Monika merkte gar nicht, wie sie plötzlich auf Zehenspitzen durch ihr eigenes Zuhause schlich. Sie bemühte sich, alles leise und unauffällig zu erledigen, um ihre Tochter und ihren Schwiegersohn nicht zu stören.

Ach, Mama, du brätst schon wieder Fisch, sagte Birte und warf einen Blick in die Küche. Ich habe doch die Fenster geöffnet und die Dunstabzugshaube eingeschaltet, entgegnete Monika.

Seit vier Monaten, seit ihre Tochter wieder bei ihr wohnt, findet Monika sich immer öfter mit irgendwelchen Ausreden ab. Das Essen sei zu salzig geworden oder die Wäsche liege nicht am richtigen Platz. Oder der Fernseher im Zimmer ihrer Tochter sei zu laut.

Monika bemerkte gar nicht, wie sie anfing, auf Zehenspitzen durch ihre eigene Wohnung zu schleichen. Sie versuchte, alles ganz leise und vorsichtig zu erledigen, um Birte und ihren Schwiegersohn nicht zu stören. Anfangs schien alles normal…

Nach der Hochzeit beschlossen Birte und ihr Mann, getrennt zu wohnen. Sie mieteten eine kleine Wohnung in Hamburg und kamen am Wochenende zu Besuch. Das war verständlich beide hatten ihre Jobs und ihr eigenes Leben.

Eines Tages fühlte sich Monika gar nicht wohl. Die Nachbarn riefen einen Rettungswagen. Kurz darauf kam auch Birte hinzu. Nach Monikas Entlassung aus dem Krankenhaus sagte Birte zu ihrer Mutter: Wir haben eine Überraschung für dich! Ich glaube, sie wird dir gefallen. Du siehst sie gleich daheim.

Monika betrat ihre Wohnung und stolperte sofort über einige Taschen im Flur. Wir haben beschlossen, ab jetzt bei dir zu wohnen. Wir kümmern uns um dich, verkündete Birte.

Monika war von der Entscheidung der Kinder vollkommen überrascht. Anfangs kümmerte sich Birte tatsächlich liebevoll um ihre Mutter. Sie putzte, kochte, bügelte. Doch nach zwei Monaten begann sie den eigentlichen Grund des Einzugs zu vergessen. Monika ging es wieder besser und sie fing an, alles selbst zu machen. Während die Kinder bei der Arbeit waren, putzte und kochte Monika wie eh und je. Birte bat ihre Mutter mehrfach, sich ein wenig zu schonen, doch Monika überzeugte sie jedes Mal, dass sie sich fit fühle.

Birte und ihr Mann schätzten bald die Vorteile, mit Monika zusammenzuwohnen. Keine Miete. Die Wohnung war immer sauber und das Essen fertig.

Mama, heute kommen ein paar Freunde zu uns. Könntest du zum Nachbarn rübergehen und dort Tee trinken? So fühlen wir uns wohler und du bist nicht alleine, bat Birte einmal.

Eigentlich wollte Monika abends nicht das Haus verlassen vor allem, weil die Nachbarin früh schlafen ging. Draußen war es warm, also entschied sie sich, einen Spaziergang um das Haus zu machen und etwas frische Luft zu schnappen. Die Zeit verging, doch die Gäste schienen keinen Gedanken ans Gehen zu verschwenden. Monika wollte sich eigentlich ausruhen, aber sie wollte warten, bis Birte sie hereinrief.

Ein Nachbar, Frank, ging mit seinem Hund vorbei und kam nach einer halben Stunde zurück. Monika saß immer noch auf der Bank. Entschuldigen Sie, geht es Ihnen gut?, fragte Frank vorsichtig. Ja, danke, meine Tochter hat Gäste und ich will niemanden stören. Sie wohnen doch im Erdgeschoss, oder? Ganz genau.

Ihr Kontakt beschränkte sich bisher auf einige höfliche Grüße im Treppenhaus. Franks Frau war vor kurzem gestorben, seine Kinder lebten ihr eigenes Leben. Kommen Sie doch rüber, wir trinken einen Tee. Es ist schon kalt. Rufen Sie Birte an und sagen Sie, dass Sie eine Weile bei mir sind. Monika wählte die Nummer, aber Birte antwortete nicht. Sie schien beschäftigt zu sein. Dann begleiten Sie mich, sagte Monika schließlich.

Sie tranken Tee und sprachen lange. Plötzlich rief Birte an. Mama, wo bist du? Unsere Gäste sind längst weg, wir gehen schlafen und du bist immer noch nicht zu Hause.

Birtes Stimme klang wieder vorwurfsvoll. Monika wusste nicht, was sie diesmal falsch gemacht hatte. Sie machte sich bereit zum Gehen. Frank brachte sie zur Tür.

Es ist ja nur eine Etage, sagte Monika. Ich begleite Sie trotzdem dann geht es mir besser, erwiderte Frank.

Ab diesem Tag besuchte Monika Frank häufiger. Sie tranken gemeinsam Tee oder kochten zusammen.

Manchmal bereitete Frank selbst etwas nach seinem eigenen Rezept zu. An Birtes Geburtstag waren wiederum viele Gäste im Haus und Monika ging zu Frank. Dein Zuhause ist so ruhig und friedlich, murmelte sie eines Abends. Du kannst gern für immer bei mir bleiben, sagte Frank und sah sie auf eine Weise an, dass Monika wusste, er meint es ernst. Ich denke darüber nach, lächelte sie. Aber sie wusste schon jetzt, dass sie ja sagen würde.

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Homy
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Monika merkte gar nicht, wie sie plötzlich auf Zehenspitzen durch ihr eigenes Zuhause schlich. Sie bemühte sich, alles leise und unauffällig zu erledigen, um ihre Tochter und ihren Schwiegersohn nicht zu stören.
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