Vor einer Woche erfuhr ich etwas, das ich mir nie hätte vorstellen können. Ich spazierte durch die Innenstadt, als ich plötzlich ganz zufällig auf eine ehemalige Klassenkameradin traf…

Vor langer Zeit, viele Jahre ist es nun her, erfuhr ich etwas über meine Mutter, das ich mir niemals hätte ausmalen können. Ich erinnere mich noch lebhaft an jenen Tag: Es war ein ruhiger Samstagnachmittag und ich schlenderte durch die Straßen Münchens, als ich plötzlich auf meine ehemalige Klassenkameradin Johanna Schmitt traf, die ich seit der Schulzeit nicht mehr gesehen hatte. Wir freuten uns über das Wiedersehen, hielten ein kurzes Schwätzchen und wechselten Neuigkeiten aus. Im Gespräch erwähnte Johanna beiläufig, dass sie mittlerweile als Krankenschwester im Altenheim unseres Nachbardorfes arbeitet. Ich beglückwünschte sie und sagte, wie bewundernswert diese Aufgabe doch sei sicher anstrengend, aber bedeutungsvoll.

Plötzlich sagte sie mit einem leichten Lächeln:
Ach übrigens, ich sehe deine Mutter dort jeden letzten Freitag im Monat.

In diesem Moment blieb ich stehen. Ich war so überrascht, dass ich zuerst kein Wort herausbrachte. Wie meinst du das? Was macht meine Mutter denn dort?, fragte ich sie verwundert. Johanna erwiderte mit einer Selbstverständlichkeit:
Wusstest du das nicht? Deine Mutter bringt immer Kuchen, Saft und kleine Leckereien für die Omas und Opas im Heim vorbei. Jeden Monat, ganz regelmäßig. Eine wunderbare Geste der Nächstenliebe, ehrlich.

Mir blieb die Sprache weg. Es war mir beinahe unangenehm, denn ich hatte wirklich keine Ahnung davon meine Mutter hatte nie ein Wort darüber verloren. Johanna hielt es für einen Scherz, doch als sie meinen ernsten Blick sah, fügte sie leise hinzu:
Deine Mutter ist wirklich bescheiden. Sie kommt ganz still, grüßt freundlich, stellt alles hin und geht direkt danach wieder.

Am gleichen Abend, als ich nach Hause kam, konnte ich nicht anders und sprach meine Mutter direkt darauf an:
Mama, warum hast du mir nie erzählt, dass du jeden Monat ins Altenheim gehst?

Sie fegte gerade durch die Stube, hob kaum den Blick und antwortete lediglich:
Wieso sollte ich das denn erzählen? Ist doch nichts Besonderes.

Ich gab nicht auf:
Doch, es ist etwas sehr Schönes etwas Wichtiges!

Da stellte sie den Besen an die Wand, schaute mich ruhig an und sagte:
Gute Taten sind nichts zum Prahlen. Man tut sie, weil es das Richtige ist, mehr nicht. Gott sieht alles das reicht mir vollkommen.

Sie erzählte mir, wie sie zwei Jahre zuvor, nach dem Tod einer engen Freundin, das Bedürfnis verspürte, Gutes zu tun. Eines Tages kam sie am Seniorenstift in Freising vorbei, sah ein paar ältere Herrschaften auf der Parkbank sitzen und fasste spontan den Entschluss, einzutreten. Sie sprach mit der Leiterin und fragte, woran es am meisten mangele. Seitdem kaufte sie jeden letzten Freitag im Monat von ihrem bescheidenen Geld Säfte, Kekse, kleinere Frühstückspäckchen oder, je nach Situation, auch mal Hygieneartikel oder Handtücher je nachdem, wie es finanziell mit der Rente in diesem Monat gerade stand.

Sie sagte mir, dass sie niemanden einweihen wollte, weil sie nicht wollte, dass jemand denkt, sie tue es für Applaus oder Aufmerksamkeit. Sie bevorzugte es, leise und auf ihre eigene Art Gutes zu tun.
Wenn man helfen will dann hilft man. Und wenn nicht, dann ist es auch in Ordnung. Aber ich muss niemandem etwas beweisen. Ich weiß selbst, was ich tue.
Das sagte sie, während sie nach dem Abendessen die Teller abräumte.

Die ganze Nacht ging es mir nicht aus dem Kopf. Da war meine Mutter eine einfache, bescheidene Frau, die sich oft selbst vieles versagt, aber trotzdem Monat für Monat Freude zu Menschen bringt, die sonst kaum Besuch bekommen. Ich war unbeschreiblich stolz, aber zugleich tat es mir weh, dass sie das alles jahrelang ganz allein getragen hatte.

Heute denke ich oft daran, demnächst einmal an einem Freitag mit ihr zu gehen. Doch ich weiß nicht recht, wie ich es ansprechen soll, damit sie nicht meint, ich wolle ihr reinreden oder ihre Privatsphäre verletzen.

Eines weiß ich aber sicher sie so leise und großherzig handeln zu sehen, hat mein Herz bis heute verändert.

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Homy
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