Mein Bruder will unsere Mutter nicht ins Pflegeheim geben, aber zu sich nach Hause nehmen will er sie auch nicht – denn dort ist kein Platz!

Seit drei Monaten drängt mich mein Bruder ständig wegen unserer Mutter. Seit ihrem Schlaganfall ist sie nicht mehr ganz sie selbst. Sie ist oft verwirrt und darf nicht mehr alleine gelassen werden. Im Grunde braucht sie Pflege, fast wie ein Kleinkind. Aber ich habe einen Beruf, ein Zuhause, eine eigene Familie. Wie soll das alles weitergehen? Ich bot an, sie in ein Pflegeheim zu bringen, doch mein Bruder macht mir schwere Vorwürfe und beschuldigt mich der Hartherzigkeit. Zugleich weigert auch er sich, sie zu sich zu nehmen, denn er wohnt mit seiner Frau in deren Wohnung.

Früher waren wir eine enge Familie, ein ganz normales Quartett. Mein Bruder und ich sind nur knapp ein Jahr auseinander. Unsere Eltern bekamen uns spät. Mittlerweile bin ich 36, er 35. Meine Mutter ist jetzt 72. Bis zum Tod meines Vaters war alles in Ordnung.

Dann ging mein Bruder zum Studium nach München und blieb dort, fand eine Frau und baute sich ein Leben auf. Ich blieb in Bremen, meiner Heimatstadt, erst bei den Eltern, später mit meinem Mann zur Miete, bis wir uns eine Eigentumswohnung leisten könnten. Wir dachten, die Kinder kamen dann.

Vor zwei Jahren starb unser Vater. Unsere Mutter wurde traurig, einsam, dem Leben gegenüber gleichgültig. Sie alterte sichtbar. Schließlich erlitt sie vor einem halben Jahr einen Schlaganfall. Wir glaubten erst, sie würde es nicht schaffen, doch die Ärzte in der Bremer Klinik schafften es, sie zurückzuholen. Zunächst konnte sie weder richtig sprechen noch sich richtig bewegen. Später besserte sich ihr Zustand, aber ihre Psyche blieb angegriffen.

Die Ärzte warnten vor irreversiblen Folgen. Ich musste meine Arbeit aufgeben, wurde freiberuflich, um bei Mama in ihrer Wohnung sein zu können man durfte sie nicht allein lassen. Mein Mann und ich zogen zu ihr zurück. Aber auch als sie motorisch fitter wurde, wurde es nicht leichter.

Sie redete wirr, verirrte sich, lief davon und suchte angeblich meinen Vater. Wir mussten oft nachts los und sie wieder zurückholen. Sie weinte viel. Ich schlief kaum noch, aus Angst, sie würde verschwinden. Konzentrieren auf die Arbeit war fast unmöglich.

Mein Mann schlug schließlich vor, sie in ein Heim zu geben. Die Kosten sind zwar hoch, fast 3.000 Euro im Monat, aber wenn wir beide arbeiten, kommen wir über die Runden. Und schließlich habe ich noch einen Bruder er solle sich auch beteiligen. Das wäre nur gerecht.

Es fiel mir schwer, doch mir wurde klar, es gibt keinen anderen Weg. Wie lange kann man so weitermachen? In einem guten Pflegeheim gäbe es Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch Fachkräfte. Ich informierte mich in einem Bremer Heim. Es war teuer, aber ich hatte keine Wahl.

Dann rief ich meinen Bruder an und erklärte ihm alles. Ich hoffte auf Verständnis. Aber er reagierte gereizt.

“Bist du verrückt geworden? Unsere eigene Mutter ins Heim stecken? Da sind nur Fremde! Wer weiß, wie sie behandelt wird? Du bist herzlos!”, schrie er ins Telefon. “Oder willst du sie einfach nur loswerden?”

Ich versuchte, es ihm zu erklären, aber er ließ mich nicht ausreden. Immer wieder dasselbe: Ich solle mich nicht so anstellen, schließlich sei es unsere Mutter.

Mama hat uns beide großgezogen, uns nie allein gelassen, nie geklagt. Das Mindeste, was wir ihr schulden, ist Fürsorge. Aber warum soll nur ich alles übernehmen? Wenn du das nicht willst, dann nimm du sie doch zu dir!, platzte es aus mir heraus.

Du weißt doch, ich wohne mit meiner Frau in ihrer Wohnung. Wie soll ich ihr erklären, dass meine Mutter einzieht? Ach, ich oder mein Mann dürfen uns mit der Pflegeplage abquälen, aber bei euch geht das nicht? Du wohnst mit deiner Frau, also kümmerst du dich drum!

Ich drohte sogar, meine Mutter sich selbst zu überlassen dann solle er doch zusehen, wie er klarkommt. Mein Bruder aber wimmelte nur ab, er habe einen anspruchsvollen Job, keine Zeit. Ich wolle mich bloß vor der Verantwortung drücken.

Ich lebe wie in einem Alptraum. Einerseits weiß ich, dass das Heim für uns alle das Beste ist. Andererseits quält mich das schlechte Gewissen werde ich zur undankbaren Tochter? Mein Mann steht hinter mir und ist ebenfalls für das Pflegeheim. Dort bekommt sie professionelle Betreuung; wir müssen auch an uns denken.

Ich habe beschlossen, noch eine Woche zu warten. Kommt mein Bruder nicht, bringe ich meine Mutter ins Heim. Jeder gibt gerne Ratschläge, aber nur, wer selbst einen kranken Angehörigen pflegt, weiß, wie schwer das ist. Am Ende muss jeder für sein Handeln selbst gerade stehen. Denn Mitleid ist schnell ausgesprochen, aber echte Verantwortung ist schwer zu tragen. Manchmal besteht Liebe auch darin, loszulassen und sich Hilfe zu holen.

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Homy
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Mein Bruder will unsere Mutter nicht ins Pflegeheim geben, aber zu sich nach Hause nehmen will er sie auch nicht – denn dort ist kein Platz!
Du wirst auch für die Familie meiner Schwester kochen”, verkündete ihr Mann in befehlendem Ton – doch das sollte er bald bereuen.