Meine Geschwister haben meinen Eltern nie geholfen, aber jetzt beanspruchen alle ihren Anteil am Erbe.

Ich stamme aus einer großen Familie: Mein Vater, meine Mutter, mein älterer Bruder, zwei Schwestern und ich. Wir lebten in einer großzügigen Drei-Zimmer-Wohnung in München. Mein Vater hat zudem ein großes Ferienhaus im Allgäu gebaut. Trotzdem waren wir nie wirklich eine eng verbundene Familie. Die Kinder, besonders meine Schwestern, lagen ständig im Streit miteinander. Auch als wir älter wurden, änderte sich daran wenig die Beziehungen blieben meist kühl und immer angespannter.

Mein Bruder war der Erste, der das Elternhaus verließ. Nach seinem Wehrdienst heiratete er und wurde ein geschätzter Mann in Nürnberg, auch wenn seine Ehefrau nie viel für unsere Familie übrig hatte. Sie brachte eine Tochter zur Welt, und unsere Eltern versuchten regelmäßig, ihre Enkelin zu besuchen. Diese Besuche waren jedoch stets von der abweisenden Haltung meiner Schwägerin überschattet und alles andere als angenehm. Vor etwa sieben Jahren hörten diese Besuche schließlich ganz auf.

Meine ältere Schwester verliebte sich während des ersten Studienjahres an der Ludwig-Maximilians-Universität Hals über Kopf in einen Schauspieler und brach daraufhin ihr Studium ab. Drei Jahre reiste sie ihm und seinem Ensemble quer durch Deutschland hinterher. Irgendwann zerstritten sie sich er ließ sie in einer fremden Stadt zurück. Unsere Eltern boten ihre Hilfe an, doch sie schlug sie aus, ihr Stolz war zu groß. Zunächst wohnte sie in verschiedenen WGs, später erzählte sie uns, sie sei verheiratet. Wie sie ihren jetzigen Mann kennengelernt hat, weiß ich nicht, denn ich habe sie seit ihrem letzten Besuch vor zehn Jahren nicht mehr gesehen.

Meine zweite Schwester war von klein auf der Mittelpunkt unserer Familie, sie wurde stets bevorzugt behandelt. Ihre außergewöhnliche Schönheit hat ihr sicherlich dabei geholfen. In der Schule war sie nichts Besonderes, aber nach dem Motto: Der Mensch ist nur so viel wert wie sein Kontostand suchte sie sich ihre Partner aus. Direkt nach dem Abitur begann sie eine Beziehung mit dem Sohn eines bekannten Unternehmers aus Frankfurt. Als dessen Firma pleiteging, wandte sie sich einem Freund zu, der finanziell besser gestellt war. Sie leben seit fünf Jahren zusammen in Stuttgart und haben einen Sohn.

Mein eigenes Leben ist alles andere als ruhig verlaufen. Nach meinem Studium heiratete ich, und wir wurden Eltern einer Tochter. Doch mein Ehemann stürzte ab und wurde alkoholabhängig, worauf es zur Scheidung kam. Zeitgleich begannen meine Eltern ernsthafte gesundheitliche Probleme zu bekommen, und ich war jahrelang zwischen der Pflege meiner Eltern und der Erziehung meiner Tochter aufgerieben. Von meinen Geschwistern bekam ich leider nie Unterstützung, doch wenn es um das Erbe geht, beanspruchen alle ihren Anteil. Mein Vater hat mir das Haus im Allgäu schon vor langer Zeit überschrieben, aber ich bin überzeugt, dass mir auch ein Anteil an der Münchner Wohnung zusteht.

Am Ende habe ich gelernt, dass Familienbande oft viel komplizierter sind, als man sich eingestehen will. Verantwortung lässt sich nicht vererben, Liebe und Zusammenhalt kann man nicht erzwingen. Doch ich weiß heute auch: Im Leben zählt vor allem jene Stärke, die man aus sich selbst schöpft.

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Homy
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