Acht Jahre habe ich meine Enkel gehütet – keinen Cent dafür bekommen… und gestern sagten sie, sie mö…

Ich habe meine Enkelkinder acht Jahre lang betreut, ohne einen einzigen Cent zu bekommen und gestern sagten sie mir, sie würden die andere Oma bevorzugen, weil sie nicht schimpft und ihnen Tablets schenkt.

Ich bin die Oma der warmen Suppe.
Die Oma, die sie morgens zur Schule bringt, ihnen die Nase putzt, kocht, wäscht, bügelt, Schulranzen schleppt, hinter ihnen das Licht ausschaltet und sie ins Bett bringt, wenn ihre Eltern wieder mal spät dran sind.

Die andere Oma ist die Elegante.
Die, die ab und zu auftaucht mit Blumensträußen, Parfüm, schicken Geschenken, mit großer Überraschung.
Sie weiß nicht, wie es ist, nachts mit einem fiebernden Kind zu sitzen.
Aber sie weiß genau, wie man das neueste Tablet besorgt.

Gestern sagten meine Enkelkinder, sie wünschten, ich wäre wie sie.
Und zum ersten Mal in meinem Leben wusste ich, wie es ist, wenn die eigene Arbeit unsichtbar bleibt.

Ich bin Oma Brigitte. 62 Jahre alt.
Ich habe eine Tochter Claudia,
und zwei Enkelkinder Emil (8) und Greta (6).

Claudia arbeitet. Ihr Mann Jakob auch.
Und da kein Geld für eine Tagesmutter da ist und sie den Kitas nicht trauen, war für sie völlig klar, dass ich, die Rentnerin, den Rest meines Lebens damit verbringe, ihre Kinder zu betreuen.

Und ich habe es getan.
Bewusst.
Mit Liebe.
Mit Hingabe.

Ich stehe um 5:30 Uhr auf.
Um 6:30 Uhr bin ich schon bei ihnen.

Ich bereite Frühstück zu.
Sammle Sockenstapel ein, suche verschwundene T-Shirts, ziehe die Kinder an, binde Schnürsenkel, schleppe Schulranzen und fahre sie zur Schule.

Danach putzen, aufräumen, kochen, Wäsche waschen.
Am Nachmittag hole ich sie wieder ab.
Hausaufgaben, Mittagsschlaf, Suppe Disziplin.

Ich bin die Oma der Prinzipien.
Die Oma mit klaren Regeln.
Die Oma, die sagt:
Keine Süßigkeiten vor dem Abendessen,
Hände waschen,
Weniger Tablet,
Und jetzt die Hausaufgaben.

Heißt also: die langweilige Oma.

Und dann ist da noch Ursula Jakobs Mutter.

Ursula arbeitet schon seit Jahren nicht mehr.
Sie hat Geld. Viel.
Frau mit Maniküre, Friseurbesuchen, schicker Ausgehgarderobe, und Kurztrips nach Italien und Frankreich.

Ursula hat niemals nachts um drei Tee gekocht, weil das Kind hustet.
Sie hat nie nach verschwundenen Socken gesucht.
Nie Erbrochenes vom Teppich entfernt.
Nie mit dem Löffel durch die Wohnung gejagt.

Ursula ist der Gaststar.
Sie taucht zweimal im Jahr auf zu Weihnachten und zum Geburtstag
mit Geschenken, Pralinen und… jeweils dem neuesten Technik-Gadget.

Die Kinder verehren sie.
So wie alle Kinder sich nach der sehnen, die keine Grenzen setzt.

Gestern war Emils Geburtstag.

Ich bin um fünf Uhr früh aufgestanden, um seinen Lieblingskuchen zu backen.
Mit Eierlikör, mit Puddingcreme, mit Walnüssen genau so, wie er es mag.

Ich habe ihm ein schönes Buch gekauft und einen warmen Pullover so viel, wie meine Rente eben hergibt.

Gegen vier Uhr nachmittags kam Ursula.

Mit frischer Frisur, Parfüm und glänzender Handtasche.
Sie trat ein wie eine Fernsehmoderatorin.

