Wir haben uns getroffen, doch wir haben einander nicht verstanden — „Kommst du nicht zu spät? Wann fährst du los, Daniel?! Daniel…“ — Alina rüttelte ihren Mann an der Schulter, während er so tat, als würde er noch schlafen, und mit der Hand abwinkte, als wolle er sagen, er wolle noch nicht aufstehen und werde trotzdem nicht zu spät kommen. Alina blickte auf ihr Handy — es war erst sieben Uhr morgens. „Und warum bin ich an einem Samstag so früh aufgewacht?! Ich habe nichts zu tun, seine Reisetasche habe ich gestern schon gepackt…“, sagte sich Alina innerlich und überlegte, wieder unter die warme Decke zu kriechen, doch plötzlich … Mehr entdecken Zeitung Lebensmittel Tagebuch Familienspiele Plötzlich überkam sie wieder dieses seltsame Gefühl der Unruhe, das sie in letzter Zeit immer öfter heimsuchte. Dabei gab es keinen Grund zur Sorge: Der Ehemann lag neben ihr, die Wohnung lag zentral, war geschmackvoll renoviert, Designer-Möbel, teure Elektrogeräte. Ihr Mann hatte ein Auto, Alina ein weiteres. Vor Kurzem hatten sie auch ein Haus am Stadtrand gekauft. Sie hatten alles – auf den ersten Blick. Viele träumen nicht einmal davon. Versuch mal, zur Miete zu wohnen, mit der Straßenbahn zur Arbeit zu fahren, abends die Hausaufgaben der Kinder, für alle das Abendessen zuzubereiten, Raten abzuzahlen, Geld für die Schule zu zahlen… Kaum schläfst du ein, klingelt schon wieder der Wecker, und alles beginnt von vorn. Ich hätte gern deine Probleme! Was ist das bloß wieder für eine düstere Vorahnung? Was soll das?! Genau dieses Gefühl! Alina hatte gelernt, es zu erkennen. Eine grundlose Unruhe, ein Stechen in der Brust, eine dunkle Vorahnung und das Gefühl, dass ihr etwas Wichtiges entgeht. Es kam ganz plötzlich und verschwand ebenso. Ließ sie eine Weile in Ruhe, dann kehrte es zurück. Auch an diesem Morgen überfiel Alina dieses unangenehme Gefühl wieder ohne Vorwarnung mitten ins Herz. Sie stand auf, warf noch einen Blick auf den schlafenden Mann und ging in die Küche. Daniel war schon wieder auf Geschäftsreise – wie sehr das Alina in letzter Zeit quälte! Vor anderthalb Jahren war ein neuer Chef gekommen, das Gehalt war deutlich gestiegen, die Firma, in der Daniel arbeitete, war groß und vielversprechend. Er war einer der besten Mitarbeiter, Abteilungsleiter. Aber der Job verschlang einfach zu viel Zeit! Nun schickten sie ihn sogar an den Wochenenden auf Dienstreise. Alina machte Frühstück und ging zurück ins Schlafzimmer, um ihren Mann zu wecken. — „Daniel, los, stehst du jetzt endlich auf oder nicht?! Beeil dich, sonst kommst du zu spät zur Dienstreise. Ihr wolltet doch am Nachmittag losfahren?“ — „Ja. Nach…“, antwortete Daniel noch halb im Schlaf und stand schließlich auf. — „Komm, Frühstück ist fertig.“ — „Ja, ja“, nuschelte Daniel und folgte ihr in die Küche. Beim Frühstück versank ihr Mann sofort in sein Handy. Alina hatte bemerkt, wie wenig sie und ihr Mann in letzter Zeit noch miteinander redeten, wie fremd sie sich geworden waren. Nein, sie stritten nicht. Alles war in Ordnung — ab und zu brachte er ihr Blumen mit, manchmal schaffte sie es, ihn zu einem Restaurantbesuch zu überreden, und Daniel stimmte dann zu. Sie konnten im Park spazieren gehen, Freunde besuchen oder ins Kino… aber es war nicht mehr wie früher. Mehr entdecken Lebensmittel Tagebuch Familienspiele Zeitung — „Daniel, nimm mich doch mit auf deine Dienstreise?