Warum sollte ein so gutaussehender und erfolgreicher Mann wie ich heiraten? – fragte er sich. – Wann bekommen wir endlich Enkelkinder? – fragten sich die Eltern

Warum sollte ein so attraktiver und erfolgreicher Typ wie ich überhaupt heiraten? dachte er. Wann bekommen wir denn endlich Enkelkinder? dachten seine Eltern.

Sebastian brachte seine Freundin nach Hause und fuhr dann zurück in seine eigene Wohnung in München.

Er briet sich ein paar Spiegeleier mit Schinken und ließ sich am Küchentisch nieder. Dabei schaltete er sein Handy ein, das die ganze Nacht ausgeschaltet gewesen war und fing an, die verpassten Anrufe durchzugehen.

Mama hat angerufen, murmelte Sebastian. Die wird wieder meckern, dass ich so ein Nichtsnutz bin

Sebastian war natürlich alles andere als ein Versager. Ein guter Job, eine Zweizimmerwohnung, ein Auto alles da. Aber er war eben schon fünfundzwanzig und noch immer ledig.

Warum sollte ein so fabelhafter Kerl wie ich heiraten? dachte Sebastian.

Wann bekommen wir endlich Enkelkinder? sorgten sich seine Eltern.

Sebastian wählte die Nummer seiner Mutter:

Hallo, Mama! Wie gehts dir gesundheitlich? fragte er.

Ach, alles bestens, kam es zurück.

Und Papa?

Dem gehts auch gut. Du könntest das übrigens mal selbst überprüfen mit dem Auto bist du eine halbe Stunde zu uns, aber wir sehen dich monatelang nicht! Papa will endlich den Garten umgraben, die Kartoffeln wollen auch irgendwann in die Erde.

Mama, heute schaffe ich es wirklich nicht. Aber nächstes Wochenende komme ich ganz sicher!

Das hast du uns mit deiner Freundin aber auch schon hundertmal versprochen.

Wirklich. Am nächsten Wochenende komme ich mit Freundin. Schwöre ich! platzte es plötzlich aus ihm heraus.

Deiner Verlobten?!

Noch nicht ganz

Ach Junge, ich freue mich so! Bis nächsten Samstag dann. Ich koche alles, was du gerne magst!

Nach dem Telefonat mit seiner Mutter kam Sebastian leicht ins Grübeln:

Musste ich sowas gleich versprechen? Wen soll ich als Verlobte anschleppen? Lisa vielleicht? Warum nicht? Jetzt erstmal ein Nickerchen, dann frage ich sie mal. Den Eltern wird sie wohl eher nicht gefallen. Und Lisa findet Gartenarbeit schon beim Zuhören furchtbar. Egal, als Gast kann man sie ja mal mitnehmen Ab ins Bett.

Die Bratpfanne blieb halbleer auf dem Tisch liegen, Sebastian verschwand im Schlafzimmer.

Ausgeschlafen erinnerte er sich an sein Versprechen und griff zum Handy.

Hallo, Lisa. Du schöne Frau! meldete er sich.

Hallo Sebastian, kam die Antwort frostig zurück.

Lisa, hast du schlecht geschlafen? Ich fahre gleich zu dir.

Du, Sebastian, da gibts eigentlich nichts mehr zwischen uns. Meine Zukunftspläne haben sich geändert.

Wie bitte? Welche Pläne denn? Das wurmte ihn jetzt.

Ich heirate.

Aha, ich komme gleich vorbei zu dir und zu diesem ominösen Verlobten

Das Gespräch war abrupt zu Ende.

Sebastian knallte das Handy aufs Sofa. Normalerweise war er der, der bei Frauen Schluss machte aber diesmal hatte man ihm einfach den Laufpass gegeben.

Er ging ins Bad und dann in die Küche, kochte sich einen Kaffee und dachte nach:

Wo finde ich jetzt eine Freundin für die Eltern-Show? Jemand Altes aus dem Bekanntenkreis? Aber dann meinen die Eltern auch noch, das sei ernst gemeint!

