Er hielt den Geschäftsführer der Firma für den Paketboten 😱

3. Juni 2024

Ich habe heute etwas erlebt, was mich wirklich zum Nachdenken gebracht hat. Das Sprichwort Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband hört man oft, doch wie selten begegnet es uns in der Realität! Im Foyer eines der elegantesten Bürohäuser Münchens wurde mir das heute auf eindrucksvolle Weise vor Augen geführt. Das Erlebnis hat sowohl mich als auch einen jungen Kollegen eines gelehrt allerdings war die Lektion für ihn wohl härter.

Der Morgen begann ganz gewöhnlich. Ich saß an der Rezeption, als ein Mann die große Glastür durchschritt. Er war Mitte vierzig, trug einen abgetragenen Jogginganzug von Adidas, dazu ausgelatschte Turnschuhe und eine Plastiktüte in der Hand. Der Mann schritt zielstrebig auf die Aufzüge zu und da trat ihm mein Kollege, Sebastian, entgegen. Sebastian ist noch keine dreißig, stets in Maßanzügen, ein aufstrebender Manager. Von weitem konnte man schon seinen überheblichen Gesichtsausdruck erkennen.

He, Kollege! Für Lieferanten ist der Eingang hinten. Sie haben sich offenbar verlaufen. Bevor ich noch den Sicherheitsdienst hole bitte gehen Sie!, blaffte Sebastian herablassend.

Der fremde Mann lächelte nur milde, kaute an einem Leberkäsbrötchen, das er gerade aus seiner Tüte gezogen hatte, und antwortete gelassen: Ich muss nur mal rauf in den fünfzigsten Stock. Ich habe da ein Meeting.

Sebastian lachte höhnisch und winkte schon nach der Security, bereit, den Penner hinauswerfen zu lassen. Aber in diesem Moment öffnete sich der Fahrstuhl. Heraus kam Dr. Frauke, unsere Geschäftsführerin.

Außer Atem rief sie: Herr Vorsitzender, zum Glück sind Sie da! Der Aufsichtsrat wartet auf Ihre Stimme.

Dr. Frauke nahm dem Mann ehrerbietig die Tüte ab. Sebastian erstarrte, wurde kalkweiß. Der Mann in Sportklamotten war also der Besitzer des ganzen Gebäudes Herr Paul Schröder persönlich.

Die Stille im Foyer war greifbar. Auch der Sicherheitsmann, bereits in Habachtstellung, fror in der Bewegung ein und wich langsam zurück.

Herr Schröder sah erst Sebastian, dann Dr. Frauke an und sagte ruhig: Frauke, du hast doch erzählt, wir stellen nur die Besten der Besten ein. Akademiker mit Rückgrat.

Sebastian rang um Worte, seine Stimme zitterte: H-herr Schröder, es tut mir leid! Ich habe Sie nicht erkannt Es muss ein großes Missverständnis sein, ich wollte nur für Sicherheit sorgen…

Herr Schröder hob nur die Hand, um das Gefasel zu beenden, und trat ganz nah an Sebastian heran. Neben ihm wirkte Sebastian in seinem schicken Hugo Boss-Anzug plötzlich klein und fehl am Platz.

Weißt du, was eine echte Verwechslung ist?, fragte er dann. Berichte zu verwechseln, das ist eine Verwechslung. Aber Menschen nach ihrer Kleidung zu bewerten, das ist eine Charakterfrage. Du respektierst Menschen nur, wenn sie Designeranzüge tragen.

Er wandte sich an Dr. Frauke: Frauke, sei so gut und gib mir mein Frühstück zurück.

Sie reichte verlegen die Plastiktüte. Paul Schröder griff hinein, biss genüsslich von seinem Brötchen ab und sagte: Ich habe diese Firma gegründet, in einer Garage am Rand von München, und ich habe dabei oft noch schlimmer ausgesehen als heute. Ich weiß, was harte Arbeit bedeutet. Es gibt Menschen, die vergessen scheinbar schnell, woher ihr Gehalt stammt. Für sie ist Erfolg nur Mittel zum Zweck, sich über andere zu stellen.

Sebastian stand mit gesenktem Kopf da er erwartete jetzt wohl, entlassen zu werden.

Sebastian, ab heute bist du nicht mehr Senior Manager.

Sebastian blickte fassungslos auf. Doch Paul Schröder fuhr fort: Aber ich gebe dir eine Chance. Im Logistikbereich ist eine Stelle als Kurier frei. Da kannst du morgen anfangen. Briefe austragen, Mittagessen holen, und den Hintereingang nutzen. Die Bezahlung ist angemessen. Hältst du drei Monate durch und lernst dabei, jeden Menschen gleich zu begrüßen, reden wir über einen Wiedereinstieg ins Büro. Entscheid dich oder verlasse sofort das Gebäude, für immer.

Mit einem Augenzwinkern an den noch starren Sicherheitsmann stieg Paul Schröder in den Fahrstuhl und sagte: Frauke, kommen Sie. Wir sind sowieso schon spät dran.

Die Tür schloss sich. Sebastian stand wie versteinert, rot vor Scham, mitten im glänzenden Foyer, unter den neugierigen Blicken aller Anwesenden. Langsam löste er seine teure Krawatte. In diesem Moment begriff ich, wie sehr sich sein Leben verändern würde.

Doch er ging nicht. Am nächsten Morgen kam Sebastian tatsächlich in Jeans und mit Rucksack, bereit, als Kurier zu arbeiten. Er hatte verstanden.

Was habe ich daraus gelernt?

1. Äußeres täuscht. Erfolg ist kein teurer Anzug und Souveränität keine Modemarke.
2. Respekt ist keine Frage der Hierarchie. Ich sollte mit jeder Reinigungskraft ebenso respektvoll sprechen wie mit der Geschäftsführerin.
3. Zweite Chancen werden verdient durch Demut und die Bereitschaft, zu lernen.

Ob Herr Schröder zu hart war? Ich finde nicht. Im Gegenteil: Manchmal zeigt wahre Größe sich darin, dass man jemanden durch Arbeit Demut und Respekt lehrt, statt ihn einfach fallen zu lassen.

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Homy
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