Eine obdachlose Frau trug immer drei Koffer mit sich herum. 16 Jahre lang hielten die Leute sie für verrückt, bis eines Tages… Hannelore, eine kluge alte Dame, feierte kürzlich ihren 80. Geburtstag. Früher hatte Hannelore als Maschinistin in einer Fabrik in Stuttgart gearbeitet, und selbst als sie im Rentenalter entlassen wurde, gab sie nicht auf sie machte eine Weiterbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten und zog nach Berlin in der Hoffnung, dort eine Stelle in der Hauptstadt zu finden. Doch für eine Frau über 60 gab es in der Großstadt keinen festen Arbeitsplatz. Sie schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, bald fehlte ihr aber das Geld für eine eigene Wohnung in Berlin. So landete sie auf der Straße, schlief entweder in Notunterkünften oder in ihrem Schlafsack unter Brücken.
Natürlich erhielt Hannelore eine Rente, aber irgendetwas stimmte nicht: Je nach Monat schwankte die Rentenzahlung erheblich mal waren es 300, mal 900 Euro. Die Frau versuchte, der Sache auf den Grund zu gehen, doch niemand schenkte den Beschwerden einer obdachlosen Rentnerin Beachtung. Hannelore begriff, dass es nach dem Einlösen und Ausgeben ihrer Schecks schwierig sein würde, später noch etwas zu beweisen. Deshalb nutzte sie das Geld nie, sondern schickte ihre Schecks regelmäßig unter Nachfragen zurück zur Rentenversicherung.
Nebenbei bemerkt Hannelore hat vier erwachsene Kinder. All die Jahre suchte ihre Tochter, die inzwischen in München wohnt, nach ihr in Berlin. Doch die alte Dame verschwieg ihren Kindern immer, dass sie auf der Straße lebte; nur gelegentlich rief sie an und beteuerte, dass es ihr gut gehe. Als ihre Tochter die Wahrheit erfuhr, bot sie sofort an, ihre Mutter nach München zu holen und bei sich aufzunehmen. Aber Hannelore weigerte sich entschieden: Sie wollte die Hauptstadt erst verlassen, wenn sie zu ihrem Geld kam.
Ihre umfangreiche Korrespondenz mit den Behörden archivierte sie mit großer Sorgfalt, und im Laufe der Jahre füllten all die Briefe und Unterlagen drei große Koffer, die sie nie aus den Augen ließ. Die Leute begannen zu glauben, die alte Frau habe nicht mehr alle Tassen im Schrank und schleppe nur unnützen Plunder mit sich herum. “Alle hielten mich für verrückt, sie sagten, ich solle die Koffer wegwerfen”, erinnert sich Hannelore.
16 Jahre lebte die starrköpfige Rentnerin in Berliner Notunterkünften. Eines Tages erzählte sie einer Sozialarbeiterin namens Annika ihre Geschichte. Annika bat darum, einen Blick auf die Unterlagen werfen zu dürfen und war erstaunt, wie ordentlich alle Papiere chronologisch abgeheftet waren: “Alles war sauber sortiert sie hatte die ganze Zeit die Wahrheit gesagt. Der Staat schuldete ihr wirklich eine Menge Geld.”
Annika half ihr, einen Anwalt zu finden, der bereit war, Hannelore zu vertreten. Plötzlich begannen die Beamten der Rentenversicherung sich für den Fall zu interessieren! Am 23. August erhielt Hannelore einen plötzlichen Geldeingang auf ihr Konto sage und schreibe 92.000 Euro wurden überwiesen. Laut ihrem Anwalt ist das möglicherweise immer noch nicht der ganze Betrag, der ihr zusteht.
Hannelore kann ihr Glück noch immer kaum fassen. Sie hat sich nun eine kleine Wohnung gemietet und die Notunterkunft verlassen. 16 Jahre lang dachte jeder in Berlin, Hannelore sei verrückt, und kein Anwalt wollte etwas mit ihr zu tun haben. Selbst ihre eigene Tochter zweifelte an ihrer Mutter und glaubte nicht, dass sie ihr Ziel erreichen würde. Hätte sie Annika nicht zufällig getroffen, hätte Hannelore wohl für den Rest ihres Lebens im Heim oder auf der Straße gelebt.




