Du bist nicht wirklich mein Mann, Vasili! Als die alte Frau am Bett ihres Mannes saß und seinen fi…

Du, ich muss dir eine Geschichte erzählen, so wie ich sie meiner besten Freundin erzählen würde, weißt du? Stell dir vor, irgendwo im kleinen hessischen Dorf, sitzt eine ältere Frau nennen wir sie Gertrud am Bett ihres Mannes Hermann und tupft seinem heißen Stirn mit einem feuchten Lappen.

Hermann, sagt sie auf einmal ganz leise, ich wollte dir immer was gestehen, hab mich aber nie getraut. Weißt du, ich hab dich damals angeschwindelt… Du bist eigentlich gar nicht mein richtiger Ehemann!

Hermann öffnet die Augen und schaut sie total verdattert an. Lass mich bitte ausreden, fährt Gertrud fort, nicht, dass wir uns nachher doch verabschieden und ich habs dir nie gesagt. Erinnerst du dich noch, wie du nach dem Krieg zufällig zu uns ins Dorf gekommen bist? Ich war völlig baff und hab mich direkt an deinen Hals geworfen du sahst meinem Mann so ähnlich! Es gab eine Todesnachricht über ihn, und als du dann lebendig hier aufgetaucht bist, dachte ich, die haben sich vertan und er ist zurück.

Ich bin dir damals auf den Hals gefallen und hab gleich gemerkt, dass du nicht er bist. Mir war das so peinlich! Hab mich tausend Mal entschuldigt. Du hast dann trotzdem im Schuppen übernachten dürfen.

Am nächsten Morgen wolltest du die Schuppentür reparieren, und plötzlich fiel dir so ein Balken auf den Kopf! Ich dachte schon, jetzt muss ich dich auch noch beerdigen, doch dann hab ich gesehen, du atmest also bleibst du am Leben. Der Arzt kam, hat gemeint, du wärst ein zäher Bursche, hättest nur ein bisschen dein Gedächtnis verloren. Ich hab dann behauptet, du wärst mein Mann, weil du so ein starker Kerl bist und alleine mit zwei Kindern nach dem Krieg hätte ich das nicht geschafft.

Du hast mir das geglaubt, und meine Schuldgefühle blieben, aber wir sind zusammengewachsen und wollten nichts mehr ändern. Erst jetzt gestehe ich, dass ich alles für uns entschieden habe. Vielleicht hätte dein Leben anders aussehen können

Hermann schaut Gertrud schweigend an und fängt plötzlich an zu lachen. Du bist eine richtige alte Tölpelin! Was soll ich denn mit einem anderen Leben? Ich hab dich doch immer geliebt. Es stimmt, ich bin damals zufällig ins Dorf gekommen. Und als ich dich sah, war ich direkt hin und weg, wusste aber nicht, wie ich dich ansprechen sollte. Hab gedacht, ich helfe ein bisschen auf dem Hof, vielleicht fällts dir auf und du schmeißt mich nicht raus. Dann knallte der Balken auf den Kopf, alles wurde dunkel. Bin aufgewacht, der Arzt war da und du hast dich um mich gekümmert. Ich hab ihn gebeten, ein bisschen zu schwindeln und dir was von Amnesie zu erzählen, damit ich bei euch bleiben kann. Du hast mich gleich für deinen Mann gehalten, und ich brauchte nichts mehr erklären.

Gertrud schmunzelt und meint: Du Schlitzohr, warum hast dus nicht früher gesagt? Wir hätten wenigstens gemeinsam gelacht.

Ich wollte, aber irgendwie kam immer was dazwischen. Erst die Großen aufgezogen, dann noch drei Kinder mit dir bekommen Na ja, so haben wir unser Leben gelebt, mit all unseren geheimen Geschichten, die eigentlich gar nicht geheim waren.

Gertrud seufzt: Jetzt ist wenigstens endlich alles raus. Sonst hätten wir die Schutzengel noch mit unseren Geschichten zum Lachen gebracht. Aber, Hermann, bitte stirb mir nicht weg. Lass mich nicht allein, ich schaff das ohne dich nicht.

Ach, sei nicht so weinerlich! Alles wird gut, beruhigt er sie, hör auf, bei mir zu sitzen und leg dich schlafen. Der Morgen ist klüger als der Abend.

Sie gehen ins Bett, doch Gertrud schläft unruhig. Die Sorgen um Hermann lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Am nächsten Morgen ist sie schon vor Sonnenaufgang wach das Bett ist leer. Das Herz schlägt schneller vor Angst. Sie schaut aus dem Fenster, und da sitzt Hermann auf der Stufe, raucht sein Pfeifchen ganz gemütlich.

Gertrud atmet erleichtert auf. Diesmal ist der Tod an ihnen vorbeigegangen ein bisschen mehr Zeit haben sie noch, um gemeinsam vor sich hin zu knarzen und das Leben zu genießen.

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Homy
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Du bist nicht wirklich mein Mann, Vasili! Als die alte Frau am Bett ihres Mannes saß und seinen fi…
Der Sohn rief ihn an und berichtete, dass seine kranke Ehefrau ihn verlassen und mit ihren Freundinnen in einen Club gegangen sei