“, fragte Alina plötzlich. — „Mhm“, antwortete Daniel, ohne vom Bildschirm hochzusehen. — „Los, ehrlich, was spricht denn dagegen? Ihr wohnt doch eh im Hotel, tagsüber bist du bei den Kollegen, abends bei mir.“ — „Wie bitte? Nein! Was ‚bei mir‘?!“ — Daniel zuckte zusammen, als er verstand, was sie vorschlug. — „Warum denn nicht, Daniel? Was ist daran so schlimm? Du fährst doch mit dem Auto, oder?“ — „Ja, schon mit dem Auto. Aber was willst du da? Es ist Wochenende, ruh dich zu Hause aus. Ich bin Montag oder Dienstag zurück.“ — „Wieso? Ich war noch nie in dieser Stadt. Ich würde spazieren, shoppen… vielleicht ins Museum…“ — „Ach bitte! Das ist ein Kaff, da gibt’s nichts. Wir haben hier genug Geschäfte, an jeder Ecke!“ — „Daniel, mir ist langweilig hier! Ich störe dich doch nicht…“, jammerte Alina. — „Alina, nein! Wenn du Urlaub machen willst, buch dir einen Flug!“, antwortete Daniel gereizt. — „Allein? Ich will mit dir! Wir sind ein Ehepaar, falls du das vergessen hast!“ — „Alina, fang jetzt nicht schon wieder damit an! Ich hab dir doch schon hundert Mal gesagt, dass auf der Arbeit gerade Land unter ist! Mein Chef ist ein Tyrann! Was soll ich machen, dass er mich am Wochenende schickt?!“ — „Komisch, dass IMMER nur du losgeschickt wirst! Letzte Woche hab ich Roman aus deiner Abteilung mit Frau und Kindern im Center gesehen. Aber du hattest ‚natürlich‘ dienstlich zu tun!“, konnte Alina sich den Seitenhieb nicht verkneifen, obwohl sie keinen Streit wollte. — „Jetzt fangen wir noch an, Buch zu führen, wer wo war! Danke für das Frühstück!“ — Daniel stand auf und ging ins Bad. Alina räumte auf, während Daniel fernsah. Dann machte sie ihm für unterwegs noch ein paar Sandwiches und füllte Tee in eine Thermoskanne. — „Alina, wo ist meine Tasche?“ — rief Daniel aus dem Flur. — „Auf der Kommode“, antwortete Alina ruhig. — „Gut, dann fahr ich jetzt. Mach dir keinen Kopf, dort gibt‘s eh nichts zu tun.“ — „Ist schon in Ordnung, bin nicht sauer. Bis dann.“ Daniel fuhr los, Alina blieb zurück. Es war Samstag, sie könnte eine Freundin anrufen, abends schön essen gehen, quatschen. Mehr entdecken Lebensmittel Tagebuch Familienspiele Zeitung Aber wen sollte sie anrufen? Julia hatte Mann und zwei Kinder — die ging nirgendwohin! Maria hatte sich ein Haus auf dem Land gekauft, wohnte jetzt dort – auch sie würde nicht extra in die Stadt kommen. Catrin war nach Berlin gezogen, seitdem hatte sie sich kaum noch gemeldet! Jede hatte ihre Probleme, Sorgen, Kinder… Alina war fast achtunddreißig, und sie und Daniel hatten keine Kinder. Wegen eines Fehlers in der Jugend — einer schlecht verlaufenen Abtreibung. Damals hatten sie gerade erst zusammengewohnt, zur Miete. Frisch im Job, wenig Geld. Jahre später feierten Alina und Leonhard ihren Hochzeitstag, und die inzwischen jugendliche Katharina, Leonhards Tochter, erhob das Glas auf ihre Stiefmutter und sagte mit Tränen in den Augen: „Danke, Mama, dass du in unser Leben gekommen bist und uns wieder zu einer richtigen Familie gemacht hast.“

Wir sind uns begegnet, aber nicht wirklich verstanden
Wirst du nicht zu spät kommen? Wann fährst du los, Klaus?! Klaus… Eva rüttelte ihren Mann an der Schulter. Doch er stellte sich schlafend und wedelte abwehrend mit der Hand, als wolle er sagen, er stehe schon rechtzeitig auf und komme schon nicht zu spät. Eva sah auf ihr Handy es war erst sieben Uhr morgens.
