Fünf Jahre war ich in dieser Beziehung – davon zwei Jahre verheiratet und drei Jahre zusammenlebend….

Ich war fünf Jahre in dieser Beziehung. Zwei Jahre davon waren wir verheiratet, drei Jahre haben wir zusammengewohnt. Während unserer Verlobungszeit führten wir eine klassische Fernbeziehung à la ICE und Stau auf der A3: Wir sahen uns vielleicht einmal alle drei Monate, und in einem Jahr sogar nur zwei Mal, weil sein Job einfach keine Gnade kannte. Damals kam mir das überhaupt nicht dramatisch vor im Gegenteil: Es war für mich wie die perfekte Romanze. Wir vermissten uns schrecklich, Tränen am Telefon, emotionale Kurzschlüsse bei WhatsApp und Videoanrufen, und ständig Herzchen-Emojis in Dauerschleife. Streit gabs nie weder war er eifersüchtig, noch ich. Wir haben das mit dem Privatsphäre respektieren fast olympisch betrieben. Er konnte ohne Drama mit seinen Kumpels Bier trinken gehen, ich auf eine Party, alles easy. Sogar beim Klamotten-Auswahl war er mit dabei, allerdings eher so: Anne, das Kleid sieht ein bisschen zu eng aus, zieh lieber das Grüne du siehst darin toll aus! Kontrollfreak? Fehlanzeige. Eher stolz auf mich und meinen Körper. Alles schien gesund, entspannt, eigentlich ziemlich bilderbuchmäßig.

Ein Dezember war dann besonders bitter wir wussten, dass wir uns weder zu Weihnachten noch zu Silvester in Köln oder München sehen können. Wir waren beide deprimiert und schickten melancholische Sprachnachrichten mit viel Seufzen. Dann plötzlich sein Vorschlag: Willst du nicht ganz zu mir nach Hamburg ziehen? Ich habe mit meinen Eltern gesprochen, alle dachten, das wäre okay wenn es mich glücklich macht. Also habe ich meine Stelle gekündigt und den Umzug gestartet.

Die ersten paar Monate liefen wirklich gut. Das erste Jahr war halt die klassische Phase: Kennenlernen der Marotten, wie man morgens drauf ist, wie man reagiert, wenn der Kaffee aus ist, was einen nervt solche Sachen eben. Da ich gerade arbeitslos war, kümmerte ich mich um die Wohnung. Alles lief leicht wie Berliner Luft.

Das zweite Jahr wurde sogar noch besser. Wir waren plötzlich ein richtiges Team und wie frisch Verliebte. Wir hingen ständig zusammen, sobald er nicht im Büro war. Von außen sah das alles aus wie Honeymoon, dabei waren wir ja schon länger verheiratet. Ich war mir so sicher: Alles richtig gemacht.

Und dann, im dritten Jahr, hat sich irgendwas verschoben. Er kam immer später nach Hause. Unsere Standorte waren eigentlich immer gegenseitig sichtbar, aber auf einmal hatte er seine Freigabe kurzerhand deaktiviert ohne ein Wort dazu. Die frühen Heimkehrzeiten wichen fünf oder sechs Uhr morgens, dabei musste er um acht spätestens am Schreibtisch sitzen. Er duschte, aß schnell ein Brötchen und war schon wieder weg. Null Erklärung, keine Story. Dafür täglich kleine Auseinandersetzungen.

Und dann der Knaller: Einmal fand ich Make-up-Spuren auf seinem weißen Hemd Make-up und Lippenstift, quer über den Kragen und den Ärmel. Kein süßes, kleines Fleckchen, sondern richtig offensichtlich. Nach einer lauwarmen Ausrede legte er nach: Weißt du, Anne, irgendwann musste ich mal nach draußen schauen, um das zu finden, was ich bei dir schon lange nicht mehr bekomme. Du bist irgendwie langweilig geworden, nur noch am Putzen und Sortieren. Bäm. Kein glasklares Ja zum Fremdgehen, aber er hats mehr als bestätigt, ohne es auszusprechen.

Danach war ich am Boden zerstört. Ich habe Rotz und Wasser geheult, hatte das Gefühl, mein Herz krampft wie ein abgelaufener Quark im Kühlschrank. Ich wusste weder vor noch zurück. Also habe ich beschlossen, für mich selbst aktiv zu werden: Zurück ins Fitnessstudio. Früher habe ich trainiert, aber irgendwie war das mit Beziehung und Arbeit hinten runtergefallen. Dort lernte ich einen netten Typen kennen. Wir kamen ins Gespräch. Eines Tages fragte er, ob wir nicht was trinken gehen wollen und ich war es sogar, die vorschlug, zu ihm nach Hause zu gehen. Er sagte Ja. Wir verabredeten uns für den Nachmittag, beide wussten, worauf das hinauslief.

Aber schon zu Hause, nach dem Training, nagte der Gedanke: Das kann doch nicht wahr sein. Ich will ihn betrügen. Und er hätte es sowas von verdient! Aber genauso blitzte es in mir auf: Ne, Anne. Du bist nicht wie er. Ich beschloss, einen Schlussstrich zu ziehen, bevor es zu spät wäre.

Ich wartete, bis mein Mann mittags auftauchte. Ich ließ ihn gar nicht erst ins Schlafzimmer. Wir saßen im Esszimmer, und ich erklärte ihm: Die Beziehung funktioniert nicht mehr, du hast mich betrogen, ich will auch gar nicht wissen, mit wem und seit wann. Ende der Diskussion. Auch wenn er alles herunterspielte Ach, diese Frau bedeutet doch nichts, das hat mit dir nichts zu tun, das kriegen wir wieder hin! blieb ich stur und habe gesagt, ich will nicht weitermachen.

Ich erzählte ihm nicht, dass ich wen anderes kennengelernt hatte, oder dass ich Lust auf Fremdgehen hatte. Ich sagte nur, ich gehe jetzt. Koffer waren längst gepackt. Er fragte, wohin ich wolle, ob ich jemanden dort hätte. Ich antwortete einfach, das sei egal, ich werde schon sehen, wies weitergeht.

Mit gepackten Koffern verließ ich die Wohnung und landete tatsächlich bei dem anderen Mann. Als er mich mit Gepäck sah, bekam er einen Schreck. Ich erklärte ihm die Situation: Habe gerade meinen Mann verlassen, und morgen fahre ich zurück nach Stuttgart, zu meinen Eltern. Ich wollte nur diese eine Nacht bei ihm bleiben. Er war einverstanden.

Es war die vielleicht intensivste Nacht meines Lebens. Keine Ahnung, ob es Wut, Schmerz oder eine Mischung aus beidem war aber es fühlte sich absolut anders an als alles mit meinem Ex-Mann zuvor.

Am nächsten Tag kaufte ich mir ein Zugticket und bin zurück in meine Heimatstadt gefahren. Hatte keine Wohnung, also erstmal wieder zurück bei meinen Eltern eingezogen. Zum Ex wollte ich nichts mehr wissen. Das ist jetzt zwei Jahre her. Heute bin ich Single, arbeite wieder, habe meine eigene Mietwohnung und bereue meine Entscheidung keine Sekunde. Ich stand kurz davor, ihn zu betrügen aber ich wusste, wann Schluss ist, und habe mich entschieden, erst aufzuräumen, bevor ich so werde wie er.

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Homy
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