Ich bin bei ihm eingezogen, damit wir gemeinsam neu anfangen können und jetzt schlafe ich auf dem Sofa in meiner eigenen Wohnung. Als ich einwilligte, bei ihm einzuziehen, hatte ich die Hoffnung, dass wir gemeinsam etwas aufbauen würden. Ich ließ mein Viertel, meinen Alltag, meine Sachen zurück. Mitgenommen habe ich lediglich meine Kleidung, meine Träume und die Vorstellung, endlich ein gemeinsames Zuhause zu haben. Er wohnte damals in einer kleinen Einzimmerwohnung in München, aber versprach mir, das sei nur vorübergehend später würden wir uns etwas Größeres in der Stadt suchen. Ich glaubte ihm.
Die ersten Monate liefen gut. Wir schliefen nebeneinander ein, kochten zusammen, schauten abends Serien. Klar, es war eng aber es war unser Raum. Bis er eines Tages mit der Nachricht nach Hause kam, dass seine Mutter finanzielle Schwierigkeiten habe und seine Schwester in Berlin aus ihrer Wohnung geflogen sei. Er bat mich um Verständnis, meinte, es ginge nur um ein paar Tage, bis sie wieder Fuß fassen. Ich wollte nicht egoistisch erscheinen und stimmte zu.
Das Problem war nur, diese paar Tage wurden zu mehreren Wochen. Das Schlafzimmer wurde zum Reich seiner Mutter und Schwester sie ist älter und braucht ein Bett, hieß es. Seine Schwester beanspruchte den Kleiderschrank und das Bad, als wäre sie hier zu Hause. Ich wich auf das ausklappbare Sofa im Wohnzimmer aus. Anfangs dachte ich, das sei eine kurzfristige Lösung bald finde sich bestimmt etwas. Doch niemand sprach vom Ausziehen. Jeden Abend bezog ich das Sofa mit meinen Decken, morgens klappte ich alles wieder ein, damit der Raum normal aussah.
Mit der Zeit kamen die Unannehmlichkeiten. Ich hatte kein eigenes Reich mehr, keinen Platz für meine Sachen, keine Rückzugsmöglichkeit. Nach langen Tagen im Büro wollte ich einfach nur nach Hause kommen und mich hinlegen doch mein Platz war belegt. Seine Mutter kommentierte ständig alles: wie ich koche, was ich trage, wann ich nach Hause komme. Die Schwester immer noch ohne Arbeit schlief lange aus, ließ das Geschirr stehen, und ich fühlte mich wie eine Fremde.
Am meisten tat es weh, als ich merkte, dass er nichts unternahm. Nie sagte er: Meine Freundin hat auch ein Recht auf Raum. Er zog keine Grenzen. Im Gegenteil, er bat mich um noch mehr Verständnis, meinte, ich solle bitte geduldiger sein und mich nicht so anstellen. Eines Abends, völlig erschöpft vom schlechten Schlaf, sagte ich ihm, dass wir eine Lösung finden müssen ich könne nicht ewig als Gast auf dem Sofa leben. Seine Antwort: Das ist meine Mutter, das ist meine Familie. Und da verstand ich, dass ich offenbar nicht dazugehöre.
Ich sprach mit meiner Mutter und zog zurück in das Haus in Augsburg, in dem ich aufgewachsen bin. Ab und zu ruft er an, sagt, wir könnten zusammen sein, nur eben ohne zusammenzuziehen. Und ich weiß nicht, was ich davon halten soll.





