Ich fuhr mit dem Zug in einem Abteil der zweiten Klasse zu meinen Eltern nach Heidelberg. Mein Platz war oben, so hoch wie ein Wolkenbett, aber das störte mich nicht. Unten lagen zwei Frauen auf den unteren Liegen wie steinerne Statuen, die meinen Aufstieg zum Schlafplatz mit argwöhnischen Blicken begleiteten. Als ich mich kurz unten aufhalten wollte, wartend auf den Schaffner, begann eine Frau schon zu meckern über meine Bewegung nach oben, als wäre ich eine störende Krähe.
Später bekam ich Hunger und wollte etwas essen. Aber die Damen hatten sich wie zwei Wächter neben den Klapptisch gesetzt, tranken schweigend ihren Tee aus feinen Tassen, und ließen mich keinen Zentimeter zum Tisch. Ihr Gebiet war von unsichtbaren Mauern umgeben.
Darf ich schnell etwas essen? fragte ich höflich.
Junger Mann, du hast das Ticket für den oberen Platz. Hast du etwa Geld gespart? Dann iss auch dort! Wir müssen schlafen und nach deiner Brotzeit riechen, das ist doch unmöglich. Außerdem wollen wir unsere Ruhe haben, meinte eine und schnalzte mit der Zunge.
Ich merkte, dass sich ihre Haltungen wie harte Bretter nicht ändern würden. Also machte ich mein Lager oben und öffnete meine Instant-Spätzle, die ich im Rucksack hatte. Kaum nahm ich den ersten Biss, ging ein Ruck durch den Zug als würde der Wagen durch einen Traum donnern und meine komplette Mahlzeit flog in einem seltsamen Bogen hinunter zu den Frauen.
Die Spätzle lagen überall, sogar in den kunstvoll geflochtenen Zöpfen der Dame darunter. Lange Nudelstreifen rankten sich durch das Abteil, verwoben mit den Schatten und Lichtern des Traums. Mir war zum Weinen und Lachen zugleich.
Junger Mann, weißt du denn nicht, wie man im Zug isst? Ist das etwa deine erste Fahrt? Es ist schrecklich! rief die empörte Frau.
Ich habe das nicht mit Absicht getan! erwiderte ich und begann, die Spätzle vorsichtig aus ihren Locken zu pflücken.
Die ganze Nacht roch es nach einer endlosen Brotzeit aus Schachtel-Spätzle. Selbst die Schaffner umgingen die Frau, die vergeblich versuchte, sich irgendwo zu waschen. Aber der Zug war alt, Komfort war nur eine ferne Erinnerung.
Ich schlief trotzdem tief, obwohl der Duft mich hungrig hielt. Was soll ich sagen? Selbst schuld!





