Dienstagabend auf dem Heimweg von der Arbeit habe ich ihn mitgenommen – er lag zitternd, durchnässt …

Ich nahm ihn am Dienstagabend auf, als ich von der Arbeit nach Hause kam. Er lag neben der Mülltonne nass, abgemagert, zitternd. Ich konnte ihn einfach nicht dortlassen. Ich hockte mich hin, sprach ruhig auf ihn ein, und er wedelte schwach mit dem Schwanz, als wollte er um eine Chance bitten. Ich hob ihn hoch, trug ihn nach Hause und trocknete ihn mit einem alten Handtuch ab. Niemals hätte ich erwartet, was für einen Wirbel das auslösen würde.

Schon am nächsten Morgen fingen die Kommentare an. Eine Nachbarin meinte zu mir:
Hoffentlich ist der Hund nicht aggressiv.
Eine andere warf in den Flur: Die Leute nehmen mittlerweile alles mit nach Hause.

Am schlimmsten aber war es, als der Hausmeister an meine Tür klopfte und mir eröffnete, dass sich mehrere Nachbarn Sorgen machten, der Hund würde das Gesamtbild des Hauses stören. Ich lachte vor Wut. Gesamtbild? Das war ein Lebewesen, kein Möbelstück.

Später kam ein Nachbar vorbei und meinte: Kein Wunder, dass die Gegend immer schlimmer aussieht.
Zwei andere beschwerten sich, weil der Hund einmal bellte als ein Motorrad zu nah vorbeifuhr. Immer wenn ich mit ihm Gassi ging, wurden die Fenster zugeschlagen, als ob ich eine Krankheit herumschleppen würde.

Eines Tages, während ich ihn ausführte, kam eine Frau auf mich zu und sagte, der Hund würde Ungeziefer bringen und ich solle ihn lieber dorthin zurückbringen, wo er herkommt. Ich fragte sie, was sie denn damit meine, aber sie zuckte nur die Schultern, als ob das Leben eines Tieres bloß eine lästige Angelegenheit sei, die beseitigt werden muss.

Es wurde schlimmer, als plötzlich anonyme Zettel an meiner Tür hingen:
So ein Hund gehört hier nicht hin.
Denk doch mal an die anderen.
Das ist eine ruhige Nachbarschaft.
Sogar, dass ich das Haus zum Tierheim machen wolle, wurde behauptet.

Dabei störte der Hund niemanden. Er fraß, schlief und sah mich mit diesen dankbaren Augen an, die sonst niemand beachtete. Ich brachte ihn zum Tierarzt, badete und fütterte ihn. Jeden Tag wurde er schöner, kräftiger, gelassener. Doch die Leute machten aus mir nach wie vor den Bösewicht der Siedlung.

Ein Nachbar ging sogar so weit, allen zu erzählen, ich würde mit dem Hund die Ruhe des Hauses stören. Interessanterweise, als er meine Tochter sah, wie sie mit dem Hund spielte, sagte er plötzlich: Ach so, na dann ist es ja in Ordnung.
Da wurde mir klar: Das Problem war nie der Hund. Das Problem waren die Menschen, die glauben, dass alles, was nicht in ihr Bild von Perfektion passt, verschwinden muss. Doppelmoral in ihrer reinsten Form.

Heute lebt der Hund noch immer bei mir. Er heißt Koko. Mittlerweile ist er rund, seine Augen glänzen und er schläft endlich ohne Angst. Die Nachbarn sagen nichts mehr, aber ihre finsteren Blicke begleiten uns nach wie vor.

Doch ich bleibe standhaft:
Ich ertrage lieber täglich ihre schiefen Gesichter, als ein unschuldiges Tier auf der Straße sterben zu lassen.

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Homy
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