Die Rückkehr vom Geburtstagsessen: Erinnerungen an einen schönen Abend.
Lena kam mit ihrem Mann aus dem Restaurant zurück, wo sie seinen Geburtstag gefeiert hatten. Sie hatten eine wunderbare Zeit. Viele Leute waren da Verwandte, Kollegen aus der Arbeit. Die meisten kannte Lena nicht, aber wenn Stefan sie eingeladen hatte, dann hatte das sicher seinen Grund.
Lena gehörte nicht zu den Frauen, die sich mit den Entscheidungen ihres Mannes anlegten. Sie mochte keine Streitereien oder lange Diskussionen. Es war ihr lieber, Stefan recht zu geben, als auf ihrem Standpunkt zu beharren.
Lena, wo sind deine Haustürschlüssel? Findest du sie?
Lena öffnete ihre Handtasche und suchte darin herum. Plötzlich durchzuckte sie ein scharfer Schmerz, und sie zuckte so heftig zurück, dass die Tasche zu Boden fiel.
Was schreist du denn so?
Ich habe mich an etwas gestochen.
In deiner Tasche herrscht das reine Chaos, da wundert mich gar nichts mehr.
Lena widersprach nicht. Sie hob die Tasche auf, holte vorsichtig die Schlüssel heraus und betrat die Wohnung. Den Stich hatte sie schon fast vergessen. Vor Müdigkeit schmerzten ihre Beine, sie sehnte sich nach einer Dusche und dem Bett.
Am nächsten Morgen wachte sie mit einem stechenden Schmerz in der Hand auf. Ihr Finger war rot und geschwollen. Da erinnerte sie sich an den Vorfall und nahm die Handtasche, um nachzusehen, was darin war. Vorsichtig durchsuchte sie sie und entdeckte am Boden eine große, rostige Nadel.
Was ist das?
Sie verstand nicht, wie die Nadel dort hineingekommen war. Sie nahm den seltsamen Fund und warf ihn in den Müll. Dann ging sie zum Medizinschrank, um die Einstichstelle zu desinfizieren. Nachdem sie ihren geröteten Finger versorgt hatte, machte sie sich auf den Weg zur Arbeit. Doch schon beim Mittagessen bemerkte sie, dass sie Fieber hatte.
Sie rief Stefan an.
Stefan, ich weiß nicht, was los ist. Ich glaube, ich habe mir was eingefangen. Ich habe Fieber, Kopfschmerzen, alles tut mir weh. Stefan, ich habe diese rostige Nadel in meiner Handtasche gefunden genau in die habe ich mich gestern gestochen.
Vielleicht solltest du zum Arzt gehen. Wer weiß, ob du dir nicht eine Blutvergiftung oder Ähnliches geholt hast.
Stefan, mach dir keine Sorgen. Ich habe die Wunde versorgt, alles wird gut.
Doch statt besser wurde es von Stunde zu Stunde schlimmer. Irgendwie hielt Lena bis zum Feierabend durch, dann bestellte sie ein Taxi und fuhr nach Hause. Sie wusste, dass sie die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht geschafft hätte. Zu Hause sank sie auf das Sofa und fiel in einen unruhigen Schlaf.
Sie träumte von ihrer Großmutter Anna, die gestorben war, als Lena noch ein kleines Mädchen war. Woher sie wusste, dass es Großmutter Anna war, konnte sie nicht sagen aber sie wusste es einfach. Die Großmutter war eine gebrechliche alte Frau, deren Anblick viele erschreckt hätte. Doch Lena spürte, dass sie ihr helfen wollte.
Die Großmutter führte Lena über ein Feld, zeigte ihr, welche Kräuter sie sammeln musste, und erklärte, dass sie daraus einen Tee brauen sollte, um ihren Körper von dem Gift zu reinigen, das ihn zerfraß. Sie sagte, dass jemand ihr Böses wollte. Doch um dagegen anzukämpfen, musste Lena am Leben bleiben. Die Zeit drängte.
Lena erwachte schweißgebadet. Es kam ihr vor, als hätte sie stundenlang geschlafen, doch als sie auf die Uhr sah, waren erst wenige Minuten vergangen. Sie hörte, wie die Haustür knallte Stefan war zurück.
Was ist mit dir los? Schau dich doch mal im Spiegel an!
Lena trat vor den Spiegel. Noch gestern hatte sie eine hübsche, lächelnde Frau gesehen. Jetzt blickte ihr ein bleiches, lebloses Gesicht entgegen.
Was bedeutet das?
Da erinnerte sie sich an ihren Traum. Ich habe von Großmutter geträumt. Sie hat mir gesagt, was ich tun soll
Lena, zieh dich an, wir fahren ins Krankenhaus.
Ich gehe nirgendwohin. Großmutter sagte, Ärzte können mir nicht helfen.
Es kam zum ersten heftigen Streit. Stefan nannte sie verrückt, weil sie sich auf Träume verließ. Als er sie schließlich mit Gewalt mitnehmen wollte, riss sie sich los, stürzte und schlug sich am Türrahmen.
Wenn du nicht freiwillig kommst, dann zwinge ich dich!
