Alles muss gerecht geteilt werden: Wenn Haushaltsgeld, Benzin und Cremes plötzlich zum Streitpunkt w…

Alles muss gerecht geteilt werden

Lena, wir müssen mal über deine Ausgaben sprechen. Oder besser gesagt: darüber, wie verschwenderisch du bist.

Ich saß mit meiner Kaffeetasse halb erhoben am Küchentisch. Sieben Uhr morgens war es, ich war kaum richtig wach, da stand Florian schon im Türrahmen – mit einer Miene, als wäre er bereit, eine Anklage zu verlesen.

Was für Ausgaben? Und warum bin ich verschwenderisch? Ich nahm trotzdem einen Schluck Kaffee. Der schmeckte plötzlich nach nichts mehr.

Du gibst einfach viel zu viel für dich selbst aus. Jede Woche irgendwelche Tüten, Pakete. Mal ein Kleid, mal wieder eine Creme für achtzig Euro.

Ich stellte die Tasse bewusst langsam ab. Das saß. Ganz ohne Guten Morgen, meine Liebe. Einfach so serviert, vor Sonnenaufgang.

Die Creme hat vierzig Euro gekostet, wenn wir es genau nehmen. Und ich kaufe mir nicht jede Woche was, sondern vielleicht einmal alle zwei Monate.

Lena, wir haben einen gemeinsamen Haushalt.

Er sagte es im Tonfall eines Mathelehrers, der einem schlechten Schüler das kleine Einmaleins erklärt. Ich presste die Lippen aufeinander. Zählte innerlich bis fünf. Nutzte aber leider gar nichts.

Florian, möchtest du wirklich, dass ich aufzähle, wie viel du jeden Monat für dein Auto ausgibst?

Er runzelte die Stirn. Offensichtlich hatte er mit Gegenwehr nicht so früh gerechnet.

Das ist etwas anderes.
Klar, etwas anderes. Benzin, Waschanlage, Zusätze, Versicherung, TÜV alle zwei Jahre. In deinem schicken 5er-BMW bin ich übrigens noch kein einziges Mal selbst gefahren. Nicht mal auf dem Beifahrersitz.

Ich fahre damit zur Arbeit, verschränkte Florian die Arme. Das ist Arbeitsmittel.

Ich lachte. Nicht fröhlich, sondern nervös.

Arbeitsmittel? Ehrlich? Und wofür brauche ich wohl Kleidung und Kosmetik? Etwa zum Spaß? Ich sitze auch im Büro, habe Kundentermine. Soll ich da in ausgebeultem T-Shirt und mit spröden Lippen auftauchen?

Man könnte ja schon… sparsamer leben.

Aha. Ich nickte. Ich trage also drei Jahre lang das gleiche Blazer-Jäckchen zu jedem Meeting. Und du verkaufst dann den BMW und kaufst dir einen Dacia. Bringt dich schließlich auch zur Arbeit, oder?

Florian öffnete den Mund, schloss ihn wieder, rieb sich die Nasenwurzel.

Jetzt verdrehst du alles.

Nein, du verdrehst die Dinge. Deine Ausgaben sind Investitionen, meine sind Verschwendung. Praktische Rechnung.

Noch ein paar Sekunden stand er im Türrahmen, dann drehte er sich um und verließ die Küche. Kurz darauf hörte ich die Wohnungstür ins Schloss fallen.

Der Kaffee war endgültig kalt. Ich kippte ihn in die Spüle, lehnte die Stirn an die kühlen Fliesen.

So fängt der Tag ja toll an. Wirklich grandios…

Mittags in der Kantine, Vera verschluckte sich beinahe an ihrem Brotsalat, als ich erzählte.

Warte, das hat er direkt morgens gesagt? Ohne Vorwarnung?

Ich stocherte lustlos in meiner Frikadelle. Hunger hatte ich seit dem Aufstehen nicht mehr.

Ja, wirklich. Nicht mal in Ruhe meinen Kaffee austrinken durfte ich.

Klassiker. Vera lehnte sich zurück und verengte die Augen. Mein Ex kam auch mal auf so ‘ne Idee. Wir machen alles gerecht, jeder zahlt seinen Anteil, meinte er. Total modern.

Und?

Ich hab ihm freundlich vorgerechnet: Du isst doppelt so viel wie ich. Frühstück? Ich Joghurt, du vier Spiegeleier mit Speck. Mittagessen? Ich einen Salat, du zwei Hauptgänge. Also beim Essen zahlst du anteilig, mein Lieber.

Ich grinste. Vera hätte Anwältin werden müssen, ihre Argumente waren immer stichfest.

Und hat er gerechnet?

Oh ja. Zwei Tage mit dem Taschenrechner rumgelaufen, Kassenbons gesammelt. Dann war Funkstille. Einen Monat später waren wir getrennt.

Wegensowas?

Es war ein Symptom, zuckte Vera mit den Schultern und wandte sich wieder ihrem Salat zu. Wenn ein Mann anfängt, jede deiner Ausgaben zu zählen, ist er gedanklich schon woanders. Da passt du in seinem Weltbild nicht mehr richtig rein.

Ich schwieg. Ihre Worte trafen einen wunden Punkt.

Abends lief ich extra eine Haltestelle früher aus der U-Bahn, ging langsam durch die nassen Straßen. Es roch nach Asphalt, feuchtem Laub und ein wenig nach Abgasen. Ich zögerte, nach Hause zu gehen.

Die Wohnung empfing mich mit Stille. Florian war noch nicht da. Ich zog mich um, holte Hähnchen und Gemüse aus dem Kühlschrank, begann zu kochen. Meine Hände arbeiteten mechanisch: schneiden, salzen, anbraten. Der Kopf war leer, und das war überraschenderweise angenehm beruhigend.

