„Wie soll ich jetzt ohne dich leben? Was soll ich tun? Wofür soll ich weiterleben? – Tränen liefen ü…

Wie soll ich jetzt ohne dich leben? Was soll ich tun? Wozu überhaupt weitermachen? Tränen liefen mir über die Wangen, und in meiner Seele herrschte Leere. Da, wo einst mein Herz war, klaffte nun ein schwarzes Loch.

Johannes war schon seit Schulzeiten in Annemarie verliebt. Klein, zierlich, mit einem Hauch Sommersprossen auf der Nase. So sah er sie das erste Mal damals in der sechsten Klasse und verliebte sich sofort unsterblich in sie.

Annemarie war drei Jahre jünger als er. Sie war eine hervorragende Schülerin, immer die Beste in der Klasse, dazu bescheiden und etwas schüchtern.

Von Jahr zu Jahr fühlte sich Johannes mehr zu ihr hingezogen. In den Pausen beobachtete er sie oft heimlich, wenn sie mit ihren Freundinnen im Schulhof Seil sprang leicht wie ein bunter Schmetterling. Er träumte davon, sie eines Tages zu heiraten.

Als er aus der Bundeswehr zurückkehrte, ging er direkt zu Annemarie, Blumen im Arm, und bat um ihre Hand.

Annemaries Vater war ein ernster, strenger Mann. Er sprach lange und ernst mit Johannes im Wohnzimmer, bevor er ihm, mit einem Lächeln, Annemaries Hand gab.

Die Hochzeit feierten sie ausgelassen und mit vielen Gästen. Es reisten sogar entferntere Verwandte an. Drei Tage lang wurde dem jungen Paar gratuliert. Annemaries Augen strahlten vor Glück, und Johannes war mächtig stolz. Er wusste, dass er die beste Frau im ganzen Dorf geheiratet hatte.

Mit Hilfe seiner Eltern schaffte es Johannes, nach zwei Jahren ein eigenes Haus zu bauen. Annemarie schwebte vor Glück drei Monate vor der Geburt ihres ersten Kindes konnten sie endlich einziehen.

Sie bekamen eine Tochter, die sie Helene nannten, nach Annemaries Großmutter. Das Mädchen war kräftig und gesund, doch die Geburt war für Annemarie eine große Belastung.

Ein ganzes Jahr lang wirkte Annemarie nach der Geburt blass und erschöpft. Johannes fuhr mit ihr von Arzt zu Arzt, doch alle zuckten nur die Schultern und sagten, es brauche eben Zeit, bis sie wieder zu Kräften käme.

Als die Tochter anderthalb Jahre alt war, erfuhr Annemarie, dass sie wieder schwanger war. Die Ärzte rieten ihr zum Abbruch: Ihr Körper sei noch zu schwach, die Schwangerschaft könne für sie und das Kind gefährlich werden.

Johannes bat Annemarie inständig, auch gemeinsam mit den Ärzten, aber sie blieb fest entschlossen.

Ich werde mein Kind nicht hergeben! Es kann doch nichts dafür. Was kommt, das kommt. sagte Annemarie. Alles liegt in Gottes Hand!

Der letzte Monat der Schwangerschaft war besonders schwer. Annemarie lag im Krankenhaus, und zu Hause warteten die kleine Tochter und ein Mann, der seine Frau schmerzlich vermisste.

Er ahnte das Unheil. Und seine Befürchtungen trafen ein. Diesmal überstand Annemarie die Geburt nicht ihr Herz blieb stehen. Doch es kamen zwei wunderschöne Zwillingsmädchen zur Welt.

Johannes war vor Kummer kaum mehr zu trösten. Auf dem Friedhof stand er vor dem frischen Grab, den Blick leer und verzweifelt auf die schwarze Erde gerichtet.

Vor seinem inneren Auge lief das Leben mit Annemarie vorbei: die glücklichen Tage, ihr Lächeln, ihr fröhliches Lachen, das noch in seinen Ohren klang. Johannes sank auf die Knie und weinte wie ein verletztes Tier.

Wie soll ich dich je ersetzen? Was tue ich jetzt ohne dich? Was ist der Sinn meines Lebens noch? Tränen strömten ihm die Wangen hinunter, die Seele wie ausgelöscht anstelle des Herzens war da nur noch ein schwarzes Loch.

Nach der Beerdigung konnte er den Schmerz nicht betäuben. Tagelang trank er, um zu vergessen, um Annemaries Stimme und ihr Lachen nicht mehr in seinem Kopf zu hören.

