Ich bin 50 Jahre alt und lebe noch immer bei meinen Eltern, seit ich damals schwanger wurde – mein Sohn ist inzwischen 20 Jahre alt.

Ich bin nun 50 Jahre alt und lebe noch immer im Haus meiner Eltern, seit ich damals schwanger wurde. Mein Sohn ist bereits zwanzig Jahre alt. Ich habe einen Bruder und eine Schwester, die beide ihre eigenen Wohnungen haben. Mein Bruder Friedrich ist Jurist, während meine jüngere Schwester Annemarie verheiratet ist und mit ihrem Ehemann zusammenlebt. Schon seit Jahren verdiene ich genug, um mir eine eigene Wohnung zu nehmen oder vielleicht sogar das Haus meines Vaters zu kaufen. Ja, ich habe es versucht, doch aus verschiedensten Gründen sind wir bislang nie zu den nötigen Unterlagen gekommen. Einzig meine Bedingung wäre, dass sollte ich das Haus erwerben es bis zu seinem letzten Tag auf den Namen meines Vaters läuft, damit er sicher weiß, dass ich ihn nie ungeschützt zurücklasse. Aber diese Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Mein Vater ist inzwischen weit über siebzig, ein sehr direkter, manchmal schroffer Mann. Er möchte oft gerne mehr tun, kann aber vieles nicht mehr bewältigen so wie das eben bei Menschen im hohen Alter ist. Seit vier Jahren ist er Witwer und lebt mit der ständigen Abwesenheit meiner Mutter.

Sowohl ich als auch mein Sohn gehen arbeiten. Wir übernehmen inzwischen den größten Teil der Kosten für das Haus Strom, Lebensmittel, was eben täglich so anfällt. Mein Vater gibt etwas dazu, wenn er seine Rente bekommt, aber er ist sehr sparsam und auch misstrauisch geworden.

Friedrich, mein älterer Bruder, sieht unseren Vater nur etwa eine halbe Stunde und das auch nur einmal im halben Jahr. Meine Schwester Annemarie, die nicht arbeitet, hilft uns gegen eine kleine Aufwandsentschädigung gelegentlich im Haushalt, kocht oder bleibt bei Vater, wenn mein Sohn und ich beruflich unterwegs sind.

Auch wenn das Essen schon fertig zubereitet ist, würde mein Vater nichts essen, wenn wir ihm den Teller nicht direkt vorsetzen. Im Haushalt tut er fast nichts mehr, nur hin und wieder spielt er mit meinem Hund Lola, schaut sich Videos an oder schläft. Am meisten sorgt er sich, ob genug Kerzen im Haus und auf dem Friedhof sind und natürlich um meinen Hund seine verwöhnte Enkelin, die es sich gemütlich in ihrem Körbchen macht, während er ausruht.

Es gibt Momente, in denen ich mich beklage, weil ich fast alle Kosten für das Haus, die Lebensmittel und die Rechnungen trage. Doch dann wird mir wieder bewusst, wie glücklich ich bin, dass ich noch für meinen Vater sorgen darf; ich habe Gesellschaft für ihn, kann mich um ihn kümmern, mit ihm reden, gemeinsam lachen, sehen, wie er meinen Sohn und den Hund liebt. Er hat mir mein ganzes Leben alles gegeben; jetzt ist es an mir, ihm die gleiche Liebe und Hingabe zu schenken, mit der er sich immer um mich gekümmert hat durch meine Fürsorge, meine Unterstützung, meine Zeit, meine Zuneigung.

Manche Leute sagen mir, ich sollte endlich ausziehen, aber ich will das nicht und werde es auch nicht tun. Wer wäre denn nachts oder zu jeder anderen Zeit da, wenn meinem Vater etwas zustößt? Der Gedanke, er könnte allein zu Hause sein, umgeben nur von Erinnerungen und Sehnsucht, macht mich traurig. Oder dass er allein zum Laden geht und draußen stürzt. Manchmal geht er alleine raus, aber wir wissen immer, wo er ist, begleiten ihn zum Arzt oder auf den Markt. Nach all dem, was er für mich getan hat, könnte ich mit der Schuld und Sorge nicht leben.

Wie er auch sein mag knauserig, mürrisch, zuweilen wütend, manchmal fröhlich oder verzweifelt und ängstlich er ist mein Vater. Zu einem großen Teil verdanke ich ihm (und natürlich auch meiner Mutter), dass ich heute da bin, wo ich bin.

Und was werde ich meinem Sohn hinterlassen, eines Tages, wenn ich nicht mehr bin? Ich werde ihm mitgeben, wie man arbeitet, wie man sich im Leben durchbeißt, seine Ausbildung, mein Beispiel (hoffentlich das beste) und vielleicht sollte es sich wie gewünscht fügen das Haus meines Vaters, solange die Bedingung gilt: Solange mein Vater lebt, bleibt er der Eigentümer, auch wenn ich alles bezahle.

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Homy
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