Frühmorgens versammeln sich sowohl nahe als auch entferntere Verwandte im Büro eines Notars in Berlin. Jeder hofft insgeheim, dass der Verstorbene ihnen ein ordentliches Sümmchen hinterlassen hat. Der Notar kommt zu spät, weshalb sich alle nervös umschauen. Wie lange sollen wir denn noch warten? Ich will endlich wissen, ob mein Vater mir etwas hinterlassen hat, dann kann ich gehen, sagt nervös die älteste Tochter Agnes. Tante Ingeborg, du solltest dich etwas beherrschen. Du musst doch trauern. Schließlich ist mein Vater gestorben, meint Michael, ihr Cousin. Hör doch auf, mich so zu nennen. Ich bin doch noch jung. Nenn mich beim Vornamen, entgegnet Ingeborg gereizt. Egal wie viele Cremes und Behandlungen du dir gönnst, jünger wirst du trotzdem nicht, murmelt Michael verärgert.
Endlich kommt der Notar herein, nimmt die Anwesenden in Augenschein und holt einen Ordner aus dem Regal hervor. Sind Sie bereit, dass ich beginne? fragt er in die Runde. Alle nicken gespannt. Mit einem geheimnisvollen Lächeln öffnet der Notar den Ordner und beginnt das Testament von Adam vorzulesen. Ich habe euch allen etwas hinterlassen. Doch um es zu bekommen, müsst ihr es erst finden. Als Kind lebte ich mit meinen Eltern auf dem Land. Wir hatten nicht viel, aber wir waren glücklich gemeinsam. In unserem alten Haus gibt es einen Tresor, das ganze Geld liegt darin. Um ihn zu öffnen, braucht ihr den Schlüssel. Der Notar händigt euch eine Karte aus und überwacht die Regeln. Viel Glück, ihr Lieben! Einen Moment lang herrscht Schweigen niemand kann fassen, dass Adam selbst nach seinem Tod noch solche Spiele treibt.
Agnes ist die Erste, die das Wort ergreift. Mein Mann und ich fahren sofort ins Dorf. Wer kommt mit? Michael und ich verzichten. Papa hat immer gern Streiche gespielt da steckt bestimmt was dahinter, und wir brauchen das Geld nicht, sagt Adams jüngere Tochter. Agnes, ihr Mann und einige andere Verwandte brechen Richtung Dorf auf. Aufgabe für Aufgabe wird gelöst: Im Stall werden Kühe beäugt, im Heu gesucht, man kriecht durch matschige Erde. Die Dorfbewohner unterbrechen ihre Arbeit und beobachten schmunzelnd das Schauspiel. Binnen Sekunden wird Agnes schickes Kleid zum zerrissenen, schlammverschmierten Lumpen.
Endlich finden sie den Schlüssel und öffnen den Tresor und allen fällt der Mund auf, vor Staunen. Im Inneren liegt ein Zettel und viele Bonbons. Das Geld ging an eine Stiftung und ihr bekommt, was ihr verdient. Danke, dass ihr meinen Dorfbewohnern so viel Freude bereitet habt.Die Gruppe blickt sich unsicher an, bis langsam Lachen ausbricht. Agnes sieht ihre matschigen Hände an und beginnt herzlich zu lachen. Die anderen stimmen ein. Der Dorfbäcker winkt aus seinem Laden und lädt sie zum Kaffee ein. Die Suche nach dem Schatz hat zwar keinen finanziellen Reichtum gebracht, aber die Verwandten sitzen gemeinsam mitten im Dorf beim Kaffee, teilen Geschichten und Bonbons, während die Sonne langsam über den Feldern aufgeht.
Vielleicht war das Adams größtes Geschenk, murmelt Agnes, uns wieder zusammenzubringen und uns daran zu erinnern, was wirklich zählt. Die Dorfbewohner nicken zustimmend, und die Frühlingsluft ist erfüllt von Gelächter, Wärme und dem Gefühl, dass einiges im Leben weit wertvoller ist als Geld.