Den Kaffee schaffte er gar nicht auszutrinken, da heulte plötzlich die Alarmanlage seines Wagens auf. Er rannte ins Wohnzimmer. Seinen VW parkte Sebastian immer hinterm Haus, nicht besonders belebt, aber er hat den Wagen stets im Blick.

Da stand ein Mann zwischen 45 und 50 und blickte verächtlich Richtung Fenster.

Wer ist das denn jetzt? Sebastian wunderte sich.

Er schlüpfte in die Sneaker und stürmte hinaus.

Guten Tag, was machen Sie da an meinem Auto?

Hör zu, Junge! knurrte der Fremde selbstsicher. Wenn ich dich noch einmal bei Lisa sehe, kannst du was erleben!

Ach, verschwinde!

Noch ehe er weiter diskutieren konnte, tauchte ein bulliger Typ auf.

Sebastian wollte etwas sagen dann wurde alles schwarz

Sebastian, Sebastian!

Über ihm beugte sich ein ziemlich schlicht aussehendes Mädchen. Er dachte: Die kenne ich doch irgendwoher

Hörst du mich? Soll ich einen Krankenwagen rufen?

Nein, danke, in meinem Auto hab ich alles, was man braucht, grinste Sebastian. Können Sie helfen?

Natürlich. Ich habe eine medizinische Ausbildung, meinte das Mädchen.

Sebastian sah genauer hin klar doch, Nachbarin aus dem Nebenhaus, begegnete ihm ständig, aber er hatte sie immer für eine Schülerin gehalten. Ihr Name? Sie drehte sich um als ob sie seine Gedanken erraten hätte:

Ich heiße Anneliese. Ich wohne direkt nebenan.

Setzen Sie sich, Anneliese! öffnete er die Hintertür. Erste-Hilfe-Kasten ist da.

Er setzte sich vorn rein. Das Mädchen behandelte seine Platzwunde.

Nichts Schlimmes, stellte sie fest.

Danke!

Im Rückspiegel erblickte Sebastian ihre Augen, fragend: Soll ich gehen?

Kommen Sie, trinken wir doch noch einen Kaffee! Ich habe eh noch nichts gefrühstückt.

So? Sie blickte verunsichert auf ihren Pulli und die Trainingshose.

Ist doch egal, ich bin genauso angezogen.

Nein, ich geh so nicht.

Gut, dann ziehen wir uns um und gehen stilvoller los!

Eine halbe Stunde später kam sie im Kleid heraus, dezent geschminkt. Sebastian fand plötzlich, es wäre netter, einfach zu Fuß zu gehen.

Anneliese, wie wäre es mit einem Spaziergang?

Gerne, sie hakte sich bei ihm ein.

Anneliese redete unterwegs wie ein Wasserfall. Im gemütlichen Café überreichte Sebastian ihr die Karte:

Anneliese, such dir aus, was du möchtest!

Sie blätterte mehr in den Preisen als bei den Gerichten. Sebastian merkte, dass Cafés nicht zu ihren Stammplätzen gehörten, also winkte er die Bedienung heran.

Bringen Sie der Dame bitte etwas besonders Leckeres und einen Kaffee!

Und für Sie?

Nur Kaffee, danke.

Wir haben ganz frischen, noch warmen Streuselkuchen.

Gern!

Nach dem Café gingen sie zusammen nach Hause. Verabschiedung an ihrem Hauseingang.

Die Woche flog vorbei. Freitagabend kam Sebastian erschöpft von der Arbeit.

Ich hab meiner Mutter versprochen, am Samstag mit Freundin zu Besuch zu kommen. Was jetzt?

Er betrat die Küche, stellte den Wasserkocher an, schmierte sich Brote und grübelte weiter.

Fahr ich alleine wird Mama wieder traurig. Da muss doch eine Lösung her

Und plötzlich hatte er eine Eingebung!

Warum eigentlich nicht Anneliese? Zugegeben, seit Sonntag hab ich sie nicht mehr gesehen. Ich sag einfach, ich hatte viel zu tun

Schnell aß er, rasierte sich, zog sich ordentlich an und machte sich auf zum Nachbarhaus.

