Ich war mit einem Mann namens Hans zusammen. Hans ist ein anständiger Kerl, etwas altmodisch in seinen Ansichten, der an die wahre Liebe glaubt. Er hat immer seine Freunde mit dem Auto zur Arbeit oder zur Uni gefahren, streunte oft durch die Parks und fütterte die herrenlosen Katzen an der Ecke. Mit seinem gepflegten Aussehen, einer hübschen Zwei-Zimmer-Wohnung in München, einem ordentlichen Wagen und einer soliden Stellung in einer bekannten Firma hätte er jedem gefallen können.
Ich war wirklich glücklich, dass ausgerechnet ich seine Partnerin sein durfte. In dem Moment kam ich mir wie die glücklichste Frau in ganz Deutschland vor. Meine Freundinnen waren neidisch und sagten immer im Chor: Pass bloß auf, dass du so einen Mann nicht verlierst!
Also habe ich mich bemüht, ihn nicht zu verlieren, und auch er hing sehr an mir. Doch das Glück währte leider nicht lange.
Eines Tages kam Hans ungewöhnlich still und bedrückt nach Hause. Er wich meinem Blick aus, seine Schultern hingen und ich musste sehr lange nachfragen, bis er mir endlich anvertraute, was passiert war. Er sagte mir, dass er meinen Ex-Mann zufällig getroffen habe. Ich sollte erwähnen, dass ich keinerlei Kontakt mehr zu Franz habe. Ich habe Hans nie Fotos gezeigt er wusste gar nicht, wie Franz aussieht! Es sieht also ganz danach aus, als hätte Hans selbst nach dieser Begegnung gesucht. Aber das war nur der Anfang.
Stellen wir uns mal vor, das Ganze wäre wirklich reiner Zufall gewesen und Hans hätte Franz zufällig erkannt. Aber nein Hans ist ganz bewusst auf ihn zugegangen, hat ein Gespräch begonnen. Zu allem Überdruss haben die beiden auch noch zusammen geraucht und dabei wurde das Gespräch schnell auf meine Person gelenkt. Ich habe Hans nie etwas verheimlicht. Ich fragte mich nur, was sie groß reden könnten. Sagen, dass ich schockiert war, ist eigentlich noch untertrieben. Später hat Hans selbst eingeräumt, dass das keine gute Idee war. Wie sich herausstellte, hatte er meinem Ex-Mann Fragen gestellt: Wie ich so drauf sei, was für einen Charakter ich hätte, woran die Ehe gescheitert sei lauter solche Sachen.
Ich brach in Tränen aus. Für mich war das Verrat. Sich mit meinem Ex-Mann zu treffen, um hinter meinem Rücken Informationen zu sammeln, obwohl er mich alles hätte fragen können. Ist das normal? Ist das in Ordnung? Warum nur, Hans?
Mein Ex-Mann hatte dann allerlei Unsinn über mich erzählt. Und Hans fing daraufhin an, mich zu fragen, ob das alles wirklich stimme. Wofür sollte ich mich rechtfertigen? Für Geschichten, die nie passiert sind? Jemand erzählt Blödsinn, und ich soll mich rechtfertigen?
In diesem Augenblick habe ich gespürt, dass ich keinen Respekt mehr für diesen Mann empfinden konnte. Ich kann die älteren Damen verstehen, die auf der Bank vor dem Haus sitzen und über alles und jeden tratschen das sind halt Omas. Aber du bist ein Mann, Hans! Warum willst du hinter meinem Rücken Dinge wissen, anstatt mich einfach zu fragen? Schließlich hast du mich ins Herz geschlossen, wir haben zusammengelebt. Ich habe dir nie einen Grund gegeben, an mir zu zweifeln. Für mich war sein Verhalten derart enttäuschend und niederträchtig, dass sofort jegliches Gefühl für ihn verloren ging. Dafür gab es keine Entschuldigung. So einen Vertrauensbruch konnte ich nicht verzeihen.
Ich war immer der Meinung, dass ein richtiger Mann beleidigt oder wütend reagiert, wenn jemand schlecht über seine Freundin redet oder im schlimmsten Fall einen handfesten Streit anfängt. Aber absichtlich die Vergangenheit auszugraben, um die Ex zu befragen? Das ging für mich einfach zu weit.
So ist mein einst perfekter Hans in meinen Augen gefallen… Später fiel mir ein, was meine Großmutter immer gesagt hat: In einer Ehe zählt zuallererst der gegenseitige Respekt. Ich habe nie zu Extremem gegriffen, aber für mich sind klatschende Männer einfach zu viel. Männer können Fehler machen, Schwächen zeigen, weinen oder bockig sein. Aber wie eine alte Tratschtante auf Gerüchte hören das geht zu weit.
Heute weiß ich: Ohne Vertrauen und gegenseitigen Respekt kann keine Beziehung gelingen.