Meine Süßen!, rief sie.

Emil und Greta empfingen sie wie ein Filmstar.
Sie rannten an mir vorbei, als sei ich die Topfpflanze im Eck.

Ursula zog zwei große weiße Schachteln hervor.
Zwei neue Tablets.

Damit es euch nie langweilig wird, sagte sie. Und heute darf niemand sagen, wann ihr aufhören müsst zu spielen!

Die Kinder quietschten vor Glück.

Claudia und Jakob strahlten:

Super, Mama! Du bist der Hammer! Danke!

Ich stand in der Küche und schnitt den Kuchen an.
Den, für den ich bei Dunkelheit aufgestanden war.
Den, den niemand eines Blickes würdigte.

Ich ging zu Emil.

Emil, Schatz, hier das Geschenk von mir. Und der Kuchen

Er sah nicht auf.

Jetzt nicht, Oma. Ich richte meinen Avatar ein.

Aber, Schatz

Oma! Immer nur Kuchen! Die andere Oma bringt richtige Geschenke! Immer nur Bücher und Klamotten. Langweilig.

Solchen Schmerz…
Ich wünsche ihn niemandem.

Ich sah zu Claudia.
Ich hoffte, wenigstens sie würde sagen: So redet man nicht mit Oma!

Und sie?

Sie lachte.

Ach Mama, lass doch. Die Kinder mögen eben Neues. Ursula ist die coole Oma. Und du bist… die Oma für die Alltagsdinge.

Die Oma für die Routine.
So nennt man also Fürsorge?

Greta setzte noch einen drauf:

Ich wünschte, Oma Uschi würde hier wohnen. Sie schimpft nie. Du bist halt immer müde.

Ich sah meine Hände an rau von Spülmittel, Waschmaschine, Putzarbeiten.

Ich sah Ursula an frisch, zwei Tablets in der Tasche, eine Göttin für einen Tag.

Ich sah meine Tochter entspannt mit einem Glas Wein, weil ich da war, um alles zu erledigen.

Ich legte die Schürze ab.
Faltete sie sorgfältig.
Ließ sie auf der Arbeitsplatte liegen.

Ich ging ins Wohnzimmer.

Claudia, ich gehe jetzt.

Wie bitte!? Und der Kuchen? Wer räumt denn hier auf!?

Soll die coole Oma nicht mit anpacken?

Ursula lächelte gespielt:

Brigittchen, ich hab Bandscheibenvorfall…

Mach dir keine Sorgen. Ich werde dich sicher nicht bitten, deinen Hosenanzug schmutzig zu machen.

Ich sah Claudia an:

Die Kinder haben recht. Ich bin wohl die langweilige Oma. Die Strenge. Diejenige mit Regeln und gesunder Ernährung.
Vielleicht brauchen sie wirklich mehr Freiheit.
Deshalb ab morgen bin ich raus.

Mama, wie kannst du nur!? Wer bringt sie denn morgen zur Schule!?

Weiß ich nicht. Vielleicht Ursula. Oder… verkauft doch ein Tablet und bezahlt damit eine Tagesmutter.

Wir brauchen dich!

Nein. Ihr braucht eine Dienerin. Aber das bin ich nicht.

Ich sah Emil an.

Oma… kommst du nicht mehr?

Nein, mein Schatz. Morgen wirds spannend.
Keiner, der auf Gemüse besteht, Hausaufgaben oder Zubettgehen.
Freiheit.

Und ich ging.

Das Handy klingelt unaufhörlich.
Claudia weint.
Jakob meint, ich würde übertreiben.

Aber ich werde nicht zurückgehen.

Morgen stehe ich um neun auf.
Mache mir einen Kaffee nur für mich.
Esse meinen Kuchen.
Und schaue mir eine Serie an.

Zum ersten Mal seit Jahren bin ich die Hauptdarstellerin meines eigenen Lebens.

Was meinen Sie sind Omas verpflichtet, ihre Enkel zu betreuen?

Oder werden sie von den Kindern nur ausgenutzt, damit Kosten gespart werden?

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Homy
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