Monika hatte ihre Heimatstadt hinter sich gelassen und war allein nach München gezogen. Dort widmete sie sich ganz dem Studium, um sich eine bessere Zukunft aufzubauen. Nach dem Abschluss lernte sie einen Mann kennen, Thomas, und heiratete ihn. Ihre Schwester, Annika, blieb bei den Eltern in Hannover. Annika hatte sich schon zweimal scheiden lassen aus beiden Ehen hatte sie zwei Söhne.
Monika und Thomas wohnten zuerst in einer kleinen Altbauwohnung, die Thomas von seiner Großmutter geerbt hatte. Der Anfang war schwer. Häufig mussten sie den Cent zweimal umdrehen, besonders nachdem ihre Tochter Lena geboren wurde. Doch mit viel Fleiß schafften sie es, etwas Geld zurückzulegen und schließlich eine Zweizimmerwohnung am Stadtrand zu kaufen. Die neue Wohnung renovierten sie liebevoll und gaben sie in die Vermietung. Die Jahre vergingen. Lena wurde erwachsen und begann ihr Medizinstudium. Monika und Thomas planten, ihr die vermietete Wohnung zu schenken, sobald sie heiraten würde.
In der Zwischenzeit bestand Annikas Tochter, Sophie, das Abitur und begann ein Studium an der Universität München. Annika und die Eltern setzten Monika immer wieder unter Druck, ob Sophie nicht vorübergehend in der vermieteten Wohnung unterkommen könne.
Monika konnte ihrer Schwester den Wunsch nicht abschlagen. Sophie zog ein, studierte fleißig und jobbte nebenbei im Café. Schon bald lernte sie einen jungen Mann kennen, und nach nur sechs Monaten machte er ihr einen Antrag. Zu allem Überfluss wurde Sophie auch noch schwanger. Monika konfrontierte daraufhin ihre Schwester: Wenn die Nichte eine Familie gründen wolle, müsse sie bald ausziehen. Das junge Paar versprach, schnell eine eigene Bleibe zu finden. Doch nach einem Monat meldete sich Sophie weinend und bat die Tante, noch etwas bleiben zu dürfen spätestens nach der Hochzeit wolle sie ausziehen. Inzwischen hatte Lena, Monikas Tochter, einen Freund kennengelernt, aber angesichts Sophies Schwangerschaft brachte sie es nicht übers Herz, die Nichte hinauszuwerfen.
Die Hochzeit fand statt, Sophie bekam kurz darauf ein Kind. Nach der Feier wurde es für Monika endgültig Zeit, mit ihrer Familie Klartext zu reden. Sie erklärte unmissverständlich, dass Lena die Wohnung brauche, da auch ihre eigene Hochzeit bevorstand. Doch Sophie begann, eine Ausrede nach der anderen zu finden: Es gäbe keine guten Wohnungsangebote, das Kind sei ständig krank, am nächsten Tag falle ein Termin aus. Schließlich wechselte sie ihre Handynummer und ließ niemanden mehr herein, wenn geklingelt wurde. Selbst Thomas kam nicht mehr durch. Annika behauptete anschließend, durch seinen Besuch habe ihre Tochter sogar Probleme beim Stillen bekommen.
Monika und Thomas hielten den Druck nicht mehr aus. Es kam zu einem heftigen Streit. Schließlich mussten sie die junge Familie in aller Deutlichkeit der Wohnung verweisen. Danach herrschte zwei Jahre lang Funkstille. Die Familie fragte sich, wie Monika nur so herzlos sein konnte, ihre Nichte und deren kleines Kind auf die Straße zu setzen.





