Lerne, dich selbst zu lieben – dann wird in deinem Leben alles ins Lot kommen

Liebe dich selbst, und alles wird gut

Draußen tobte ein Schneesturm, eisig und grau und so fühlte es sich auch in Annas Herz an. Sie saß allein in ihrem großen Haus, es fehlte ihr an nichts, nur an Gesellschaft. Sie hatte ja einen Mann, Heinrich, doch der war wieder am Abend geschäftlich unterwegs. Anna wusste nur zu gut, was das bedeutete.

Die Kinder waren schon lange aus dem Haus. Der Sohn, Paul, hatte eine Familie, lebte in einem anderen Stadtteil von München. Die Tochter, Lieselotte, wohnte nun weit entfernt, hinter Hamburg. Dort hatte sie an der Universität studiert, einen einheimischen Mann geheiratet, nun zogen sie gemeinsam die kleine Enkelin groß.

Mit Lieselotte hatte Anna heute telefoniert.

Mama, warum klingst du so traurig? hakte Lieselotte nach, ist alles in Ordnung?

Ach Kind, seufzte Anna ausweichend, mir gehts gut. Wie lebt es sich bei euch, wie gehts meinem Goldschatz von Enkelin?

Uns gehts super, Mama! Karl ist zwar total eingespannt, du weißt ja, als Chirurg hat er immer viel zu tun und kommt müde heim aber er liebt seinen Beruf wirklich, das ist seine Berufung. Und unsere kleine Mia geht bald in den Kindergarten wir wachsen und sind glücklich.

Ich freu mich für euch, mein Kind, soll alles gut bleiben, sagte Anna leise. Ihre Stimme klang müde.

Dein Ton gefällt mir nicht, Mama. Und wo ist Papa?

Papa? Ach, der ist draußen im Hof, wollte das Auto warmlaufen lassen. Es ist heute sehr frostig, Sturm, du weißt ja., wich Anna aus sie wollte ihre Tochter nicht mit ihren Sorgen belasten.

Seit mehr als einem halben Jahr lebte Anna nun schon in ständiger Unruhe und Sorge. Wem sollte sie sich anvertrauen? Wozu auch? Manche würden vielleicht bedauern, andere klammheimlich schadenfroh sein. An jenem heißen Junitag, als Anna im Garten unter dem Fenster Unkraut zupfte, hatte sie es erfahren. Das Fenster stand offen, sie verlor sich in Gedanken, doch dann drang Heinrichs Stimme an ihr Ohr laut, liebkosend, voller Zärtlichkeit. Sicher, dass Anna gar nicht im Haus sei, stand er unbemerkt am Fenster.

Na, Sonnenstrahl heute klappt es nicht, aber ich vermisse dich auch Ich liebe dich Bitte sei nicht traurig, morgen komme ich. Du kennst mich, wenn ich es verspreche, dann halte ich mein Wort

Dann war er fort, ob aus dem Raum oder vom Telefon egal. Für Anna war es, als hätte ihr jemand mit voller Wucht den Boden unter den Füßen weggezogen. Ihr Heinrich, dem sie so fest vertraute, war wie so viele andere Männer. Sie erinnerte sich an ihre Schwester, die einst über den Seitensprung ihres Mannes klagte für Anna damals noch unvorstellbar.

Nun war Anna selbst an ihrer Stelle, verstand nun alles. In Schock und Wut wusste sie nicht, ob sie weinen oder Heinrich vor die Tür setzen sollte. Sie setzte sich hinter das Gartenhäuschen und weinte.

Mein Gott, wie konnte das ausgerechnet mir passieren? Ausgerechnet Heinrich, dem ich so vertraut habe! Vielleicht kann auch er dem Teufel, der in manch einem Mann steckt, nicht widerstehen.

Heinrich war nun siebenundvierzig Jahre alt und hatte es zu etwas gebracht. Anna, seine Frau, war liebevoll und treu. Die Kinder wohl geraten, lebten längst ihr eigenes Leben. Sie wohnten mit Heinrich in einem großen Dorf in Bayern, er betrieb dort eine alteingesessene Mühle, mahlte Korn zu Mehl, produzierte auch Tierfutter, das er in die Region lieferte.

Monatelang trug Anna all das mit sich herum. Nach und nach fand sie heraus, mit wem ihr Mann da anbandelte. Sorgfältig sammelte sie Hinweise, durchstöberte gar heimlich Heinrichs Handy, während er schlief.