Er wusste, wo sie wohnte aber bei 15 Wohnungen und außer dem Namen wusste er eigentlich nichts.

Während er noch nachdachte, öffnete sich die Haustür und Anneliese kam im Haus-Outfit raus. Sie hatte ihn wohl aus dem Fenster erspäht.

Unsicher blieb sie stehen.

Hallo Anneliese!

Hallo Sebastian! ihre Augen strahlten.

Ich dachte, wir könnten einen Spaziergang machen.

Ich bin schon wieder nicht gestylt

Ich kann warten, Sebastian lächelte. Reichen 30 Minuten?

Klar! und sie verschwand wieder im Haus.

Was ist denn los, Kind? fragte ihre Mutter erstaunt.

Ich geh kurz raus mit Sebastian.

Warum so plötzlich?

Doch Anneliese war schon in ihrem Zimmer am Umziehen. Die Mutter blickte aus dem Fenster und rannte gleich zu ihr.

Willst du etwa wirklich mit Sebastian raus?

Ja, Mama.

Was willst du denn mit so einem Schönling?

Ich bin schließlich schon zwanzig, grinste Anneliese schüchtern.

Weißt du, was für Mädels der sich sonst anlacht?

Mama, bitte keine Predigten

Na, das kann ja heiter werden

Aber Anneliese war schon unterwegs. Sie wusste, morgen würde das ganze Haus tratschen Sebastian, der Schwiegermuttertraum, und sie, das graue Mäuschen. Aber das war ihr jetzt egal.

Sie verließ das Haus, sicher, dass Mama noch aus dem Fenster glotzte, nahm Sebastian beherzt am Arm und fragte:

Und, wo gehts hin?

Wir drehen eine Runde im Park, setzen uns ins Café, murmeln Romantisches unterm Mond

Gesagt, getan. Sie schlenderten, redeten, umarmten sich später endlos unter dem Mond. Bis irgendwann Annelieses Mutter anrief.

Anneliese, es ist schon eins!

Komme ja schon! sagte sie und senkte schuldbewusst die Augen. Sebastian, ich muss.

Ich begleite dich noch.

Am Hauseingang knuddelten sie nochmal, und dann verkündete Sebastian sehr bestimmt:

Morgen fahren wir zu meinen Eltern aufs Land

Klaus! rief die Ehefrau, als sich Sebastians Wagen näherte. Sebastian kommt!

Der erinnert sich tatsächlich an uns?

Und er hat eine Frau dabei! rief seine Mutter begeistert und rannte vors Haus.

Ursula bestätigte Sebastians Begrüßung, ihre Blicke ruhten ganz auf seiner Begleitung.

Sie ging auf das Mädchen zu:

Wie heißt du, Kind?

Anneliese, murmelte sie verlegen.

Ich bin die Ursula. Komm herein, keine Scheu!

Dankeschön!

Auch der Vater kam gleich raus, begrüßte Anneliese herzlich:

Endlich hat unser Sohn eine anständige Freundin! Und du bist?

Anneliese.

Ich bin Klaus, du kannst ruhig Onkel Klaus sagen.

Mit so einem warmen Empfang hatte Anneliese nicht gerechnet. Sie rechnete mit kritischen Blicken von standesbewussten Eltern aber stattdessen wurde sie von einfachen Leuten voller Freude herzlich willkommen geheißen.

Drinnen fiel ihr die Kinnlade runter: Der Tisch stand voll mit Essen, wie beim Sonntagsbesuch des Bürgermeisters!

Das Kreuzverhör begann.

Anneliese stammte aus einer ganz normalen Familie und war überrascht: Die Eltern waren nicht abgehoben, sondern sympathisch und bodenständig.

Mehr noch, es war, als freuten sie sich direkt darüber, dass Anneliese so herrlich normal war.

Nach dem Essen verschwand Sebastian mit seinem Vater in den Garten zum Kartoffelsetzen. Anneliese bot der Gastgeberin ihre Hilfe an:

Frau Ursula, soll ich beim Abräumen helfen und den Abwasch machen?

