Meine Eltern haben mir eine arrangierte Hochzeit aufgezwungen, doch ich sehnte mich nur nach einem besseren Leben!

Ich bin in einer kinderreichen Familie auf dem Land aufgewachsen, als zweitälteste von insgesamt zehn Geschwistern. Schon im zarten Alter durfte ich mir sämtliche häuslichen Pflichten ans Revers heften: Kochen, Wäsche waschen, die kleinen Geschwister hüten, im Gemüsegarten rupfen und natürlich das tägliche Begrüßen und Versorgen unserer Kühe als wäre ich nicht gerade schon ausgelastet genug. So oft bin ich abends völlig erschöpft ins Bett gefallen, dass ich bezweifelte, ob ich das Kissen überhaupt noch erreicht habe.

Kaum war ich volljährig, fingen meine Eltern auch schon an, mir dezent, aber eindringlich einen Ehemann schmackhaft zu machen schließlich war ich laut ihnen ein weiterer Esser am Tisch, der dringend unter die Haube musste. Mein Mitspracherecht war dabei dezent, um nicht zu sagen, nicht vorhanden. So wurde mir kurzerhand eine Hochzeit mit einem gewissen Sebastian arrangiert, einem damals siebenundzwanzigjährigen Typen aus der Stadt, der bei seiner gelähmten Oma wohnte.

Naja, nach der Hochzeit zog ich dann bei Sebastian und seiner Oma ein. Spoiler: Mein Leben änderte sich ungefähr gar nicht bis auf den Ortswechsel und die Tatsache, dass ich nun statt meiner kleinen Geschwister eine alte Dame umsorgte. Sebastian spielte sich als Hausherr und Alleinverdiener auf, benahm sich mir gegenüber aber wie ein schlecht gelaunter Chef Schreien und Beleidigen gehörten zu seinem Tagesprogramm, ganz ohne Anlass, versteht sich. Als nach einem halben Jahr Sebastians Oma verstarb, waren nur noch wir zwei übrig. Romantisch? Nicht im Geringsten.

Bald darauf kamen unsere Tochter Marlies und unser Sohn Helmut zur Welt. Während Marlies mir immer ihre Liebe zeigte, entwickelte Helmut bedauerlicherweise die gleichen freundlichen Umgangsformen wie sein Vater. Doch im trauten Heim voller Gemecker fand ich mein kleines Glück: Über einen Beitrag im Fernsehen entdeckte ich die Kunst des Kerzenziehens. Also investierte ich meine hart ersparten Euros in das nötige Equipment und startete ein Nebengewerbe. Sebastian war natürlich hellauf begeistert nicht! , spottete bei jeder Gelegenheit. Aber siehe da: Meine Kerzen wurden zum Renner, und plötzlich klimperten Euros auf meinem eigenen Konto!

Die Zeit verging, die Kinder wurden erwachsen. Marlies blieb mein Sonnenschein, Helmut wurde mürrischer Vaterschatten. Aber meine Kerzenmanufaktur florierte, und meine Sparkasse wurde immer praller. Als Sebastian mich dann auch noch auslachte, weil ich mir eine bescheidene neue Rock gegönnt hatte, machte es bei mir endgültig Klick.

Meine Kinder waren schon über dreißig, ich noch nicht einmal fünfzig. So sammelte ich meine Ersparnisse, mietete mir eine kleine Wohnung in Bremen, reichte die Scheidung ein und tat, was ich eigentlich immer tun wollte: In Ruhe leben, ohne ständige Streitereien und Gemecker. Es war weniger Trotz, sondern vielmehr der Wunsch, endlich ein bisschen Glück und Frieden zu finden ganz ohne bösen Beigeschmack.

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Homy
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