Was braucht man zum Glücklichsein?

**Tagebucheintrag Was man zum Glück braucht**

“Papa, dein Vater hat angerufen. Er braucht Hilfe mit dem Dach. Können wir nicht mal für einen Tag hinfahren?” Lina sah ihren Mann hoffnungsvoll an. “Und auch Marlene möchte ihren Opa besuchen.”

Sergejs Schwiegervater lebte in einem kleinen Dorf. Ein robustes, gesundes Kerlchen, aber auch ihn holte das Alter ein.

“Vaaati, bitte fahren wir hin!” Die vierzehnjährige Marlene stimmte ein.

“Habt ihr euch abgesprochen?” Sergej war genervt. “Ich habe zwei freie Tage in der Woche, darf ich die nicht mal für mich nutzen?”

Lina und Marlene senkten die Köpfe und wandten sich ab. Marlene verschwand in ihrem Zimmer, Lina in der Küche. *Gut so!*, dachte Sergej zufrieden. *Sie wissen, wer hier das Sagen hat.*

Eigentlich hatte er nichts Großes vor. Am Samstag wollte er sich einen gebrauchten Geländewagen anschauen ein Kumpel verkaufte seinen. Nicht neu, aber zuverlässig. Perfekt für die Angeltouren.

Das Geld war da er hatte gespart, die Familie etwas eingeschränkt. Seinen alten Wagen verkaufen, einen Kredit aufnehmen. Wie lange sollte er noch mit dem klapprigen Golf herumfahren? Peinlich vor den Kollegen. Abends war Angeln mit Übernachtung geplant, die alte Truppe. Lagerfeuer, Witze, ein paar Bier. Herrlich!

Und jetzt sollte er ins Dorf fahren? Später, wenn er Zeit hatte.

Am nächsten Morgen rief er den Verkäufer an und vereinbarte einen Termin. Der Wagen stand in einer Garage am Stadtrand.

“Willst du wirklich das Auto wechseln?” Lina mischte sich wieder ein.

“Was geht dich das an?” Er murrte.

“Wie du meinst.” Sie seufzte. “Aber Marlene braucht neue Sachen, sie wird langsam erwachsen. Eine Jacke, vernünftige Stiefel. Von mir ganz zu schweigen…”

“Sie kann noch ein Jahr warten. In ihrem Alter…” Sergej unterbrach sich.

Tief im Innern wusste er, dass er unfair war, aber das zuzugeben fiel ihm schwer. *Sie sind verwöhnt*, redete er sich ein, doch die Ausrede wirkte nicht.

Vor fünfzehn Jahren hatte er, ein mittelloser Absolvent, Lina kennengelernt und war verloren.

Eine schlanke, fröhliche Frau mit strahlend blauen Augen erwiderte seine Gefühle. Die ersten Ehejahre waren hart: Miete, dann kam Marlene.

Sein Ingenieursgehalt reichte knapp, aber Linas Eltern halfen. Regelmäßig brachte der Schwiegervater Vorräte aus dem Dorf Eingemachtes, frisches Gemüse. Jede Woche kam er, lud Tüten und Gläser ab, trank hastig einen Tee, spielte kurz mit der Enkelin und verschwand wieder, nicht ohne ein paar Scheine diskret dalassen.

Sergejs Eltern lebten weit weg, hatten vier andere Kinder und konnten nicht helfen. Karrieresprünge blieben aus, aber Nebenjobs hoben den Lebensstandard.

Sein Gehalt war das Rückgrat des Haushalts. Dank ihm hatten sie eine eigene Wohnung, ein gebrauchtes, aber solides Auto. Lina, Bibliothekarin, verdiente wenig, machte aber das Zuhause gemütlich. Sergej trug stets frische Hemden, seine Hose war gebügelt, und die Nachbarn beneideten ihn um Linas Kochkünste.

Wann hatte er begonnen, sich für unersetzlich zu halten? Irgendwann gab es nur noch *seine* Meinung. Marlenes Lachen war seltener geworden, Lina lächelte kaum noch. Der Schwiegervater kam nicht mehr mit seinen Gaben, seine lustigen Sprüche fehlten. Sergej kümmerte sich nicht um Linas Gedanken die Meinung der Kumpels zählte mehr. Sogar der Autokauf war ihr Rat. Ja, das Geld war für anderes gedacht, aber die Gelegenheit war zu gut!

Die Garage fand er schnell. Der Verkäufer war noch nicht da. Sergej stieg aus, rauchte eine Zigarette und schaute sich um. Die Garagenreihe trennte Einfamilienhäuser von Plattenbauten. Vor ihm die Straße, dahinter Gestrüpp.

Dort, aus den Büschen, kam ein Kätzchen. Es trottete näher, blieb aber auf Abstand. Es setzte sich und wartete. Die Hoffnung auf Menschen war fast erloschen, aber nicht ganz: *Vielleicht bemerken sie mich? Vielleicht gibt es Futter?*

Die Männer verabschiedeten sich mit einem Händeschlag. Einer blieb stehen, sein Blick fiel auf das Kätzchen. Es miaute, kam aber nicht näher.

*Wie ist das hierhergekommen?*, dachte Sergej. *So klein und muss schon kämpfen. Kein Spiel, kein sattes Schlafen. Pech gehabt.*

Er warf die Zigarette weg, stieg ein und sah noch einmal hin.

Dann erlosch die Hoffnung in den grünen Augen.

Das Kätzchen trottete zurück ins Gebüsch. Sein Leben war leer Hunger, Angst, Gleichgültigkeit. Die großen, starken Menschen hätten es retten können. Doch sie taten es nicht.