Klar, wir machen das zusammen! strahlte Ursula.

Als die Männer fertig mit der Arbeit waren, pflanzten sie alle gemeinsam Kartoffeln.

Als das vollbracht war, sagte Anneliese leise:

Ich müsste langsam heim, meine Mama wird sich sorgen.

Ach, Unsinn! kam Ursula gleich. Jetzt wird gegessen und dann bleibst du einfach über Nacht. Morgen fahrt ihr dann zurück.

Ich weiß nicht man merkte, sie wollte eigentlich bleiben.

Ruf doch einfach an! schlug Ursula vor.

Anneliese holte ihr Handy raus, wählte.

Mama, darf ich hier übernachten?

Meinst du das ernst?! Du hast doch versprochen, du kommst heute wieder!

Wie heißt deine Mutter, Anneliese? fragte Ursula und ergriff kurzerhand das Handy.

Gerda.

Hallo, hier spricht Ursula, Sebastians Mutter.

Hallo!

Lassen Sie Anneliese doch heute bei uns. Ich passe auf sie auf, sie schläft natürlich in ihrem eigenen Zimmer.

Na, ich weiß nicht recht

Gerda, Sie haben eine wundervolle Tochter

Halbe Stunde telefonierten die beiden noch hin und her.

Zurück fuhren Sebastian und Anneliese erst am Sonntagabend. Ursula packte ihnen Berge von Lebensmitteln ein Scheiben Schwarzbrot, Würste, Käse, Eier. Sie redete vor allem mit Anneliese:

Das Paket ist für Sebastian, und die zwei hier für euch beide.

Frau Ursula, das ist doch viel zu viel!

In der Stadt weiß man ja nie, was in eurem Essen ist. Siehst du ja so dünn wie du bist!

Dann zog sich Ursula ihren Sohn zur Seite:

Habt ihr schon einen Hochzeitstermin gemacht?

Mama, wir haben nicht mal drüber gesprochen.

Dann sprich drüber!

Wir überlegen es uns.

Verlier so ein tolles Mädchen nicht! und sie drohte scherzhaft mit dem Finger. Bring mir nicht wieder irgendeinen anderen Typ, hörst du?

Kaum war das Auto vom Hof, kramte Ursula das Handy wieder hervor:

Gerda, sie sind unterwegs. Alles bestens. Ich hab ein großes Paket mitgegeben.

Och Ursula, das wäre nicht nötig gewesen!

Ist doch schön! Vielleicht sind wir ja bald Schwägerinnen.

Ach, was du immer gleich denkst! Aber im Ton von Gerda klang Stolz mit.

Mein Sebastian ist fünfundzwanzig, hat Wohnung und Auto. Traumtyp, sag ich doch!

Meine Anneliese Verliebt bis über beide Ohren!

Na, dann werden wir sie beide auf Kurs halten, Ursula, verstand sich aufs Heiraten.

Tja, dein Sebastian ist ein echter Augenschmaus

Und deine Anneliese fleißig, liebevoll.

Stimmt. Sie macht schon lange alles im Haushalt.

Sebastian fuhr derweil selig durchs abendliche Bayern. Anneliese konnte sich nicht mehr zurückhalten:

Warum grinst du so, Sebastian?

Du hast meinen Eltern gefallen.

Ach was.

Mama war ganz begeistert und meinte, ich soll dich ja nicht gehen lassen.

Und du?

Ich werde dich nicht verlieren!

Und sie sahen sich in die Augen beide strahlten wie die Sonne über dem Ammersee.

Wenn du Lust auf mehr solcher Geschichten hast lass einen Like da und erzähl in den Kommentaren, wie dir die Story gefällt!

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Warum sollte ein so gutaussehender und erfolgreicher Mann wie ich heiraten? – fragte er sich. – Wann bekommen wir endlich Enkelkinder? – fragten sich die Eltern
„Willst du heiraten? Dann halt durch! Der Bauch ist schon größer als die Nase – jetzt bist du erwachsen! – Unbeeindruckt verkündete die Mutter“