So erfuhr sie den Namen: Theresa hieß sie. Im Zusammenhang mit entfernten Bekannten war sie ihr sogar schon begegnet. Sie lebte im sogenannten Falkenring, wie das Wohnviertel im Ort genannt wurde, mit den alten Mehrfamilienhäusern. Über dieselben Bekannten kam Anna an die Adresse.

Unsere Cousine Theresa ein schwieriger Fall, berichtete ihr eine Bekannte, Christa. Man kann nichts sagen, hübsch ist sie, aber nie verheiratet, und ein Kind hat sie auch nicht. Ehrlich, sie ist nicht gerade wählerisch… Ihre Schönheit hat sie verdorben, die Männer haben sie zu sehr verwöhnt. Schon fünfunddreißig, und meint immer noch, das Beste käme noch… Sie hat mir neulich selbst gestanden, es fehle ihr an Halt, ein Kind allein will sie auf keinen Fall großziehen. Christa wusste natürlich nicht, dass es ausgerechnet Heinrich war, der zu Theresa ging.

Anna sagte kein Wort, schluckte alles herunter, aber zuhause brachen die Tränen heraus.

Mein Gott, wie schwer ist das alles

Nach einiger Zeit zwei Monate sollte es noch dauern ging Anna zu Theresa. Sie hielt es nicht mehr aus. Als Theresa die Tür öffnete und Anna sah, wurde sie kreidebleich. Natürlich kannte sie die Ehefrau.

Ganz ohne Einladung ging Anna hinein, setzte sich mit müder Stimme ins Wohnzimmer.

Hallo, hauchte sie, ich muss mich setzen. Sie schaute sich um.

Theresa blieb verunsichert stehen, Angst im Blick rechnete wohl damit, dass Anna die Nerven verlieren würde, wie es viele in solchen Situationen tun. Doch Anna rang um Fassung, dann fauchte sie:

Hast du kein Gewissen? Ist es nicht beschämend, mit einem verheirateten Mann zu schlafen? Es gibt doch genug alleinstehende Männer. Auf dem Unglück anderer lässt sich kein Glück bauen das weiß jeder.

Theresa fing an zu weinen, ganz unerwartet.

Ich weiß nicht, was mit mir passiert ist. Aber ich liebe Heinrich und kann ohne ihn nicht mehr leben.

Da konnte auch Anna sich nicht mehr beherrschen. Sie verpasste Theresa eine Ohrfeige, die griff sich an die Wange.

Vergib mir, Anna. Es war, als hätte mich etwas überfallen, schluchzte Theresa.

Anna musste ebenfalls weinen. Sie saßen gemeinsam schluchzend auf dem Sofa. Als sie sich endlich beruhigten, sagte Anna:

Sag ihm nichts, dass ich hier war. Aber, hör auf sonst verzeih ich dir das nie wieder! Sie verließ das Haus wortlos.

Theresa hat Heinrich nie erzählt, dass Anna sie besucht hatte. Anna selbst schwieg ebenfalls. So lebten sie weiter. Ob Heinrich wirklich noch zu Theresa ging? Manchmal fuhr er abends geschäftlich fort Anna ahnte, wohin.

Ich weiß einfach nicht weiter. Heinrich ist mein Ein und Alles. So viele Jahre wir sind beinahe eins geworden. Wie soll ich leben ohne ihn? Alles, was wir gemeinsam aufgebaut haben, müsste im Falle einer Scheidung geteilt werden ich will das nicht. Lieber alles so lassen, wie es ist, dachte sie, blickte in den dunklen Winterabend hinaus.

Selbst wenn Heinrich mir das große Haus ließe, was sollte ich alleine damit? Immer fällt etwas an: hier eine Reparatur, dort ein Defekt. Heinrich ist ständig am Werkeln. Ich habe Angst vor dem Alleinsein und vor finanziellen Sorgen Und die Kinder? Wie sollte ich ihnen erzählen, dass ihr Vater eine Jüngere hat? Das wäre ein Schock.

Anna wälzte all ihre Sorgen mit sich herum und wusste: viele würden sagen, sie solle sich mehr achten, loslassen, ihre Würde bewahren und Heinrich verlassen. Sich selbst lieben.

