Mit 65 Jahren dachte ich, ich hätte meinen Look im Griff – bis die grauen Haare plötzlich Überhand nahmen. Friseurtermine schienen immer umständlicher, also beschloss ich, meine Haare wie früher selbst zu färben. In der Drogerie erklärte ich, ich wolle „normales Kastanienbraun für graues Haar“. Die Packung versprach 100% Abdeckung – perfekt, dachte ich. Doch als ich nach dem Färben in den Spiegel sah, war mein Haar nicht braun, sondern lila mit violetten Reflexen! Meine Tochter lachte Tränen im Videochat, im Bäcker wurde ich für meinen Mut gelobt – scheinbar war das jetzt mein neuer Stil. Zwei Tage später saß ich reumütig beim Friseur, der nur meinte: „Das passiert öfter, als Sie denken.“ Lektion gelernt: Bestimmte Kämpfe sollte man Profis überlassen – vor allem, wenn es um lila Haare geht.

Ich bin 65 Jahre alt und obwohl ich immer recht gelassen mit meinem Äußeren umgegangen bin, musste ich in letzter Zeit feststellen, dass die grauen Haare langsam die Oberhand gewinnen. Nicht nur einzelne Strähnen, sondern richtige Bündel, vor allem am Ansatz. Der Gang zum Friseur erschien mir längst nicht mehr so unkompliziert wie früher. Zwischen Zeit, Kosten und der ewigen Warterei kam mir der Gedanke, dass es vielleicht gar nicht so schlimm wäre, mir die Haare selbst zu färben. Schließlich habe ich das mein halbes Leben lang gemacht was sollte da schon groß schiefgehen?

Also ging ich in die nächste Drogerie hier in Hamburg, nicht in einen exklusiven Friseurbedarf. Ich sagte zur Verkäuferin, dass ich eine Farbe für graues Haar suche. Sie fragte, welche Farbe ich denn wolle, und ich erwiderte: Ganz normales Kastanienbraun, nichts Ausgefallenes. Sie zeigte mir eine Box, die einen seriösen Eindruck machte auf der Packung eine Dame mit schönem, glänzendem Haar. Deckt graue Haare zu 100 %, stand darauf. Das überzeugte mich. Den Rest der Verpackung habe ich ehrlich gesagt gar nicht mehr gelesen. Zu Hause war ich sicher: In spätestens einer Stunde ist die Sache erledigt.

Ich zog mir ein altes T-Shirt an, griff nach einem Handtuch, mischte die Farbe wie in der Anleitung beschrieben und begann vor dem Badezimmerspiegel mit dem Färben. Anfangs lief alles wie gewohnt. Die Farbe sah dunkel aus, wie immer. Ich setzte mich, wartete die empfohlene Zeit ab und erledigte währenddessen ein paar Hausarbeiten das übliche, ein paar Teller abspülen und die Küche aufräumen.

Nach etwa zwanzig Minuten fiel mir plötzlich im Spiegel etwas Komisches auf. Meine Haare sahen nicht braun, sondern lila aus. Ich dachte zuerst, das liegt bestimmt an der Badezimmerbeleuchtung, redete mir ein, dass ich mir das nur einbilde.

Als es Zeit war, die Farbe auszuspülen, spürte ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Das Wasser, das von meinem Kopf lief, färbte sich erst in ein grelles Violett, dann in ein sattes Dunkelbraun und schließlich fast Schwarz. Im beschlagenen Spiegel blickte mich jemand an, den ich kaum wiedererkannte lilafarbene und violett schimmernde Reflexe, vermischt mit einem undefinierbaren Farbton. Die grauen Haare waren weg, ja. Aber um welchen Preis

Mit dem Föhn versuchte ich noch, das Unheil zu mildern in der Hoffnung, dass sich die Farbe im Trockenzustand verändern würde. Tat sie aber nicht. Im Gegenteil das Lila wurde noch intensiver. Ich sah aus, als käme ich direkt aus einem missglückten Jugendmode-Shooting, nicht wie ein Mann mit 65 Jahren. Ich musste über mich selbst lachen was hätte ich auch sonst tun sollen?

Ich rief meine Tochter Hannah per Videochat an. Kaum hatte sie mich gesehen, brach sie in schallendes Gelächter aus. Ihre erste Frage:
Papa was hast du denn gemacht?
Ich antwortete nur trocken:
Mach mir bitte einen Friseurtermin aus.

Am nächsten Tag musste ich tatsächlich so auf die Straße den ganzen Mut zusammengenommen, eine Mütze aufgesetzt, aber das Lila schimmerte trotzdem durch. Im Bäcker fragte mich eine ältere Dame, ob das der neue Trend sei. Ein Mann im Supermarkt lobte meinen Mut für so eine Farbe. Ich nickte tapfer, als sei alles pure Absicht gewesen.

Zwei Tage später stand ich dann ohne Stolz in einem Friseursalon in Eimsbüttel. Die Friseurin grinste nur, als sie mich sah, und meinte verständnisvoll:
Das passiert öfter als Sie denken.
Kein Vorwurf, kein Spott. Einfach ein paar Stunden und einige Euro später mit einer wieder ordentlichen Frisur und um einiges erleichtertem Portemonnaie verließ ich den Salon und wusste: Manche Dinge sollte man eben lieber den Fachleuten überlassen. Graue Haare kommen, ob ich will oder nicht und es gibt eben Kämpfe, die muss man nicht alleine austragen. Das ist keine Familienkatastrophe, sondern meine kleine, unfreiwillig lustige Anekdote des Lebens.

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Homy
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Mit 65 Jahren dachte ich, ich hätte meinen Look im Griff – bis die grauen Haare plötzlich Überhand nahmen. Friseurtermine schienen immer umständlicher, also beschloss ich, meine Haare wie früher selbst zu färben. In der Drogerie erklärte ich, ich wolle „normales Kastanienbraun für graues Haar“. Die Packung versprach 100% Abdeckung – perfekt, dachte ich. Doch als ich nach dem Färben in den Spiegel sah, war mein Haar nicht braun, sondern lila mit violetten Reflexen! Meine Tochter lachte Tränen im Videochat, im Bäcker wurde ich für meinen Mut gelobt – scheinbar war das jetzt mein neuer Stil. Zwei Tage später saß ich reumütig beim Friseur, der nur meinte: „Das passiert öfter, als Sie denken.“ Lektion gelernt: Bestimmte Kämpfe sollte man Profis überlassen – vor allem, wenn es um lila Haare geht.
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