Junge, seit wann wohnst du in meinem Haus? Was isst du eigentlich?

Ich bin 60 Jahre alt und bereits im Ruhestand. Seit zehn Jahren lebe ich allein ohne Ehemann, ohne Kinder, ohne Freunde. Meine beiden Töchter haben ihr eigenes Leben und ihre Familien in anderen Städten Deutschlands, mein Mann ist verstorben, und alles, was mir geblieben ist, ist mein kleiner Bauernhof südlich von München meine Freude und mein Rückzugsort. Sobald es draußen wärmer wird, packe ich meine Sachen, ziehe aufs Land, mache das Haus und den Garten sauber und pflanze Gemüse und Blumen. Dort fühle ich mich geborgen, dort kann ich durchatmen.

Aber im Winter halte ich es dort kaum aus. Der Schnee legt sich schwer auf Hof und Wege, und ich bin allein nicht fähig, alles freizuschaufeln. Niemand ist da, der hilft, also ziehe ich stets im Herbst zurück in meine kleine Wohnung in der Stadt. Im September dieses Jahres war ich leicht erkältet und blieb eine Woche in München. Doch sobald die Sonne wieder schien, fuhr ich zurück in mein geliebtes Dorf.

Vor meinem Haus angekommen, fiel mir auf, dass das Gartentor weit offenstand. Ich wunderte mich ob wohl jemand sich Zutritt in meinen Garten verschafft hatte? Doch alles war an seinem Platz, nur das Türschloss war aufgebrochen… Die Sorge stieg auf, ob eingebrochen worden war und was jemand bei einer Rentnerin suchte! Vorsichtig betraten ich das Haus. Aber auch drinnen war nichts gestohlen. Nur die Decke auf meinem Bett war benutzt, und auf dem Tisch stand eine Tasse dabei weiß ich ganz genau, dass ich immer alles sorgfältig spüle. Irgendetwas stimmte nicht.

Die erste Angst verflog, und nun ärgerte ich mich: Wer hat ohne mein Einverständnis hier gewohnt und aus meiner Tasse getrunken? Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich einen Jungen, der nahe am Haus ein Feuer entzündete und seine Hände vorsichtig zum Wärmen darüber hielt. Ein ungebetener Gast…

Ich trat hinaus und räusperte mich, wartete auf seine Reaktion. Der “Frechdachs” schreckte auf, sah ängstlich aus, lief aber nicht weg, sondern kam direkt zu mir:

Entschuldigen Sie, ich bin erst seit kurzem hier…

Ruhig, bescheiden, ein kleiner Junge, bei dem sich sofort Mitleid in meinem Herzen breit machte:

Seit wann bist du hier? Was hast du gegessen?

Zwei Tage… Viel Essen hatte ich nicht, nur etwas Brot…

Stolz zeigte er mir seine Angel mit einem Stück Weißbrot davon als Köder.

Wie bist du hierher gekommen?

Meine Mutter und ihr neuer Freund haben mich rausgeworfen. Ich will nicht bei ihnen wohnen, also bin ich weg…

Ich wette, das ganze Dorf sucht dich.

Niemand sucht mich, wie immer. Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich fort bin. Manchmal tauche ich wochenlang nicht auf, und es interessiert niemanden. Ich gehe nur zurück, wenn ich großen Hunger habe gefreut haben sie sich nie…

Bald stellte ich fest, dass der Junge gar nicht aus unserem Ort stammt. Die Geschichte war traurig, aber leider nicht ungewöhnlich: Die Mutter arbeitslos, ständig wechselnde Partner.

Nach dieser Erzählung wurde mir ganz schwer ums Herz und ich dachte darüber nach, wie ich helfen könnte. Natürlich ließ ich den Jungen im Haus, gab ihm etwas zu essen und blieb die ganze Nacht wach. Am Morgen erinnerte ich mich an meine alte Schulfreundin Claudia, die im Landratsamt arbeitet vielleicht konnte sie mich beraten. Also rief ich sie an.

Claudia versprach, sich um alles zu kümmern und half mir durch den behördlichen Papierkram alles dauerte zwar ein paar Wochen, aber ich wurde als seine offizielle Vormundin eingesetzt. Der Junge konnte sein Glück kaum fassen, und seine Mutter reagierte kaum darauf.

Nun leben wir zusammen wie Oma und Enkel: Im Winter in München, sonst auf dem Land. Bald wird der Junge eingeschult, und ich bin mir sicher, er wird sich bestens machen. Er kann schon schreiben, lesen, rechnen und malt wahnsinnig gern und wie er malt! Ein kleiner Künstler…

Das Leben zeigt manchmal, dass aus Einsamkeit und Unglück neues Glück entstehen kann, wenn man bereit ist, Mitgefühl zu schenken und Verantwortung zu übernehmen. Manchmal braucht es nur ein offenes Herz, um einen Unterschied zu machen.

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Homy
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Junge, seit wann wohnst du in meinem Haus? Was isst du eigentlich?
Was machen wir hier? Warum dringen wir in fremde Häuser ein?