„Fräulein, Sie verstehen nicht… Dieser Hund ist ein echtes Problem. Er ist wild und bellt ständig …

Fräulein, Sie verstehen nicht Dieser Hund ist wirklich ein Problemfall. Er ist wild und bellt ständig die Menschen an.

An einem regnerischen Nachmittag rollte ein Mädchen im Rollstuhl zum Tierheim am Stadtrand von München. Sie hatte sich schon lange einen Hund gewünscht nicht nur einen zum Spielen und Spazierengehen, sondern einen echten Gefährten, der ihr Halt geben konnte.

Die Räder ihres Rollstuhls quietschten leise auf den Fliesen, während sie durch den Flur fuhr, der von den Stimmen und Bewegungen unzähliger Hunde erfüllt war.

Die Tiere bellten, jaulten, wedelten aufgeregt mit den Schwänzen oder pressten ihre Nasen an das Gitter ihrer Zwinger. Einige sprangen hoch vor Freude, andere blieben misstrauisch am hintersten Ende des Käfigs sitzen. Sie hielt an jedem Zwinger inne, schaute in die Augen der Hunde, doch keiner berührte ihr Herz.

Sie war schon kurz davor zu gehen, als ihr Blick in die finstere Ecke des Raumes fiel. Dort lag ein Deutscher Schäferhund im Schatten.

Er zeigte keine Freude, bellte nicht, beachtete niemanden. Groß, kräftig, mit klugen Augen, die wie nachdenklich ins Leere blickten, wirkte der Hund, als habe er sich längst vom Trubel ringsum abgewandt.

Den möchte ich, sagte sie plötzlich mit unerwartetem Nachdruck und zeigte auf den Schäferhund.

Der Tierheimmitarbeiter hob erstaunt die Augenbrauen.

Fräulein, Sie verstehen nicht Dieser Hund ist wirklich ein Problemfall. Er ist wild und bellt ständig die Menschen an. Uns ist keiner mit ihm klargekommen. Hatten sogar schon überlegt, ihn einschläfern zu lassen.

Doch das Mädchen lächelte nur ruhig und schüttelte den Kopf.

Das macht nichts. Jeder hat doch seine Schwächen, meinte sie, und deutete auf ihren Rollstuhl. Ich möchte ihn näher kennenlernen. Sehen Sie sich diesen Blick an.

Der Mitarbeiter seufzte tief.

Wie Sie wünschen, murmelte er. Aber seien Sie gewarnt das kann böse enden.

Als die Zwingertür geöffnet wurde und man den Schäferhund zu ihr brachte, hielt im Tierheim auf einmal jeder die Luft an. Das Personal erstarrte, die anderen Besucher wichen zurück. Alle rechneten damit, dass der Hund auf sie losgehen würde vielleicht beißen, vielleicht knurren, und dass alles schlimm enden könnte.

Der Schäferhund blieb angespannt stehen, die Ohren gespitzt, seinen Blick fest auf das Mädchen im Rollstuhl gerichtet. Die Sekunden verstrichen wie ein zäher Kaugummi. Plötzlich bellte er laut und näherte sich mit festen, aber langsamen Schritten. Das Bellen hallte von den Wänden wider, einige der Umstehenden schlugen erschrocken die Hände vors Gesicht.

Doch dann geschah etwas völlig Unerwartetes.

Der Hund kam näher vorsichtig, einen Schritt nach dem anderen. Das Mädchen bewegte sich nicht; sie lächelte nur, sah ihm ruhig in die Augen.

Und unter dem erstaunten Murmeln der Zuschauer legte der Schäferhund sich plötzlich direkt vor ihre Füße, schnupperte an den Rädern ihres Rollstuhls, an ihren Knien, und legte sich dann zu ihren Beinen, die Augen geschlossen.

Das Mädchen wagte kaum zu atmen. Sie streckte die Hand nach ihm aus aber der Hund zuckte nicht zurück, schnappte nicht, sondern ließ sich sanft von ihr streicheln. Schließlich stieß auch er einen tiefen Seufzer aus und schlief ein, eingerollt zu ihren Füßen.

Im Flur herrschte Totenstille. Viele konnten ihren Augen kaum trauen. Jemand flüsterte:

So was gabs hier noch nie Dieser Hund hat alle gebissen und niemandem vertraut.

Das Mädchen beugte sich nach vorn und sagte leise:

Jetzt gehörst du zu mir. Wir gehören zusammen.

Und tatsächlich: An diesem Tag verließen sowohl das Mädchen als auch der wilde Schäferhund, den hier jeder für gefährlich gehalten hatte, gemeinsam das Tierheim.

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Homy
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