samstag geworden.
…An einem regnerischen, unscheinbaren Tag sitzt Annalena mit Rechnungen am Tisch, während Konstantin die kaputte Puppe von Franzi repariert. Die Wohnung ist warm und ruhig.
Weißt du…, bricht Konstantin das Schweigen, die sieben Jahre vorhin waren eigentlich nur eine verdammt lange, stickige Pause.
Annalena blickt auf, lächelt legt ihre Hand auf seine:
Hauptsache, wir sind nicht gegangen, bevor der zweite Akt begonnen hat. Auch wenn das Theaterbuffet mies und die Plätze ganz hinten waren…
Konstantin sagt ruhig:
Wir sind endlich reif für unser Glück geworden.Ein leises Klicken an der Wohnungstür, Franzi wirft den nassen Regenmantel auf den Flur und rennt mit spritzenden Socken in die Küche.
Mama! Konsti, ich hab draußen einen Wurm gerettet! Wir haben alle gesagt, der geht unter, aber ich hab ihn wieder in die Wiese gebracht. Das war wie Zaubern.
Konstantin grinst, wischt sich das Schweißband von der Stirn die Puppe ist endlich wieder ganz.
Du bist eben eine Heldin, Franzi. Und weißt du, Helden bleiben nie allein.
Annalena nimmt ihre Tochter in den Arm, zieht Konstantin an ihre Seite. Draußen prasselt der Regen gegen die Scheiben, während innen drei Hände fest ineinandergreifen.
Keiner spricht das Offensichtliche aus: Dass Glück manchmal nicht laut kommt, sondern wie der Duft von frischem Tee, wie Lachen nach all den Tagen des Schweigens, wie das leise Zusammenwachsen gebrochener Linien in einer Vase.
Und während Franzi eifrig von ihrer Wurmrettung erzählt, Konstantin den alten Apfelteiler zum dritten Mal zerlegt und Annalena beobachtet, wie die beiden die Küche in ein Abenteuerland verwandeln, weiß sie: Das Beste an einem Zuhause ist nicht der Schutz vor dem Regen sondern, mit wem man gemeinsam drinnen sitzt und ihn vorbeiziehen sieht.
Mit einem letzten Blick durch das Fenster hinauf in den wolkenverhangenen Himmel, denkt Annalena: Die sieben Jahre bis zum Tee haben sich gelohnt. Und irgendetwas sagt ihr, dass jetzt jeder Tag zählt und zwar wirklich, einer nach dem anderen.





