– Und wie soll ich denn allen erklären, warum du beim Muttertag nicht dabei bist? – fragte der Mann ratlos

Und wie soll ich allen erklären, warum du nicht auf Mamas Feier bist? fragt Thomas unsicher.

Danke, das war sehr lecker, sagt er, während er seinen Teller zur Seite schiebt. Annemarie, ich muss mit dir reden.

Weißt du, Thomas, ich ahne schon, worum es geht.

Ach ja? Und worum denn?

Um den Geburtstag deiner Mutter, nehme ich an.

Richtig. Heute ist schon der zehnte, und sie hat am achtzehnten Geburtstag, sagt Thomas.

Und ich am zwanzigsten. Das hast du hoffentlich nicht vergessen? fragt Annemarie.

Natürlich nicht, Liebling

Thomas, fang gar nicht erst an ich sage gleich: nein!

Aber du weißt doch noch gar nicht, was ich vorschlagen wollte, versucht er es.

Muss ich auch nicht hören! Nur so viel: Ich habe für Samstag im Restaurant einen Tisch für zehn Leute reserviert. Acht davon sind meine Freunde, und die anderen zwei sind wir. Du kannst selbstverständlich entscheiden, ob du dabei sein möchtest. Falls nicht, feiern wir eben in unserer Runde.

Das Problem ist: Schwiegermutter hat am achtzehnten September Geburtstag, Annemarie am zwanzigsten.

Und wie jedes Jahr, seit drei Jahren, ist Thomas im Zwiespalt: Wie soll er beide Feiern organisieren, ohne dass sich entweder seine Mutter oder seine Frau benachteiligt fühlt? Bisher ist ihm keine richtige Lösung eingefallen.

Annemarie, Mama schlägt vor, beide Geburtstage gemeinsam am Samstag bei ihr zu feiern. Das ist doch eigentlich sinnvoll. Wozu zweimal in einer Woche die Familie versammeln und zweimal Geld ausgeben? Außerdem passt es am Samstag allen besser.

Thomas, und wer hat festgelegt, dass ich auf meiner Geburtstagsfeier die ganzen Cousinen, Cousins und Nichten und Neffen deiner Mutter sehen möchte? Ich habe meine Freunde eingeladen du kennst sie alle gut, sagt Annemarie.

Mama ist dann enttäuscht, seufzt Thomas.

Und das, dass ich in den letzten zwei Jahren enttäuscht war, zählt nicht? Hast du das vergessen?

Es lief doch eigentlich alles gut?

Meinst du? Dann lass uns erinnern! Vorletztes Jahr: Wir sind im April zusammengezogen. Im September hatte deine Mutter ein großes Jubiläum. Weißt du, was du damals gesagt hast?

Annemarie, Mama wird sechzig, sie will zuhause feiern, ganz familiär, also sollten wir für Samstag nichts anderes planen!

Und dann habe ich mir am Freitag nach der Arbeit und am Samstagmorgen auf deiner Mutter’s Küche die Finger wund geschnippelt, gekocht, mariniert und und und

Am Samstag bin ich dann zwischen Wohnzimmer und Küche hin- und hergerannt wie eine Kellnerin. Und, bitte beachte niemand hat mich überhaupt zum eigenen Geburtstag beglückwünscht!

Wieso? Zoes hat dich doch beglückwünscht, erinnert Thomas.

Nein! Erst als du ihr gesagt hast, dass ich in dieser Woche Geburtstag hatte, hat sie gelächelt und gesagt: Na, wenn schon! Das ist ja vorbei. Was soll’s?

Immerhin habe ich hinterher mit Mama gesprochen, und letztes Jahr hat man dich dann am Tisch beglückwünscht.

Apropos letztes Jahr! Freitag, der Zwanzigste. Ich wieder Chefköchin, Küchenhilfe, alles in einem. Als ich Vera gefragt habe, warum Zoes mir nicht hilft, hat deine Mutter nur gesagt:

Zoes hat heute einen Termin zur Maniküre sie kann doch nicht mit ungepflegten Fingern herumlaufen. Und morgen ist sie schon früh beim Kosmetiker und beim Friseur.

Ja, Zoes kam dann ganz zurechtgemacht und perfekt gestylt zur Feier. Ich hingegen hatte es gerade noch geschafft, mich im Bad umzuziehen, bevor die Gäste kamen. Okay, dieses Mal wurde ich beglückwünscht.

Es wurde sogar mit mir angestoßen, aber danach war ich wieder vergessen. Und nicht zu vergessen letztes Jahr wie auch im Jahr davor gab es keine Geschenke für mich, außer von dir und meinen eigenen Eltern. Sag deiner Mutter also vorher Bescheid, dieses Jahr stehe ich ihr nicht zur Verfügung!

Aber alleine schafft sie das doch nicht!

Thomas, Vera hat neben der Schwiegertochter auch noch einen Sohn nämlich dich und eine Tochter Zoes. Ich denke, ihr schafft das schon. Denn ich habe an diesem Samstag Geburtstag und möchte ihn mit meinen Freunden verbringen.

Und wie soll ich allen erklären, warum du auf Mamas Feier fehlst? fragt Thomas erneut.

Ach Thomas, tu doch nicht so naiv! Keiner dort wird an mich denken! Nur wenn man jemanden braucht, um das Geschirr abzuräumen oder etwas aus der Küche zu holen. Ihr seid so ein eingeschworenes Team, dass ich mich dort völlig fehl am Platz fühle.