Annemaries Eltern nahmen die Kinder an sich. Sie glaubten nicht, dass Johannes an seinem Kummer genesen würde und der Vater sein könnte, den die Mädchen brauchten.

Am vierzigsten Tag nach Annemaries Tod trank Johannes wieder zu viel und schlief im Flur ein. Im Traum erschien Annemarie sie kam ins Haus, in einem weißen Sommerkleid, die offenen, rotblonden Locken glänzten im Sonnenlicht.

Sie trat zu ihm, streichelte zärtlich über seinen Kopf und sagte sanft, wie früher:

Johannes, mein Lieber, was machst du nur? Ist dir das nicht peinlich? Sie blinzelte mit ihren grünen Augen und drohte neckisch mit dem Finger.

Die Mädchen sehen ihren Vater kaum noch, sie vermissen dich. Sie brauchen dich, genau wie du mich gebraucht hast. Wenn du mich noch liebst, dann lass unsere Töchter nicht allein. Schenke ihnen dieselbe Liebe, die du für mich hattest.

Johannes erwachte, der Nebel im Kopf war verschwunden, und die Sonnenstrahlen wärmten sein Gesicht.

Sobald die Sonne aufging, ging Johannes, frisch rasiert und ordentlich gekleidet, zu Annemaries Eltern. Ernst und gefasst küsste er seiner Schwiegermutter die Hand, umarmte den Schwiegervater fest, nahm die Mädchen zu sich und brachte sie nach Hause.

Von da an lebten sie zu viert. Johannes wurde Mutter und Vater zugleich, kochte, wusch, stopfte Socken.

Und die Zöpfe der Mädchen flocht er bald besser als jede Mutter. In der Schule wurden die Schwestern für ihr gutes Benehmen und ihre Leistungen gelobt.

Und wenn jemand seine Töchter kränkte, stand Johannes wie ein Habicht zu ihrer Verteidigung bereit.

Die Nachbarn fragten oft:

Johannes, warum heiratest du nicht noch einmal? Du bist ein junger, ansehnlicher Mann und gesund. So viele Frauen werfen dir Blicke zu.

Er lächelte verwundert und antwortete:

Ich bin schon verheiratet.

Schaut ich habe schon drei Bräute zu Haus, soll ich da noch eine weitere holen? Vier Frauen schaffe ich nicht

So, mit Witzen, schlaflosen Nächten, wenig Essen und viel Arbeit, zog Johannes seine drei Töchter groß und sie wurden wunderschöne, kluge Frauen.

Als die Mädchen in die höheren Klassen kamen, begann eine Nachbarin bei Johannes häufiger zu Besuch zu kommen. Mal brachte sie getrocknete Pilze, mal Matjes. Es war klar, dass sie mehr wollte.

Johannes merkte, dass sie nicht locker lassen würde, wollte sie aber auch nicht vor den Kopf stoßen. Da bat er sie eines Abends zu sich und fragte:

Welche von meinen Töchtern magst du eigentlich am meisten?

Sie erwiderte:

Ach, deine Töchter interessieren mich kaum! Sie werden doch bald ausziehen. Willst du denn dein Leben lang allein bleiben? Ich liebe dich, nicht deine Töchter!

Johannes sah sie an und reichte ihr ein Foto:

Hier hast du mein Bild dann kannst du mich zu Hause liebhaben, so viel du magst.

So ging die Nachbarin enttäuscht mit dem Porträt nach Hause.

Die Töchter wuchsen heran, machten Abitur und gingen nach Leipzig oder München zum Studium, doch sie vergaßen ihren Vater nie. An den Wochenenden kamen sie zu dritt aufs Land, halfen im Haushalt und im Garten.

Später gab Johannes jede seiner Töchter einzeln in die Ehe, sprach mit jedem Schwiegersohn, wie einst sein eigener Schwiegervater mit ihm. Er wünschte seinen drei Prinzessinnen immer nur Glück.

Nun sind seine Mädchen längst erwachsen. Jede hat ihre eigene Familie, Kinder, ihr eigenes Leben. Aber ihren Vater vergisst keine von ihnen.

Ob Wochenende oder Feiertag immer kommt die ganze Familie zu Besuch zu Johannes ins Heimatdorf. Die Töchter, die Enkel, ja sogar ein Urenkel, alle lieben ihn.

Als Johannes seinen 81. Geburtstag feierte, träumte er wieder. Da steht er auf einer Wiese, jung und stark, mit breiten Schultern, schwarzem Haar. Und Annemarie läuft ihm entgegen! Im weißen Kleid, barfuß, in ihrem Haar sonnenhelle Strahlen.

