Gina hatte fast die ganze Nacht kein Auge zugetan. Um zwei Uhr morgens boxte sie ihr Mann schmerzhaft in die Seite und brummte: “Hör auf zu schnarchen, du gehst mir auf die Nerven!” Dabei fing sie erst an zu schnarchen, wenn sie auf dem Rücken lag. Früher hatte Klaus sie sanft zur Seite gedreht. Doch jetzt stieß er sie nur noch unwirsch umher oder trat sogar nach ihr, bevor er selbst tief einschlief, während Gina Beruhigungsmittel nahm und bis zum Morgen wach lag.
Seit 27 Jahren waren die beiden verheiratet. Vor zwei Jahren hätten sie ihre Silberhochzeit feiern können wenn Klaus sich nicht einfach nicht daran erinnert hätte. Stattdessen kaufte er sich ein neues Auto und war ganz in sein neues Spielzeug vertieft. Den alten Wagen gab er an ihren Sohn weiter.
Die Familie hatte eigentlich für die Wohnung ihres Sohnes gespart, der eine Freundin hatte. Doch Vater und Sohn beschlossen kurzerhand, lieber ein Auto zu kaufen schließlich wurden die teurer, und der Sohn könnte ja erstmal im Kinderzimmer wohnen bleiben. Gina wurde nicht gefragt, ob sie einverstanden war, obwohl der Großteil des Geldes von ihr stammte sie verdiente schließlich mehr als Klaus.
Nach dem Autokauf begann sie, ihr eigenes Geld auf einem separaten Konto zu sparen. Klaus war zunächst beleidigt. Gina erklärte ihm trocken: “Ich vertraue dir nicht mehr. Wenn es nach dir geht, kaufen wir noch ein drittes Auto.” “Was soll ich denn sparen? Mein Gehalt ist doch schon knapp!”, maulte er.
Gina hatte studiert. Zusammen mit ihrer Freundin Beate war sie aus einem kleinen Dorf nach München gezogen, um Pädagogik zu studieren. Beide schafften es mühelos und machten ihren Abschluss. Beate arbeitete nur ein Jahr als Lehrerin, bevor sie eine Ausbildung zur Friseurin machte, bei einem bekannten Meister in Wien lernte und schließlich ihren eigenen Salon eröffnete.
Gina blieb länger im Schuldienst. Während einer Berufsorientierung für Abiturienten lernte sie Klaus kennen, der als Meister in einer technischen Schule arbeitete. Er war jung, groß, charismatisch und hatte einen trockenen Humor. “Ich hätte nie gedacht, dass man so etwas Alltägliches so spannend präsentieren kann”, sagte sie nach der Führung. Auch Klaus war von der jungen Lehrerin angetan, und ein halbes Jahr später heirateten sie. Die Hochzeit war bescheiden nur Ginas Eltern waren dabei.
Sie zogen zu Klauss Mutter, die eine Dreizimmerwohnung besaß. Klaus war ihr einziger Sohn; der Vater war früh gestorben. Später beschloss die Schwiegermutter, ihre Pflicht getan zu haben, und zog an die Ostsee, wo sie einen Witwer kennenlernte und heiratete. So blieb die Wohnung der jungen Familie ein Glücksfall.
Ginas Mutter hatte ihr von klein auf eingebläut, den Haushalt perfekt zu führen, ohne dass der Mann es merkte. “Männer mögen es nicht, wenn Frauen am Samstag putzen also erledige alles, bevor er heimkommt.” Also stand Gina um fünf Uhr morgens auf, kochte Frühstück und Abendessen, bügelte Hemden und korrigierte Schulhefte, während Klaus schlief.
Mit 24 bekam sie ihren Sohn Mark. Endlich musste sie nicht mehr zur Arbeit hetzen doch das Geld wurde knapp. Klauss Gehalt war mager, und die staatliche Unterstützung reichte kaum.
Eines Tages besuchte Beate sie und brachte Geschenke für den kleinen Mark. Gina bat sie um ein Darlehen bis zum nächsten Gehalt. Beate half aus, gab aber zu bedenken: “Hör mal, dein Sohn ist schon zehn Monate alt. Komm abends in meinen Salon ich habe eine hervorragende Nageldesignerin, Julia. Lern von ihr, und ich verlange keine Miete für den Behandlungsraum. Dein Mann kann ein paar Stunden auf das Kind aufpassen. Maniküre bringt gutes Geld Frauen kümmern sich immer um ihre Nägel.”
Gina lernte fleißig, erweiterte ihr Angebot um Pediküre und mietete sich schließlich einen kleinen Raum in der Nähe. Das Startgeld lieh sie sich von Beate. Jeden Abend arbeitete sie von 17 bis 22 Uhr, während Klaus sich um Mark kümmerte. Die Kundinnen kamen schnell viele Berufstätige schätzten die späten Termine. Zur Schule kehrte Gina nicht zurück.
Das Leben wurde besser. Klaus blieb in seinem Job. Sie kauften ein Auto, renovierten die Wohnung, machten Urlaub an der Adria. Gina fuhr nur dreimal mit im Sommer hatte sie besonders viele Kundinnen. Klaus schätzte sie nun mehr. “Du bist mein Goldstück”, sagte er liebevoll.
Sechs Jahre später kam Tochter Lena zur Welt. Gina wollte ihre Kundinnen nicht verlieren, also engagierte sie ein Kindermädchen und arbeitete nun nachmittags. Als Mark eingeschult wurde, war die Schule gleich um die




