„Ich verstehe alles… aber versteh auch du mich“: Eine Wahrheit, die Illusionen zerstört

Ich verstehe alles aber versteh auch du mich: Die Wahrheit, die Illusionen zerstört
An jenem Tag bereitete Jutta wie gewohnt das Mittagessen sie schnitt Fleisch für einen Eintopf. Die Küche duftete nach Zwiebeln, in der Pfanne brutzelte das Fett, und plötzlich klingelte das Telefon. Ihr Mann Markus hob ab. Seine Stimme war ruhig:
Hallo?
Dann eine Pause. Lang. Als ob jemand ununterbrochen redete und er nur zuhörte. Jutta wischte sich die Hände an der Schürze ab und verließ die Küche. Im Flur nichts. Das Telefonkabel schlängelte sich Richtung Kinderzimmer. Ihr Herz zog sich zusammen. Ohne zu wissen warum, ging sie leise, wie eine Diebin auf Zehenspitzen.
Hinter der angelehnten Tür hörte sie sein Geflüster. Ein Tonfall, den er mit ihr nie benutzte.
Lena, bitte, beruhige dich Ich verstehe es, wirklich. Aber versteh auch du mich. Ich habe eine Familie, ich kann jetzt nicht kommen Ich liebe dich auch. Sehr. Aber jetzt kann ich nicht reden Jutta könnte jeden Moment reinkommen. Ich werde es ihr sagen, aber noch ist nicht der richtige Zeitpunkt Morgen. Bitte, ruf mich hier nicht mehr an. Und ja Ich liebe dich.
Es traf sie wie ein Schlag. Die Hand, die bereit war, die Tür zu öffnen, erstarrte in der Luft. Ihr Herz schlug so heftig, dass das Atmen schwerfiel. *Ich liebe dich.* Das hatte er einer anderen Frau gesagt. Nicht ihr.
Jutta machte keine Szene. Die Stimme ihrer Mutter hallte in ihrem Kopf: *Niemals etwas Wichtiges in der Hitze des Gefechts entscheiden.* Sie richtete sich auf, so gut es ging, und kehrte in die Küche zurück. Sie griff nach dem Messer, aber ihre Hand zitterte. Die Fleischstücke landeten unordentlich auf dem Brett. Die Katze strich um ihre Beine, Jutta warf ihr ein Stückchen zu die einzige automatische Geste der Güte.
*Ich liebe dich auch*
Diese Worte drehten sich in ihrem Kopf wie ein Fluch. Dann blieb sie an einem anderen Satz hängen: *Ich habe eine Familie* Also war sie noch wichtig? Noch bedeutsam?
Aber was war sie dann? Nur die Mutter seiner Kinder? Die Haushälterin? Eine Gewohnheit? Der Schmerz drückte auf ihre Brust. Dabei war doch alles gut gewesen. Er war fürsorglich, aufmerksam. Keine Anzeichen von Distanz. Nie einen Grund gegeben.
Nach zwanzig Minuten kam Markus zurück in die Küche, atmete den Duft des köchelnden Essens ein und lächelte:
Das riecht ja fantastisch! Wie lange noch?
In dreißig Minuten. Ich hab das Fleisch klein geschnitten dann wird es schneller gar Wer hat angerufen?
Was?, fragte er, als hätte er nicht verstanden. Ach, von der Arbeit. Sie wollen, dass ich morgen komme Holzlieferung annehmen.
Die fragen dich oft am Wochenende. Das gefällt mir nicht.
Alle sind im Urlaub, Sommer halt
Mhm.
Warum bist du so traurig, Jutta?
Bin nur müde. Dachte, morgen wären wir zusammen, würden aufs Land fahren.
Und du arbeitest. Wir fahren abends.
Markus
Ja?
Liebst du mich?
Natürlich, was denn. Ich liebe dich, Jutta. Und unsere Jungs. Du weißt doch die Familie ist mir alles.
Er streckte sich, umarmte sie, küsste ihren Hals. Doch zum ersten Mal im Leben war diese Zärtlichkeit unangenehm.
Später lag sie auf dem Sofa und beobachtete ihre Söhne beim Spielen. Die Katze sprang auf ihren Bauch, krallte sich fest ein Dank für den Leckerbissen. Jutta drückte ihre Pfoten, legte den Kopf in das weiche Fell.
Diese Frau sie musste verschwinden.
Jutta konnte ihren Mann nicht teilen. Nicht mit ihm schlafen, wissend, dass er bei einer anderen gewesen war. Aber ihn zu verlieren unerträglich. Die Entscheidung kam von selbst: Sie würde sich um die Geliebte kümmern. Persönlich. Ohne sein Zutun.
Am nächsten Tag, als Markus die Kinder in den Kindergarten brachte und sich auf die Arbeit vorbereitete, meldete sich Jutta im Büro krank und blieb zu Hause. Verkleidet mit einem geliehenen Kittel und einem Tuch Wände streichen im Betrieb ging sie los. Direkt in den Stadtpark. Nach ein paar Minuten kam Markus heraus. Jutta folgte ihm, huschte durch Seitengassen.
Er betrat den Markt, kaufte Seide und Obst, dann bog er in ein Wohnviertel ein. Jutta verstand: Dort lebte sie. Ihr Mann verschwand hinter einem Tor.
Sie setzte sich auf eine Bank. Wartete. Und dann kam er heraus nicht allein. Eine große Blondine an seiner Seite. Sie gingen Richtung Wald dorthin, wo sie einst selbst spaziert waren. Jutta ging nach Hause. In ihrem Kopf Hitze. In ihrer Seele Verzweiflung.
Ein paar Tage später gelang es ihr, Lena genauer zu betrachten eine Schönheit, wenn auch eine Verräterin. Mitte dreißig. Dann der Durchbruch: Sie sah Lena mit einer Freundin. Die plauderte ahnungslos alles aus.
Lena? Alleinerziehend mit einem kranken Kind, ihr Mann hat sie verlassen. Jetzt hat sie einen Verehrer. Verheiratet. Er sagt, er wird sich von seiner Frau für sie trennen, flüsterte die Freundin, und in Juttas Herz entzündete sich die Rache.

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Homy
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