Um acht kam Florian. Er steckte den Kopf in die Küche.

Hast heute nichts Unnötiges gekauft?

Ich drehte mich nicht mal um, rührte einfach weiter die Pfanne.

Nein. Gar nichts.

Er nickte, zog sich um. Ich deckte den Tisch. Zwei Teller, Salat, Hähnchen mit Gemüse. Alles wie immer, nur die Portionen waren etwas kleiner der Kühlschrank war sowieso ziemlich leer, und zum Einkaufen hatte ich heute bewusst keine Lust.

Wir setzten uns. Florian starrte auf sein Essen, dann auf mich.

Warum ist das so wenig?

Ich legte die Gabel beiseite, sah ihm ruhig in die Augen.

Du wolltest doch alles halbieren. Da hast du die Hälfte.

Er blinzelte, die Gabel in der Luft.

Wie meinst du das?

Ganz wörtlich. Ich habe das Essen zubereitet und gerecht in zwei Hälften geteilt. Das ist deine Portion. Mir reichts noch für Frühstück morgen. Keine Ahnung, was du morgens isst die Einkäufe sind jetzt ja auch halbe-halbe. Ist doch nur fair.

Florian legte seine Gabel weg. Die Stirn wurde rot, die Wangen zuckten.

Lena, das ist doch irgendwie… falsch.

Falsch? Ich hob die Augenbrauen, lehnte mich zurück. Was ist genau daran falsch? Du wolltest Ausgaben teilen ich teile.

Das habe ich so nicht gemeint!

Sondern was? Dass nur meine Ausgaben gestrichen werden, deine aber nicht?

Keine Antwort. Ich sah ihm an, wie er nach einer Rechtfertigung suchte und keine fand.

Übrigens, ich nahm einen Schluck Wasser, wie viel hast du heute fürs Benzin ausgegeben?

Was hat das damit zu tun?

Sag einfach.

Er zögerte, überlegte.

Na ja… vielleicht um die fünfzehn Euro.

Dann gut. Ich stand auf. Eine Sekunde.

Ich ging in den Flur, öffnete seinen Jackenschrank, kramte im Portemonnaie. Kam zurück.

Was machst du da? Er hob sich halb vom Stuhl.

Ich nehme meinen Anteil.

Ganz ruhig zog ich einen Zehner und einen Fünfer aus seinem Geldbeutel, steckte sie in die Tasche meiner Hose. Florian starrte mich mit offenem Mund an.

Lena, du meinst das jetzt nicht ernst?!

Doch, volle Absicht. Ich legte sein Portemonnaie vor ihm auf den Tisch. Du gibst 15 Euro für Benzin aus, ich bekomme 15 Euro für meine Dinge. Alles fair, alles geteilt so, wie du es wolltest.

Das ist doch Unsinn!

Deine Idee, Florian. Ich setze sie nur konsequent um. Ich lächelte und setzte mich wieder. Vielleicht reichts bald für eine neue Bluse.

Er schwieg. Die Ader an seinem Hals pochte gefährlich, aber heraus kam kein Wort. Ich rupfte mein Hähnchen weiter auseinander.

Das Abendessen verlief in vollkommener Stille.

Die Woche zog sich wie Kaugummi. Jeden Abend kochte ich exakt für zwei, die Portionen exakt gleichmäßig. Florian beäugte sein Essen, dann mein Essen, zog grimmige Gesichter, blieb aber stumm. Morgens fragte ich, wie viel Benzin geplant war, abends holte ich meinen Anteil ab.

Mittwochs stieg er auf die U-Bahn um.

Freitags schlich er durchs Wohnzimmer wie ein hungriger Wolf.

Am Samstag lag in meinem eigenen Umschlag fast 200 Euro. Florian kaufte sich Snacks am Kiosk, das Essen von Zuhause reichte nicht. Aber ich wusste es ja längst Montagabend hatte ich all sein Bargeld gezählt. Halbe-halbe, so wie er wollte.

Samstag früh saß Florian mit einer Tasse Tee in der Küche, als ich reinkam. Die Schatten unter den Augen waren dunkel.

Lena… Er holte tief Luft, rieb sich den Nacken. Ich habe Mist gebaut. Es tut mir leid.

Ich goss mir Kaffee ein, setzte mich gegenüber, wärmte die Finger an der Tasse. Sagte nichts.

Das war einfach dumm. Er seufzte. Irgendwelche blöden Artikel gelesen, dann glaubte ich, das wäre eine gute Idee mit dem Haushaltsrechnen. Können wir das vergessen?

Von mir aus, sagte ich leicht, aber bedenke bitte: Ich habe noch gar nicht berechnet, was meine Hausarbeit wirklich wert ist.

Welche Arbeit?

Kochen, Putzen, Wäsche waschen, Bügeln… Wenn ich das alles nach Marktpreisen abrechnen würde, wärst du mir locker noch zweihundertfünfzig Euro schuldig. Mindestens.

Er verschluckte sich am Tee, hustete, schnappte nach einer Serviette.

Aber keine Sorge ich rechne das nicht auf, sagte ich mit einem Lächeln. Sofern du unsere Ehe nicht mehr wie eine Excel-Tabelle behandelst. Einverstanden?

Einverstanden, beeilte er sich zu versichern. Wirklich, nie wieder!

Sehr gut.

Ich griff nach dem Plätzchenteller. Florian sah mich an wie jemand, der gerade noch einer Katastrophe entkommen ist.

Ich dachte bei mir, dass manche Männerspinnereien einfach konsequent auf die Spitze getrieben werden müssen. Damit der Unsinn sich von selbst entlarvt und man das Ganze auch noch zu seinem Vorteil dreht. So einfach ist wahre Gerechtigkeit.

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Homy
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