Doch Lena war zu schwach. Stefan packte ihre Handtasche, knallte die Tür hinter sich zu und verschwand. Alles, was Lena noch tun konnte, war ihrem Chef eine Nachricht zu schreiben sie sei krank und müsse ein paar Tage zu Hause bleiben.
Stefan kam erst spät in der Nacht zurück und entschuldigte sich. Lena sagte nur:
Morgen fährst du mit mir in das Dorf, wo Großmutter gelebt hat.
Am nächsten Morgen glich Lena mehr einem wandelnden Leichnam als einer lebendigen Frau. Stefan versuchte noch einmal, sie umzustimmen:
Lena, hör auf mit dem Unsinn. Wir fahren ins Krankenhaus. Ich will dich nicht verlieren.
Doch sie fuhren ins Dorf. Lena kannte nur noch den Namen sie war seit Großmutters Tod nicht mehr dort gewesen. Die ganze Fahrt über schlief sie. Erst als sie ankamen, wachte sie auf und sagte:
Dort lang.
Sie kroch aus dem Auto und brach vor Erschöpfung im Gras zusammen. Doch sie wusste, dass dies das Feld aus ihrem Traum war. Sie fand die Kräuter, die Großmutter gezeigt hatte, und sie fuhren nach Hause. Stefan bereitete den Tee zu, genau wie Lena es ihm sagte. Sie trank ihn in kleinen Schlucken und mit jedem Schluck fühlte sie sich etwas besser.
Als sie später auf die Toilette ging, bemerkte sie, dass ihr Urin schwarz war. Doch das erschreckte sie nicht. Im Gegenteil, sie wiederholte Großmutters Worte:
Das Gift geht raus
In dieser Nacht erschien die Großmutter wieder im Traum. Sie lächelte und sprach:
Dir, mein Kind, hat jemand einen Fluch durch die rostige Nadel geschickt. Mein Tee wird dir Kraft geben, aber nicht für lange. Du musst den finden, der das getan hat, und ihm sein eigenes Gift zurückgeben. Ich weiß nicht, wer es war. Aber es hat mit deinem Mann zu tun. Wenn du die Nadel nicht weggeworfen hättest, könnte ich dir mehr sagen. Doch so
Die Großmutter erklärte Lena, was sie tun musste: Sie sollte eine Packung Nadeln kaufen, eine bestimmte Beschwörung sprechen und eine Nadel in Stefans Tasche legen. Wer ihr den Fluch geschickt hatte, würde sich daran stechen und dann würden sie seinen Namen erfahren.
Lena befolgte die Anweisungen. Stefan blieb am nächsten Tag bei ihr, doch als sie allein einkaufen gehen wollte, protestierte er.
Lena, du kannst kaum laufen. Lass mich mitkommen.
Stefan, koch mir lieber eine Suppe. Nach diesem Virus habe ich einen Bärenhunger.
Am Abend lag die verzauberte Nadel in Stefans Tasche. Bevor sie ins Bett gingen, fragte er:
Schaffst du es wirklich allein? Soll ich noch bei dir bleiben?
Ich komme klar.
Lena ging es besser, doch sie spürte, dass das Gift noch in ihr war. Der Tee half aber es war ein Wettlauf gegen die Zeit.
Als Stefan von der Arbeit zurückkam, fragte sie sofort:
Wie war dein Tag?
Alles gut. Warum fragst du?
Lena dachte schon, der Fluchgeber hätte sich noch nicht verraten, als Stefan hinzufügte:
Stell dir vor, heute hat mir Eva aus der Nachbarabteilung helfen wollen, als ich meine Schlüssel suchte. Sie griff in meine Tasche und stach sich an einer Nadel. Woher kam die überhaupt? Sie sah mich an, als könnte sie mich mit ihrem Blick töten.
Lenas Herz begann zu rasen.
War sie auf deiner Geburtstagsfeier?
Ja, sie ist eine gute Kollegin, aber mehr nicht.
Da fiel es Lena wie Schuppen von den Augen. Jetzt wusste sie, wie die rostige Nadel in ihre Handtasche gekommen war.
In der Nacht erschien die Großmutter wieder. Sie erklärte Lena, wie sie Eva das Böse zurückgeben konnte, das sie ihr geschickt hatte. Eva hatte versucht, sie mit Magie aus dem Weg zu räumen und würde es wieder tun, wenn sie nicht auf natürlichem Weg zum Ziel kam.
Lena tat, was die Großmutter gesagt hatte. Bald darauf erzählte Stefan, dass Eva im Krankenhaus lag die Ärzte wussten nicht, was mit ihr los war.
Am Wochenende bat Lena Stefan, sie zu Großmutters Grab zu bringen. Sie kaufte Blumen, putzte den Grabstein und setzte sich auf die Bank.
Großmutter, verzeih, dass ich so lange nicht hier war. Ich dachte, meine Eltern besuchen dich einmal im Jahr das reicht. Aber ich hatte unrecht. Nun komme ich auch. Ohne dich wäre ich nicht mehr hier.
Da spürte Lena, als legte jemand eine Hand auf ihre Schulter. Sie drehte sich um doch da war niemand. Nur ein leichter Windhauch




