Eines Tages kehrte ein Mann nach Hause zurück und sagte: »Es tut mir leid. Ich habe mich in eine andere verliebt. Ich werde mich um die Jungen kümmern. Ich gehe jetzt. Vergib mir, wenn du kannst.«
Der Mann ließ Gisela mit den Kindern zurück und ging. Am nächsten Tag öffnete ihr die Erzählung der Nachbarin die Augen.
Gisela hatte spät geheiratet. Zuvor war sie auf ihr Studium konzentriert. Dann verschlang sie die Arbeit. Dort hatte sie ihn kennengelernt. Auf Dieter stieß sie, als sie sich zur Eile ins Büro hetzte. Sie berührte ihn versehentlich. Er verliebte sich sofort in Gisela. An jenem Abend, als sie nach der Arbeit ging, tauchte Dieter plötzlich auf. Er spannte einen Schirm über sie und überreichte ihr einen Blumenstrauß. So hatten sie sich kennengelernt. Blumen, Überraschungen, Geschenke. Ein halbes Jahr später heirateten sie. Ein Jahr darauf kam ihr erstes Kind zur Welt.
Während der Schwangerschaft hatte Gisela etwas zugenommen, doch das störte Dieter nicht. Später folgte der zweite Sohn. Gisela wurde noch runder. Sie kehrte nie zur Arbeit zurück, kümmerte sich um Haus und Söhne. Inzwischen hatte Dieter eine kleine Computerreparaturfirma. Gisela bemerkte nicht einmal, wie ihr Mann sich von der Familie entfernte. Dieses Jahr war besonders schwer. Dieter versank in der Arbeit, begann auf Geschäftsreisen zu gehen. Gisela wusste nicht, dass er gar nicht in andere Städte fuhr.
Eines Tages kam er nach Hause und sagte ruhig:
»Es tut mir leid. Ich liebe eine andere. Ich werde für die Jungen da sein. Ich gehe. Vergib mir, wenn du kannst.«
Gisela hatte nicht damit gerechnet. Erst am nächsten Tag erzählte die Nachbarin ihr, dass ihr Mann sie seit Langem betrog. Gisela war wie versteinert.
Acht Monate vergingen.
Eines Abends summte die Gegensprechanlage. Es war Dieter, er kam die Kinder besuchen. Gisela wechselte ein paar Worte mit ihm und ging in die Küche. Da klingelte ihr Telefon. Sie nahm ab und sagte:
»Hallo, ich dachte schon, du hättest uns vergessen.«
»Nein, wie könnte ich mein Glück vergessen. Morgen hole ich euch ab. Ich bin sicher, dir und den Kindern wird die neue Wohnung gefallen. Ich liebe dich.«
Gisela legte auf. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Frank hatte ihr einen Antrag gemacht sie würden zusammenziehen. Sie drehte sich um, um zu ihren Söhnen zu gehen. Dieter hatte alles gehört.
»Bin ich zu spät?«, fragte er und blickte auf den Boden.
»Ja!«, rief Gisela fröhlich.





