11. März
Heute blicke ich zurück auf die ersten Momente meiner Schwangerschaft und alles fühlt sich immer noch so unwirklich an. Als ich meinem Mann die Nachricht überbrachte, dass ich schwanger bin, hatte ich so sehr gehofft, er würde sich freuen vielleicht sogar ein wenig vor Glück strahlen. Doch stattdessen schaute er mich völlig regungslos an, kein Anflug von Freude oder Überraschung auf seinem Gesicht. Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass wir diesen Moment zusammen erleben, nach all den Jahren voller Warten, Hoffen und den zahlreichen Arztbesuchen, die wir in unsere Kinderwunschbehandlung gesteckt hatten. Vielleicht hatte er sich insgeheim schon damit abgefunden, dass wir keine eigene Familie haben würden. Interessanterweise hatte er kurz vor meiner Schwangerschaft sogar laut darüber nachgedacht, ein Kind zu adoptieren. Doch nun saß er da mit mürrischer Miene, als wäre das hier eher eine Last denn ein Wunder.
Ich dachte damals, er bräuchte bloß ein bisschen Zeit, um die Nachricht zu verarbeiten. Vielleicht ging es ihm gerade nicht gut, redete ich mir ein. Meine eigene Freude aber ließ sich davon nicht trüben: Ich war voller Euphorie, wie auf Wolken. Endlich war etwas wahr geworden, für das ich so lange gebetet hatte.
Doch die Schwangerschaft stellte sich als schwieriger heraus, als ich gehofft hatte. Ich musste immer wieder ins Krankenhaus, schließlich sogar meine Arbeit als Erzieherin in München aufgeben. Statt Unterstützung bekam ich von meinem Mann nur Ablehnung. Er wurde zunehmend gereizt, sogar abweisend als würde ihn alles nur noch mehr belasten. Schwanger sein ist kein Beruf, du trägst den ganzen Tag ja nichts Schweres. Ich brauche hier eine Ehefrau und keine Patientin. Ich bin es leid, den ganzen Haushalt allein zu schmeißen, von morgens bis abends wie ein Esel zu schuften, warf er mir vor.
Wieder und wieder versuchte ich zu erklären: Die Ärzte haben uns doch gesagt, ich darf mich nicht überanstrengen, keine schweren Sachen mehr heben, keine langen Schichten wegen der Gefahr für das Kind. Aber egal wie oft ich es erklärte, er hörte nicht wirklich zu, zeigte kein Verständnis.
Kurz vor der Geburt musste ich wieder ins Krankenhaus. Mein Mann meldete sich kein einziges Mal. Keine Anrufe, kein einziger Besuch, nichts. Schließlich kam mein Sohn durch einen Notkaiserschnitt auf die Welt zu früh, aber Gott sei Dank gesund. Mein ganzer Stolz, mein Ein und Alles. Noch völlig überwältigt von der Geburt rief ich meinen Mann an, um ihm die frohe Nachricht zu überbringen. Seine Antwort war ein knappes Herzlichen Glückwunsch!. Und so absurd es klingt, das waren trotzdem die schönsten Worte, die ich je aus seinem Mund gehört hatte.
Doch als ich das Krankenhaus in München endlich verlassen durfte und nach Hause kam, war er fort. Einfach weg. Erst fühlte ich nur Angst und Schmerz dann stieg in mir auch Entschlossenheit auf. Ich weiß, dass ich diesen neuen Lebensabschnitt meistern werde, für mein Kind und für mich selbst. Ich habe mir fest vorgenommen: Ich werde unser Glück und unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen und meiner kleinen Familie ein schönes Leben schenken, weil ich es kann.





