fragte eine überraschte Freundin: Ich frage mich, warum sie deinem Mann denn gar nichts hinterlassen haben? Und die Enkelkinder könnten doch auch etwas gebrauchen!
Ach, wer soll die schon verstehen?, erwiderte Maria. Die Jüngste ist alleinstehend und besitzt bereits eine Dreizimmerwohnung in München sowie zwei weitere Zweizimmerwohnungen. Außerdem hat sie ein dreistöckiges Landhaus. Offensichtlich ist selbst das nicht genug für ihn. Und das alles haben ihm seine Eltern geschenkt! Mein Mann dagegen steht mit leeren Händen da.
Markus und Maria sind seit zwölf Jahren verheiratet und haben zwei Kinder, sechs und zehn Jahre alt. Seit jeher gab es Schwierigkeiten mit Markus Eltern. Sie mischten sich ständig ein, wollten ihnen vorschreiben, was richtig und falsch sei. Besonders schlimm war es, als Markus Mutter Marias Entscheidungen kritisierte und unbedingt wollte, dass sie sie Mama nennt.
Ich habe nur eine Mutter, eine zweite brauche ich nicht, sagte Maria der fordernden Schwiegermutter bestimmt.
Die eigentlichen Probleme begannen jedoch, als ihre älteste Tochter geboren wurde. Viktoria erschien häufiger unangemeldet vor der Haustür, doch Maria blieb stur und öffnete die Tür nicht, ignorierte Anrufe ebenso wie das Klopfen. Letztlich merkte die Schwiegermutter, wie aufdringlich ihr Verhalten war, und ließ das ständige Einmischen bleiben.
Mit gelegentlicher Unterstützung ihrer eigenen Mutter schaffte Maria es, die Kinder zu versorgen. Als sie älter wurden, zog die Familie weiter weg von Markus Mutter.
Markus Eltern waren sehr wohlhabend und gebildet; sie reisten oft, besuchten Kunstausstellungen und aßen gerne mit Freunden in gehobenen Restaurants. Mit Maria und Markus tauschten sie nur selten ein paar Worte. An Feiertagen stellte sich meist kurzfristig heraus, dass sie wieder einmal verreist waren.
Plötzlich erfuhren Maria und Markus, dass seine Eltern ihr gesamtes Vermögen dem jüngeren Bruder vermachen wollten. Maria konnte das nicht auf sich sitzen lassen und rief bei ihrer Schwiegermutter an, um Klarheit zu bekommen.
Was habt ihr denn erwartet?, entgegnete diese nur. Du hast mir nicht erlaubt, meine Enkel zu sehen, und Markus völlig von uns entfremdet. Aber unser jüngster Sohn hat uns nie vergessen! Er ruft an, er besucht uns darum ist das gerecht.
Findest du, dass die Entscheidung von Markus Eltern richtig war?





