Die Hausherrin ist hier ganz allein, und du weißt genau, wer sie ist. Das heißt, geh leise, und halte dich von mir fern.

Schon seit meiner Kindheit war mein Leben erfüllt von Geschichten über das angespannte Verhältnis zwischen Schwiegermüttern und Schwiegertöchtern.

Damals, als ich klein war, tobte der Krieg zwischen meiner Urgroßmutter und meiner Großmutter. Meine Eltern brachten mich zu meiner Großmutter, bis ich einen Platz im Kindergarten bekam. In ihrer Wohnung, mitten in München, erlebte ich ein echtes Spießrutenlaufen. Es schien, als lebten dort zwei vollkommen verschiedene Frauen: Die eine Großmutter, die mir liebevoll zulächelte, mir Bonbons zusteckte, mir Märchen vorlas und mit mir malte. Die andere erhob ihre Stimme voller Zorn gegen ihre bettlägerige Schwiegermutter und schimpfte über das Elend, das ihr auferlegt wurde. Oft hörte ich sie rufen: Wann gehst du endlich dahin, wo du hingehörst?

Mit dem Tod der Urgroßmutter zog unsere Familie aus der kleinen Mietwohnung zur Großmutter. Doch damit begann der nächste Streit diesmal zwischen meiner Mutter und der Großmutter. Oft standen die Nachbarn vor der Tür und baten um Ruhe. Wahre Stille aber kehrte nie ein in unser Haus.

Als die Großmutter starb, war ich schon in der Oberstufe. Meine Mutter zeigte demonstrativ keine Trauer. Kaum waren die neun Tage vorbei, begann sie eine kleine Revolution in der Wohnung. Sie stopfte wahllos alle Sachen der Großmutter in Müllsäcke und schleppte sie zum Container. Mein Vater, als er von der Arbeit zurückkam, war erschüttert, wie seine Frau mit dem Andenken seiner verstorbenen Mutter umging. Sie stritten den ganzen Abend, und wahrscheinlich war dies der Anfang vom Ende ihrer Ehe. Ein halbes Jahr später verließ uns mein Vater…

Meine eigene Hochzeit mit Markus war recht einfach gehalten. Damals konnten wir uns keine eigene Wohnung leisten, und noch vor der Trauung war mir klar, dass wir wohl oder übel bei seiner Mutter Unterschlupf finden mussten. Mir kamen all die Dramen aus meiner Kindheit in den Sinn, und ich schwor mir, mit meiner Schwiegermutter wenigstens friedlich zusammenzuleben wenn schon keine herzliche Freundschaft, dann doch wenigstens ohne hässliche Szenen.

Ein Jahr lang übte ich mich in Geduld. Ich widersprach nicht, wenn meine Schwiegermutter an meinem Putzen, Waschen oder Kochen herumnörgelte. Sie sprach nie ausfallend, aber ihre Sticheleien waren messerscharf und ließen mich wie eine trottelige Dienstmagd erscheinen, während sie sich wie die Hausherrin gebärdete.

Nach einer weiteren ihrer Weisheiten beschloss ich, das Gespräch zu suchen. Ich besorgte zur Versöhnung einen Frankfurter Kranz, bat meinen Mann, uns Zeit zu geben, und schilderte meiner Schwiegermutter die Geschichten der Frauen in meiner Familie. Ich schlug vor, ausgerechnet nicht die alten Fehler zu wiederholen, sondern von nun an zumindest als gute Nachbarn miteinander umzugehen.

Doch meine Schwiegermutter schnitt mir das Wort ab, schob erbost den Kuchen beiseite und sagte: Hier gibt es nur eine Herrin, und die weißt du wohl, wer das ist. Ich werde mit dir reden, wie es mir passt und am besten ist, wir reden gar nicht miteinander. Lauf leise durchs Haus und lass dich nicht blicken.

Als Markus zurückkam, sah er mich fragend an. Ich schüttelte nur stumm den Kopf. Doch seine Mutter kam gleich aus dem Zimmer gestürmt: Na, Nachbarin, ist das Abendessen für deinen Mann fertig?

Ich erwiderte, dass ich mich bei solcher Behandlung im Alter wohl kaum um sie kümmern werde das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Nach einem Jahr des Schweigens brachen schließlich alle Dämme

Um unsere Ehe zu retten, zogen wir so schwer es uns auch fiel in eine kleine Mietwohnung. Mit der Zeit erholten wir uns finanziell, nahmen einen Kredit auf, und kauften schließlich ein eigenes Haus. Währenddessen erkrankte meine Schwiegermutter schwer und brauchte rund um die Uhr Betreuung. Angesichts der Erinnerungen aus meiner Kindheit lehnte ich es kategorisch ab, diese Aufgabe zu übernehmen.

Ich schlug Markus vor, eine Familie zu suchen, die sich gegen das Wohnrecht um die Mutter kümmern würde, was er nach einiger Missgunst auch tat. Aber niemand hielt es länger als zwei Wochen mit der Schwiegermutter aus. Wir bezahlten für einen Pflegedienst, doch alle kündigten rasch mit der Begründung, ein Zusammenleben mit ihr sei schlicht unzumutbar. Schließlich fanden wir ein älteres Ehepaar, das sich zwei Monate durchhielt. Wir setzten einen Vertrag auf, der ihre Rechte regelte und bestimmte Auflagen zur Pflege enthielt.

Am Ende glaube ich, dass nicht ich das Problem in dieser Beziehung war schließlich standen die Leute für das Erbe der Wohnung nicht eben Schlange an der Tür.

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Homy
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Die Hausherrin ist hier ganz allein, und du weißt genau, wer sie ist. Das heißt, geh leise, und halte dich von mir fern.
„Ich stelle meinem Mann ein Ultimatum: Entweder er zieht mit mir aus dem Schatten seiner Mutter oder wir lassen uns scheiden!“