Annemarie überzeugt ihren Mann, dass sie das Recht hat, ihr Fest so zu verbringen, wie sie es möchte. Aber sowohl seine Mutter als auch Zoes sind der Meinung, die Schwiegertochter dürfe nicht aus der Reihe tanzen.

Bis zum zwanzigsten September versuchen sie, Annemarie doch noch zu überreden, sich den Familienregeln zu fügen und unbedingt beim Mittagessen der Schwiegermutter dabei zu sein.

Annemarie, ruft Vera an, wir haben eine schöne Tradition etabliert. Zwei Jahre lang haben wir die Feiern zusammengelegt, es war immer wunderbar! Warum sperrst du dich dieses Mal so dagegen? Was stört dich denn?

Vera, es ist ganz einfach: Erstens, ich möchte mit meinen Freunden feiern. Zweitens, ich will das nicht zu Hause tun sondern entspannt im Café oder Restaurant verbringen, ohne ständig zwischen Küche und Wohn- und Esszimmer pendeln zu müssen!

Aber wir haben es doch zuhause auch schön gesellig! entgegnet die Schwiegermutter.

Ihr vielleicht, Vera, aber ich renne dann wie ein Dienstmädchen herum. Dieses Fest kann ich gerne verzichten!

Ich hätte nie gedacht, dass du der Mutter deines Mannes die Hilfe verweigerst! ist Vera verletzt.

Zoes ist noch deutlicher und beharrlicher:

Annemarie! Jetzt reiß dich zusammen! Mama hat die Speisekarte schon zusammengestellt, Papa war auf dem Markt, alles ist im Haus. Jetzt überleg dir mal, was du kochst!

Mama hat Thomas die Einkaufsliste schon geschickt. Nun stell dich nicht quer und frage dich, ob es das wirklich wert ist, dich mit deiner Schwiegermutter zu verkrachen. Der Samstag ist bald vorbei, danach kannst du dich so oft du willst mit deinen Freundinnen treffen.

Zoes, ich bleibe dabei. Ich habe deiner Mutter früh Bescheid gegeben, dass ich dieses Jahr andere Pläne habe! Ich finde, du kannst Vera diesmal gut unterstützen.

Am schwersten hat es Thomas: Er muss sich entscheiden, bei welchem Fest er erscheint. Keiner der beiden weder seine Mutter noch seine Frau möchte enttäuscht werden.

Obwohl Annemarie nicht ausdrücklich verlangt, dass er bei ihr bleibt, weiß Thomas, dass sie es ihm krumm nehmen würde, wenn er zur Mutter geht.

Annemarie schweigt schließlich über die Pläne für Samstag. Am Freitagnachmittag ruft die Schwiegermutter sie bei der Arbeit an:

Annemarie, wo steckst du? Sag nicht, du hast die verrückte Idee mit dem Restaurant aufgegeben? Ich warte auf dich, es ist Zeit anzufangen, sonst sind wir bis morgen nicht fertig!

Vera, ich bin auf der Arbeit! Ich habe dir bereits gesagt, dass ich dieses Jahr nicht zum Vorbereiten komme! Lass doch Zoes helfen.

Ich hoffe, du weißt, dass Thomas so ein Verhalten gegenüber seiner Mutter und Familie nicht gutheißen wird? meint Vera.

Weißt du, nur weil ich Thomas geheiratet habe, schulde ich nicht seiner gesamten Verwandtschaft ewige Gefälligkeiten!

Ich habe mein eigenes Leben, eigene Interessen, meine Freunde übrigens: Das sind unsere gemeinsamen Freunde! Ich werde mich nicht zur Küchenhilfe und Spülmaschine degradieren lassen!

Das Gespräch ist damit beendet.

Am Samstag nimmt Thomas das Geschenk und fährt zu seiner Mutter. Annemarie geht um vier ins Restaurant, wo sie den Tisch reserviert hat.

Die Gäste kommen pünktlich. Nur der Stuhl neben ihr bleibt leer. Fragen stellt niemand jeder kennt die Situation.

Man gratuliert, überreicht Geschenke, die Stimmung ist gut, aber Annemarie blickt immer wieder zur Tür sie hofft trotzdem auf ihren Mann.

Und tatsächlich kommt er, fast eine Stunde zu spät. Er rauscht mit einem Strauß ihrer Lieblingstee-Rosen hinein.

Anne, ich konnte mich gerade so loseisen! Musste praktisch flüchten. Übrigens, dort hat man viel von dir gesprochen. Tante Regina hat Mama gefragt, warum es heute keinen Waldpilzsalat gibt, der hat ihr letztes Mal so gut geschmeckt und sie wollte das Rezept.

Und der Tisch war heute ziemlich karg. Und Zoes war beleidigt sie hat beim Kochen zwei Nägel ruiniert.

In den nächsten zwei Jahren hilft Annemarie nur noch beratend bei der Feier, denn schon bald ist sie schwanger und wird Mutter eines Sohnes.

Ihren 65. Geburtstag feiert Vera schließlich selber im Restaurant.

Was hatte die Schwiegertochter nur auszusetzen? War doch alles bestens, und trotzdem dieser Aufstand! beklagt sich die Schwiegermutter noch oft.

Wie findet ihr Annemaries Verhalten? Schreibt eure Meinung in die Kommentare, gebt ein Like und abonniert die Seite ich freue mich über jeden neuen Follower!

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Homy
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– Und wie soll ich denn allen erklären, warum du beim Muttertag nicht dabei bist? – fragte der Mann ratlos
Ich sagte Mama, ich würde lernen, doch ich arbeitete, um ihre Chemotherapien zu bezahlen.