Vielleicht stimmt das ja, überlegte Anna, aber ich liebe meinen Mann. Vielleicht ist das nur ein vorübergehender Rausch, vielleicht besinnt er sich wieder. Eigentlich hat sich nichts verändert: Er ist freundlich, spricht liebevoll, wir streiten nicht. Vielleicht stimmt es ja wirklich: Wenn man sich selbst liebt, wird alles gut. Ich sollte auch mehr an mich denken

Es war schwer für Anna, seitdem sie von Theresa wusste. Schwer, mit Heinrich umzugehen, als wäre nichts gewesen. Immer wieder schlich sich das Bild der jungen, schönen Theresa in ihre Gedanken. Und so seltsam es klingen mochte Anna hatte sich irgendwie damit abgefunden, dass ihr Mann nicht mehr nur mit ihr schlief.

Wo ist er jetzt? Behauptet, er sei zur Arbeit unterwegs. Ich ahne, wohin.

Plötzlich kam ihr ein Gedanke, der sie ins Wanken brachte:

Sollte ich mir vielleicht auch einen anderen Mann suchen? Ich sehe noch gut aus, bekomme Komplimente… Doch gleich wehrte sie ab: Das schaffe ich nicht, ich kann mir keinen anderen vorstellen. Mein Heinrich ist der Beste nur, wie kriege ich ihn zurück? Ich könnte ihm vergeben, so schwer mir das auch fiele. Männer denken über Liebe vielleicht einfach anders Oder ich irre mich, man kann nicht in ihre Köpfe sehen.

Sie erinnerte sich an die Jugendzeit und musste traurig lächeln.

Damals waren wir reich und glücklich zumindest im Herzen. Wir wohnten in einer kleinen Bude, zählten die Pfennige von einem Gehalt zum nächsten, und um das Abendbrot zu sparen, gingen wir lieber ins Kino. Wie lang das schon her ist. Heute haben wir alles, was wir brauchen, doch ich bin einsam. Mit niemandem mag ich über all das sprechen, will niemandem mein Herz ausschütten.

DANN ENTSTAND DIE IDEE MIT DEM ÜBERRASCHUNGSGESCHENK

Anna saß noch allein mit ihren Gedanken, als sie die Scheinwerfer des Autos im Hof bemerkte. Heinrich war zurück, parkte langsam in der Garage. Schließlich öffnete er die Haustür.

Anna, wo bist du? Warum sitzt du im Dunkeln?, rief er, als er das Licht in der Küche anschaltete.

Hier bin ich, antwortete sie leise, Ich war in Gedanken und das Wetter ist auch so schlecht.

Sag bloß nichts! Die Straßen sind komplett verschneit, ich hatte schon Angst, im Schnee steckenzubleiben. Alles ist weiß. Ich hab Hunger, machst du mir was zu essen? Sein Ton klang ganz alltagsnah.

Anna stand auf, begann zu hantieren, Heinrich ging sich die Hände waschen. Beim Abendessen schaute er sie an und lächelte.

Hör mal, Anna, bald ist doch Silvester und ich habe mir da was überlegt.

Anna erschrak. Unerwartete Überraschungen waren ihr zurzeit nicht lieb.

Was denn? fragte sie kaum hörbar.

Heinrich zögerte, sah sie lange an, bemerkte die Anspannung in ihrem Blick, wartete einen Moment.

Ach, Anna, wir waren schon ewig nicht mehr weg. Warte, ich zeigs dir Er stand auf, ging in den Flur, kehrte gleich zurück. Hier, ich habe zwei Tickets ans Meer für uns geholt. Wir fliegen nach Mallorca. Silvester unter Palmen!

Anna fiel ein Stein vom Herzen, als wäre eine riesige Last von ihr genommen. Noch immer misstrauisch, sagte sie:

Ach, Heinrich du bist eben immer noch derselbe. Immer für eine Überraschung gut. Ich komm sofort mit im Winter Palmen sehen, das hätte ich nie gedacht! Sie lachte zum ersten Mal seit langem.

Die Idee hatte übrigens Paul, aber ich wollte dich sowieso mal rausbringen. Pack schon mal die Koffer!

Alles wendete sich zum Guten. Gemeinsam flogen sie nach Mallorca, feierten dort ein anderes Silvester, kamen erholt nach Hause zurück. Das Leben ging weiter und Anna begann, wieder an ihren Heinrich zu glauben. Sie merkte, wie er ihr künftig mehr Aufmerksamkeit schenkte, kaum noch wegblieb, immer anrief, wenn er sich verspätete nur, damit sie sich keine Sorgen zu machen brauchte.

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Homy
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