Wieder den Abwasch gemacht. Schon der dritte Tag steht das Geschirr im Spülbecken. Nicht einmal eine saubere Tasse ist übrig. Ich habe gewartet, gewartet… Was soll ich nur tun? Kam müde, hungrig und gereizt von der Arbeit nach Hause. Und zuerst muss ich all das Geschirr waschen, sonst kann ich gar nichts essen.
Und zu essen gibts auch nichts. Also habe ich den Wasserkocher angeschaltet und einen Topf Wasser auf den Herd gestellt. Wenigstens kann ich ein paar Würstchen kochen. Oder einfach nur kochen. Ich habe richtig Hunger. Hätte nie gedacht, dass ich mal so leiden müsste… Und was für eine wunderbare Kartoffelsuppe hat Dorothea früher gemacht! So eine Suppe hätte ich jetzt gern…
Und die Kuchen! Und Blätterteig mit verschiedenen Füllungen. Und die Schweinerippchen, ihre Spezialität. Und alles war so ordentlich, so sauber im Haus! Nach der Arbeit heimzukommen, alles glänzt. Der Duft von Frische überall. Und jetzt…
Warum habe ich das nicht gesehen? Es schien mir immer, als ob Dorothea nichts außer Waschen und Kochen gebraucht hätte…
Einmal habe ich Klara getroffen. Wunderschön, im kurzen Rock, auf hohen Schuhen. Sie kam gerade aus dem Kosmetikstudio. Gepflegt, wie aus dem Katalog. Damals dachte ich…
Dorothea ging nie ins Kosmetikstudio, gab nie Geld für Frisur aus, färbte ihre Haare nicht gern. Große Modeläden waren auch nicht ihr Ding. Dabei war sie selbst schlank und hübsch. Sie mochte diesen ganzen “Frauenkram” nicht. Immer Jeans und Turnschuhe. Lief schnell zum Supermarkt oder wuselten durch die Wohnung.
Ich liebe jemand anderen! sagte ich Dorothea, als ich heimkam. Ich verlasse dich! Ich will dich nicht belügen.
Dorothea schlug weiterhin die Sahne für den Kuchen. Sie drehte sich nicht einmal um. Und ich bemerkte nicht, wie die Tränen aus ihren Augen liefen…
Irgendwann hatte ich genug davon, neben mir nicht eine Frau, sondern nur eine Hausfrau zu haben. Wahrscheinlich deshalb war ich so fasziniert von Klara. Und jetzt mache ich den Abwasch, putze die Böden, und reinige die Wohnung. Kochen habe ich noch nicht richtig gelernt, und ab und zu träume ich nachts von Dorotheas Kuchen…
Klara hat gerade eine neue Maniküre bekommen, deswegen kann sie kein Geschirr spülen. Sie sitzt nun auf dem Sofa, blättert durch eine Zeitschrift, überlegt, ins Studio die Haare machen zu lassen. Um sie herum liegen Kleider auf dem Boden, und über ihre Schuhe bin ich schon zweimal gestolpert. Sie weiß nicht, was sie zum Studio tragen soll. Und das Glas, das sie gestern nicht gebracht hat, steht immer noch da.
Warum habe ich bloß meine Frau gegen so ein bequemes Mädchen eingetauscht? Lange halte ich das nicht mehr aus. Soll ich einfach noch etwas Nudeln kochen? Ich habe solchen Hunger…





