Ein Erlebnis, das sich vor vielen Jahren ereignete, ist mir lebendig und detailreich im Gedächtnis geblieben: Es war Alinas Geburtstag, und sie kam mit einem brandneuen Kleid in den Kindergarten. Doch nur wenige Minuten später durchbrach ein durchdringender Schrei die Stille.

Der Tag begann mit einem neuen Mitglied in unserer Gruppe ein Mädchen namens Frieda. Sie war etwa in unserem Alter, sah aber irgendwie ganz anders aus. Ihr Kleid war unpassend und mit sichtbaren Flicken versehen, ihr rotbraunes Haar hatte sie am Hinterkopf zusammengebunden und mit einer abgenutzten Schleife befestigt. Die großen grünen Augen von Frieda verbargen eine unerklärliche Traurigkeit. Später hörte ich, dass sie aus sehr schwierigen Verhältnissen kam. Frieda lebte allein mit ihrem Vater, die Mutter war nicht im Bild, und ihre bescheidenen Umstände zeigten die Last von Armut. Unter unseren Mitschülerinnen waren auch die Zwillinge Lina und Wilhelmine.

Lina bemühte sich stets um Normalität, während Wilhelmine ein ständiges Ärgernis war sie zerstörte ohne Scham die Spielsachen anderer und blieb stets ohne Konsequenzen. Als Tochter der Kindergartenleiterin genoss Wilhelmine eine unangreifbare Position, die sie voller Stolz ausspielte. Ihren Groll ließ sie häufig an Frieda aus: Sie trat sie, verpfuschte ihr Essen in der Kantine und zog ihr an den Haaren. Frieda ertrug das alles schweigend; manchmal liefen ihr Tränen über die Wangen und sie zog sich ins letzte Eck zurück. Wenn wir versuchten, sie zu verteidigen, endeten wir meistens mit einem Tadel von der Erzieherin, da Wilhelmine scheinbar unantastbar war.

Doch an Friedas Geburtstag erschien sie im Kindergarten in einem nagelneuen Kleid. Das zarte Rosa betonte ihr Aussehen, mit funkelnden Farbschattierungen. Am Saum blitzten kleine Perlen, die auf Schritt und Tritt glänzten und bei den Kindern Bewunderung und Komplimente auslösten.

Die Zwillinge beobachteten das Geschehen still aus einer Ecke, ihre wortlose Unzufriedenheit war spürbar. Frieda strahlte vor Glück, ihre grünen Augen leuchteten vor Freude. Beim Spielen draußen versuchte sie, den Sandkasten zu meiden, um ihr schönes Kleid nicht zu beschmutzen. Aber mitten in der Aufregung verloren wir sie kurz aus dem Blick. Plötzlich hörten wir einen schrillen Schrei. Dort, in einer Pfütze, lag Frieda mit ihrem zerrissenen Kleid. Wilhelmine stand daneben, lachte gemein. Frieda weinte bitterlich, in der Angst darüber, wie enttäuscht ihr Vater sein würde, wenn er das zerstörte Kleid sah. Du bist doch keine Prinzessin, sondern nur eine Bettlerin! höhnte Wilhelmine.

Dieser Moment hat mich sehr betroffen gemacht. Ich sah, wie der Geburtstag eines kleinen, hilflosen Mädchens ruiniert wurde. Es hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und mir für mein ganzes Leben die wichtige Erkenntnis gegeben, niemals anderen weh zu tun.

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Homy
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