Weit breitet er die Arme aus, sein Herz pocht laut und heftig in der Brust. Sie erreichen einander, umarmen sich, Annemarie sieht ihn mit ihren glühenden Augen an und sagt leise:

Johannes, mein Schatz, wie tapfer du warst! Du hast unseren Mädchen ein wunderschönes Leben ermöglicht. Ich habe alles gesehen, jeden Tag für dich gebetet sagte sie und nahm ihn sanft an der Hand.

Komm. Jetzt bleiben wir für immer zusammen.

Hand in Hand gingen sie über die grüne, dichte Wiese davon.

Zur Beerdigung von Johannes kam die ganze Familie zusammen. Die Töchter trauerten, der Abschied fiel schwer, aber jede wusste: Nun ist er bei der, die er sein Leben lang geliebt hat.

Diese Geschichte ist das wahre Schicksal eines guten Mannes. Ein Vater mit Herz und Stärke! Ich habe sie von meiner Großmutter gehört.

Alle im Dorf kannten ihn gut. So kommt es, dass ein Mann sein Leben nicht für sich, sondern für seine geliebten Töchter opfert. Möge er in Frieden ruhen!

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Homy
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„Wie soll ich jetzt ohne dich leben? Was soll ich tun? Wofür soll ich weiterleben? – Tränen liefen ü…
Der ausgeklügelte Plan des Sohnes — Oder wohin fährt Oma eigentlich? Als Dima seine Mutter fragte, als er sah, wie sein Vater der Schwiegermutter aus dem Taxi half und ihr Gepäck aus dem Kofferraum holte, antwortete sie: „Wenn du manchmal zuhören würdest, wüsstest du, dass deine Oma jetzt bei uns wohnt.“ „Wieso das denn?“, staunte Dima. „Weil sie alleine nicht mehr zurechtkommt, und wir sie nicht täglich besuchen können – außerdem bist du ja nie bereit, zu ihr zu fahren,“ erklärte Alexandra. „Ich arbeite immerhin!“, erwiderte Dima. „Genau deshalb ist sie jetzt bei uns!“ Dima, Einzelkind und stets verwöhnt, reimte sich zusammen: Omas Wohnung steht nun leer! Sicher würden die Eltern sie nicht vermieten, wenn ihr erwachsener Sohn eine eigene gebrauchen könnte. Er beschließt, die Wohnung zu bekommen – am besten als Geschenk… Doch für diesen Streich braucht er Lena, seine Freundin seit drei Jahren, auch wenn er nie Heiratspläne hatte. Sie wohnt selbst mit ihrer Oma. Private Zeit haben sie nur, wenn die Oma verreist oder zu Freunden geht. Dima lädt Lena nach Feierabend ausnahmsweise zum Spazieren ein – sie ist überrascht und hofft auf einen Antrag. Im Café fällt Dima endlich zur Sache: „Wir sind drei Jahre zusammen, soll’s wie bei Schülern ewig weitergehen? Lass uns heiraten!“ Lena meint, sie müsse überlegen, doch Dima drängt und plant schon die Weihnachts-Überraschung bei seinen Eltern. Später fliegt Lena vor Freude zu ihrer Oma, die sich wundert, was Dima denn plötzlich geritten hat. Dimas Eltern bleiben skeptisch und sehen keine große Liebe. Am Silvesterabend will Dima die gute Nachricht toppen: Er schlägt Lena vor, den Eltern eine Schwangerschaft vorzutäuschen, um sie zu begeistern – vor allem für das Geschenk, das er erhofft: Omas Wohnung. Beim Fest werden Lena und die Nachricht herzlich aufgenommen, und Dima rechnet mit dem Schlüssel zur Wohnung. Doch die Eltern überreichen statt dessen einen Umschlag mit Geld als Anzahlung für eine eigene Wohnung – sie haben Omas Wohnung bereits verkauft und erwarten von Dima, selbst Verantwortung zu übernehmen. Dima fühlt sich betrogen, rastet aus und bricht mit Familie und Freundin. Es bleibt Lenchen und ihrer Oma, gemeinsam den Schmerz zu verarbeiten. Die weise Oma tröstet sie: „Weine nicht, alles geht vorbei – halte an dir selbst fest, das Leben bringt neues Glück.“ Damit erkennt Lena, dass sie die toxische Beziehung hinter sich lassen kann – gerade rechtzeitig.