Ich bin erschöpft. Und nein das ist keine abstrakte emotionale Müdigkeit. Es ist diese ganz konkrete physische, psychische und finanzielle Erschöpfung, die einen überkommt, wenn man zwei erwachsene Menschen durchfüttert, die sich entschieden haben, auf ewig im Teenager-Modus zu verharren. Sie sind längst über zwanzig, kerngesund, besitzen die neuesten Handys, tragen Markenkleidung, essen nur Fertiggerichte und leben in einem Zuhause, das sie wie ein Fünf-Sterne-Hotel behandeln. Sie stehen am frühen Nachmittag auf, trotten in die Küche und begutachten das Essen passt es ihnen nicht, ziehen sie das Gesicht. Sie fragen nicht nach dem Preis. Sie sagen nicht danke. Helfen? Fehlanzeige. Fordern? Ständig.
Seit Jahren studieren sie nicht mehr wirklich. Studienfächer wurden angefangen, dann wieder abgebrochen, war doch nichts für mich. Kurse halb gemacht, Projekte nie umgesetzt, nur große Pläne und viele Worte. Jeder Versuch endet gleich: Ausreden, imaginäre Erschöpfung und das sichere Gespür, dass ich wieder einmal die Konsequenzen trage. Arbeiten? Ich finde nichts Passendes. Einen ganz normalen Job? Völlig unter meiner Würde. Von Null anfangen? Niemals. Aber auf meine Kosten leben damit haben sie kein Problem.
In diesem Haus bezahlen sie keine Rechnungen. Sie gehen nie einkaufen, kaufen nicht mal Seife. Strom, Wasser, Internet, Streaming, Handys alles läuft auf mich. Wenn etwas kaputtgeht, rufen sie an nicht, um es zu reparieren, sondern um mir mitzuteilen, es ist kaputt. Niemals, um selbst Hand anzulegen. Wenn es saubere Wäsche gibt, liegt es an mir. Wenn Essen auf dem Tisch steht, habe ich es gekocht. Ordnung? Auch von Zauberhand gemacht, als wären sie nur vorübergehende Gäste.
Und trotzdem Kritik. An meinem Charakter, meinem Zeitplan, meinen Entscheidungen, meiner Art zu sprechen. Kritik, wann immer ich müde bin, schlechte Laune habe oder Grenzen setze. Wenn ich über Verantwortung spreche, machen sie sich lustig. Wenn ich Unabhängigkeit erwähne, werden sie ärgerlich. Fordere ich, dass zumindest das eigene Zimmer aufgeräumt oder der Müll rausgebracht wird, reagieren sie mit einer Mischung aus Spott und Übertreibung. Und sage ich mehr Geld gibt es nicht, dann schauen sie mich an, als hätte ich ihre Grundrechte verletzt. Als sei es meine Pflicht, ihren Komfort und ihre Faulheit immer weiter zu finanzieren.
Das Schmerzlichste dabei ist die Erkenntnis, dass es hier nie an Möglichkeiten mangelte sondern an echtem Willen. Sie sind nicht verloren, sie haben es sich bequem gemacht. Sie kennen nur ein Leben, in dem alles selbstverständlich ist und nichts Wertschätzung erfährt. In dem die Mutter keine Person, sondern eine Ressource ist. In dem das Familiengeld Gottgegeben scheint, nicht das Ergebnis harter Arbeit. Und ich so lange war unbewusst Komplizin, habe Geduld mit Liebe verwechselt.
Doch damit ist jetzt Schluss. Heute habe ich verstanden: Erziehung heißt nicht, ewig festzuhalten, und Liebe bedeutet nicht, sich ausnutzen zu lassen. Ich habe keine Kinder bekommen, um lebenslang nutzlose Erwachsene mit endlosen Ansprüchen aufzuziehen. Zu viel Komfort ruiniert. Und Schweigen erzieht nur eben falsch. Wenn sie faul bleiben wollen, dann demnächst weit entfernt von meiner Arbeit, meinem Zuhause und meinem Frieden. Denn Mutterschaft ist kein lebenslanger Frondienst. Auch ich habe das Recht, mich einmal auszuruhen vor erwachsenen Kindern, die sich standhaft weigern, endlich erwachsen zu werden.