*Diesen Blick kenne ich.* Sergej versuchte, sich zu erinnern. *Lina! So erlosch das Licht in ihren Augen, als ich sie gestern abwürgte. Und Marlene genauso verschwand sie wortlos. Sie sagen nichts mehr, bitten um nichts. Sie gehen. Wie dieses Kätzchen. Ja, sie haben ein Dach, Essen aber sie warten auf Zuneigung. Und ich? Warum habe ich das zugelassen?*

Er kämpfte gegen diese Schwäche, nannte sich Weichei, aber er wusste schon, was er tun würde.

Das Kätzchen fand er auf einem Stück Pappe im Gestrüpp. Seine Gleichgültigkeit war zu Angst geworden, dann, als Sergej es aufhob und sanft an sich drückte, zu zaghafter Hoffnung.

“Marlene!” rief er von der Tür aus. “Schau mal, wen ich mitbringe. Schaffst du das?”

Misstrauen wich Freude.

“Papa! Wo hast du es gefunden? So klein und dünn. Es hat sicher Hunger!”

“Riesenhunger!”, bestätigte Sergej. “Es hat noch nie richtig gegessen. Kümmere dich um ihn er gehört jetzt uns!”

“Sergej, ich erkenne dich nicht wieder.” Lina sah ihm in die Augen. “Was ist passiert?”

“Passiert? Der Opa wartet, und ihr seid noch nicht fertig! Fünfzehn Minuten zum Packen und Füttern. Baden und Streicheln kommt später. Los!”

Trotz des Befehls klang Freude mit. Während Lina und Marlene sich fertigmachten, rief er seine Freunde an die Angeltour fiel aus.

Das Dach war schnell repariert ein paar Schieferplatten, der First erneuert. Der Schwiegervater reichte Material nach oben, stieg aber nicht selbst hinauf Schwindel.

“Denkst du ans Garten dieses Jahr?”, fragte Sergej.

“Schon, aber allein…”, seufzte der Alte. “Mit meiner Frau war das einfach. Jetzt…”

“Ich hab bald Ferien, ich helfe!”, bot Marlene an, das nun schlafende Kätzchen im Arm. “Und Minka hat hier mehr Platz als in der Wohnung.”

“Nächstes Wochenende kommen wir wieder”, sagte Sergej. “Wir graben um, Lina pflanzt an. Und, Vater du bist nicht allein. Wir schaffen das zusammen. Familie hält zusammen.”

Die Rückfahrt war still. Marlene und Minka schlummerten hinten. Lina lehnte sich an Sergejs Schulter und lächelte wie in jungen Jahren.

Fragte ihn jetzt jemand: *Was brauchst du noch zum Glück?*

Die Antwort wäre einfach: *Nichts.*

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Homy
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Was braucht man zum Glücklichsein?
In der Heiligen Nacht deckte ich den Tisch für zwei – obwohl ich wusste, dass ich allein sitzen würde. Ich holte die beiden Kristallgläser aus dem Schrank, stellte sie vorsichtig auf den Tisch und trat einen Schritt zurück. Zwei Gedecke. Zwei Teller. Zwei Servietten, gebügelt bis sie knisterten. Als würde er jeden Moment hereinkommen und sagen, es sei Zeit, sich zu setzen. Dass es draußen kalt sei. Dass Weihnachten nicht wartet. Doch er würde nicht hereinkommen. Seit einem Jahr ist er fort. Das Telefon schwieg. Meine Tochter würde nicht kommen. Die Enkel würden nicht anrufen. Ich strich mit der Hand über die weiße Tischdecke mit den gestickten Blumen. Ich habe sie selbst genäht, als ich jung war. Er liebte sie. Er sagte immer, sie erinnere ihn an meine Augen von früher. Kurz lächelte ich – zum ersten Mal an diesem Tag. Ich kochte seine Lieblingsgerichte. Nicht, weil noch jemand kommen würde. Sondern weil ich mein ganzes Leben so gelebt habe. Weil mein Herz noch nicht akzeptieren kann, dass der Platz gegenüber leer bleibt. Ich setzte mich und betrachtete den Tisch. Er war wunderschön. So, wie er an Weihnachten immer gewesen war. Ich erinnerte mich an unser letztes gemeinsames Weihnachten. Er war schwach, aber er setzte sich mir gegenüber, lächelte und bat mich, mich nicht in mich zurückzuziehen, wenn er einmal nicht mehr da sei. Zu leben. Nicht aufzugeben. Damals versprach ich es. Die Uhr tickte. Draußen leuchteten Lichter, Menschen lachten, Kinder liefen durch den Schnee. Irgendwo gab es ein Fest. Nur nicht in diesem stillen Zimmer. Spät am Abend klingelte das Telefon doch noch. Ein kurzes Gespräch. Eine festliche Stimme. Eilig. Ohne Fragen. Ohne Zeit. Dann wieder – Stille. Ich nahm das Glas von seinem Platz, hob es leicht und flüsterte ein Dankeschön – für die Jahre, für die Liebe, dafür, dass ich einst jemandes war. Dann begann ich, den Tisch abzuräumen. Langsam. Ruhig. So, wie man etwas abräumt, von dem man weiß, dass es sich nicht wiederholen wird. Ich setzte mich ans Fenster im Dunkel. Draußen ging Weihnachten weiter. Und drinnen blieb nur die Erinnerung. Der Tisch für zwei war gedeckt. Aber ein Platz blieb leer. Haben Sie schon einmal einen Platz für jemanden vorbereitet, der nicht mehr da ist – nicht, weil Sie hoffen, er kommt, sondern weil Ihr Herz ihn noch nicht gehen lassen kann?