David traf zum ersten Mal auf Hedwig bei einer Feier, die von gemeinsamen Freunden organisiert wurde eine dieser legendären Geburtstagspartys mit Kartoffelsalat, Bier und einer Playlist voller deutscher 80er-Hits. In dem Moment, als David Hedwig sah, wurde sein Herz von einer wilden Euphorie gepackt, als hätte er gerade im Lotto gewonnen (nur ohne das Geld). Ihre Beziehung entwickelte sich im Handumdrehen, allerdings hatte Davids Vater schon früh diesen typisch deutschen Skeptizismus im Blick. Er warnte David: Die Hedwig meint es bestimmt nicht ernst mit dir, die ist doch nur hinter deinem Sparbuch her. David, ein bisschen genervt von so viel Misstrauen, schüttelte das ab: Vater, ich habe ihr noch nicht einmal erzählt, wie viele Euro unser Familienkonto schmückt!
Trotzdem riet der Vater ihm, mit dem Offenbaren seines finanziellen Status so lange wie möglich zu warten, damit Hedwigs Gefühle auf Echtheit geprüft werden konnten eben fast wie ein TÜV fürs Herz. David überlegte und fand diese Idee tatsächlich charmant warum nicht für einmal im Leben sicher gehen und einen Feldversuch starten? Verlieren konnte er ja nüchtern betrachtet nichts, und so könnte er sicher sein, ob Hedwig ihn liebt oder nur seine Erbschaft.
Das Paar heiratete schließlich ganz bodenständig keine Schlosskulisse, keine Streicher, sondern Standesamt und anschließend Kaffee und Schwarzwälder Kirschtorte. Sie zogen in eine der zahlreichen Wohnungen, die Davids Familie besaß; er entschied sich strategisch für das schlichteste Exemplar, das aussah wie eine Erbschaft von Oma Gertrud aus der Nachkriegszeit. In den nächsten sechs Monaten lebten sie typisch deutsch: David pendelte brav zur Arbeit und brachte ein eher durchschnittliches Gehalt nach Hause, Hedwig verwaltete das Haushaltsbudget mit dem berühmten deutschen Gründlichkeit, sodass der Monat immer irgendwie rumkam.
Nach einem halben Jahr fühlte David, dass es Zeit fürs große Geständnis war. Bewaffnet mit einem Strauß frischer Tulpen schritt er frohen Mutes nach Hause, bereit, ehrlich auszupacken doch Hedwig stand bereits mit ihren Koffern im Flur, offenbar in Abreisestimmung. Sie meinte mit einem völlig trockenen Ton: Lieber David, meine Freunde hatten mir von deinem Reichtum erzählt, deshalb hab ich überhaupt Ja gesagt. Nun stelle ich fest, du bist nichts weiter als ein armer Schlucker. Ich ziehe jetzt zu einem Mann mit mehr Euros auf der hohen Kante!
David blieb fassungslos stehen mit einer Mischung aus Verwunderung und dem typischen deutschen Pragmatismus. Schließlich erwiderte er kühl: Deine Freunde hatten recht. Ich wollte dich einfach testen, und du hast bewiesen, dass dein Herz eher für Euro als für mich schlägt. Mein Vater lag goldrichtig.
Die darauf folgenden Bitten Hedwigs um Verzeihung trafen bei David auf Granit, denn er blieb bei seiner Entscheidung Einmal Ehrlichkeit, immer Ehrlichkeit. So endete das Experiment: Eine Lektion fürs Leben, mit einer Prise Ironie und einem Teller Kartoffelsalat zurück.





