Mir reichts, ich bin raus! Wie lange soll das noch so weitergehen?!
Mir reichts, ich bin raus! Wie lange soll das noch so weitergehen? Das Kind, ihre endlose Müdigkeit, immer dieses Hilf mir, hilf mir aber ich will raus, einfach wie früher spazieren gehen! Ich will Sex! Ich arbeite schließlich! Ich will abends zu meiner geliebten Frau, zu einer Frau kommen Jetzt bleibe ich erst mal bei einem Freund, später finde ich vielleicht eine jüngere Ach Andreas rauchte nervös am Steuer, während er dachte, heute sei wirklich der letzte Tag seiner Ehe mit Maria gewesen.
Ihre Geschichte war so alt wie die Welt. Sie hatten sich kennengelernt, verliebten sich Hals über Kopf, alles voller Leidenschaft, schützten sich nicht, und einige Monate später zeigte sie zwei Streifen.
Natürlich, bekommst das Kind, das schaffen wir schon, sagte Andreas damals noch voller Zuversicht und alle Mutter, Großvater nickten verständnisvoll, Wir helfen dir, Hauptsache, du bekommst das Kind Dann Hochzeit, Geburt, Tränen vor Glück ein Sohn! Und das wars. Das unkomplizierte, glückliche Leben war beendet, Maria wurde zur Glucke, ständig müde, ungepflegt, das ewige Geschrei des Babys, auch nachts, ihr ständiges Hilf mir, hilf mir… Wo war bloß seine Maria geblieben? Die Familie zog sich schnell zurück, am Ende blieben sie alleine mit ihrem Elternsein
Ich bin nicht bereit! Andreas hatte es heute seiner Frau ins Gesicht gesagt und die Tür vor der weinenden Maria mit dem weinenden Baby zugeschlagen.
Quietschende Bremsen Plötzlich tauchte vor dem Wagen eine gebeugte dunkle Gestalt auf.
Willst du etwa sterben?! Andreas sprang aus dem Auto und rannte zu dem Mann.
Der Mann im Mantel richtete sich auf und sah Andreas mit traurigen alten Augen an, flüsterte nur: Ja.
Andreas war überrascht von der Antwort: Vater, brauchst du Hilfe? Kann ich irgendetwas tun?
Ich will nicht mehr leben.
Aber was soll das, komm, ich bring dich nach Hause. Erzähl mir, vielleicht kann ich dir helfen? Andreas nahm den alten Herrn vorsichtig an die Hand und führte ihn zum Wagen.
Na dann, erzähl mal, Opa. Andreas zündete sich eine weitere Zigarette an.
Das dauert lange.
Ich habe Zeit.
Der Alte blickte Andreas genau an, dann wanderte sein Blick zu einem Familienfoto, das an der Sonnenblende hing.
Vor fünfzig Jahren traf ich ein Mädchen, verliebte mich sofort. Alles ging schnell, schon Familie, Kind, ein Sohn unser Erbe Scheint das Glück, oder? Aber ich wollte, dass alles bleibt wie früher, Liebe, Leidenschaft, das frische Leben. Doch meine Frau war müde, das kleine Kind, der Alltag, die Arbeit ich hab ihr alles aufgeladen, nie geholfen Auf der Arbeit lernte ich eine andere Frau kennen, es begann etwas Meine Frau fands raus, Scheidung, alles vorbei. Mit ihr wurde nichts, ich war nicht mal traurig, lebte zügellos weiter. Maria heiratete neu, wurde schöner, der Sohn sagte zum Stiefvater Papa und mir war alles egal.
Und Sie? Andreas zündete nervös die nächste Zigarette an.
Ich? Irgendwann war alles vorbei keine Familie, keine Frau, keine Kinder. Heute wurde mein Sohn fünfzig, ich wollte ihn gratulieren, doch er ließ mich nicht mal rein Der Alte weinte, Hab selbst Schuld. Er sagte, ich sei kein Vater, soll weiterziehen.
Also, Vater, wo darf ich dich absetzen? Andreas trommelte mit den Fingern auf das Lenkrad.
Ich wohne hier, gleich da vorne Fahr ruhig weiter, mach dir keine Sorgen um mich. Der Alte stieg aus, schlurfte zum Neunparteienhaus in der Nähe. Andreas beobachtete, wie der Mann ins Treppenhaus ging, blieb noch einen Moment, dann drehte er den Wagen um. Im Supermarkt kaufte er einen Blumenstrauß.
Verzeih mir, verzeih Andreas kniete, als er zu Hause ankam, vor der weinenden Maria. Du darfst dich jetzt ausruhen, meine Liebe.
Andreas nahm den Sohn aus Marias Armen, ging ins Wohnzimmer und wiegte den Kleinen, während er mit rauer Stimme sang: Die müden kleinen Puppen
Der überraschte Sohn schlief schnell ein, seine kleine Hand lag vertrauensvoll auf dem wild schlagenden Herzen seines Papas. Andreas sah den Jungen liebevoll an: Ich will sehen, wie mein Sohn aufwächst. Ich will Papa hören.
Und wieder hast du einen Ertrinkenden gerettet? mit einem verschmitzten Lächeln begrüßte die ältere Frau ihren Mann an der Tür. Er lächelte, hängte seinen Mantel an den Haken.
Ja, und wieder musste einer die alten Wahrheiten hören.
Wie fühlst du, wem Hilfe nötig ist?
Ich brauchte selbst so dringend Hilfe, als ich jünger war
Komm, wir essen, Retter. Übrigens, vergiss morgen nicht den Geburtstag unseres Sohnes. Kein Ertrinkender morgen Abend! Die alte Dame blickte ihren Mann liebevoll an.
Natürlich nicht, fünfzig Jahre, unser Sohn, unsere Liebe wie könnte ich das vergessen? Er umarmte seine Frau und ging mit ihr lachend in die Küche.