Und warum bin ich überhaupt an einem Samstag so früh wach? Ich habe doch gestern schon seine Tasche gepackt, dachte Eva, und überlegte, sich wieder unter die warme Bettdecke zu kuscheln. Doch dann
Plötzlich überkam sie wieder dieses merkwürdige Unbehagen, das sie in letzter Zeit immer häufiger heimsuchte. Eigentlich sollte sie sich keine Sorgen machen: Ihr Mann lag neben ihr, die Wohnung lag zentral, geschmackvoll renoviert, Designermöbel, hochwertige Elektrogeräte. Klaus fuhr ein schickes Auto, Eva ebenso. Erst neulich hatten sie sich ein Haus am Stadtrand in einem exklusiven Wohngebiet gekauft. Sie hatten wirklich alles, was man sich wünschen kann.
Viele können von solch einem Leben nur träumen. Versuche doch mal, zur Miete zu wohnen, jeden Morgen mit der S-Bahn zur Arbeit zu fahren, abends mit den Hausaufgaben der Kinder beschäftigt zu sein, für alle zu kochen, die Kreditraten abzustottern, Geld für die Schule zu bezahlen Kaum schläfst du ein, da klingelt schon wieder der Wecker und alles fängt von vorne an. Ich könnte mit deinen Sorgen leben! Was soll dieses seltsame Gefühl? Was ist nur los?!
Genau dieses Gefühl war es! Eva hatte mittlerweile gelernt, es zu erkennen. Eine grundlose Unruhe, ein Stechen in der Brust, eine Vorahnung von Unheil, und das dumpfe Gefühl, als entgleite ihr etwas Wichtiges. Es kam aus dem Nichts und verschwand genauso plötzlich. Dann hatte sie eine Weile Ruhe, bevor es wiederkam.
Auch an diesem Morgen überfiel das unangenehme Gefühl Evas Herz ohne jede Vorwarnung. Sie stand auf, warf einen letzten Blick auf ihren schlafenden Mann und ging in die Küche. Klaus fuhr mal wieder auf Dienstreise. Wie sehr hatten sie ihn in letzter Zeit damit geplagt! Vor anderthalb Jahren war dort ein neuer Chef gekommen, der das Gehalt deutlich erhöht hatte, und Klaus arbeitete inzwischen bei einer großen, vielversprechenden Firma. Er war einer der besten Leute, Abteilungsleiter sogar. Aber dieser Job nahm ihm zuviel Zeit! Und jetzt schickten sie ihn sogar am Wochenende auf Reisen.
Eva bereitete das Frühstück zu und ging zurück ins Schlafzimmer, um ihren Mann zu wecken.
Klaus, komm, jetzt steh endlich auf! Beweg dich, sonst kommst du zu spät zur Dienstreise. Du hast gesagt, ihr fahrt am Nachmittag, oder?
Ja, nach murmelte Klaus schlaftrunken und erhob sich schließlich.
Los, das Frühstück steht auf dem Tisch.
Mhm, brummte er und folgte ihr in die Küche.
Beim Frühstück vertiefte sich Klaus sofort in sein Handy. Eva hatte schon länger bemerkt, dass sie und ihr Mann kaum noch miteinander sprachen und sich immer weiter voneinander entfernten. Nein, sie stritten sich nicht. Es war eigentlich alles in Ordnung ab und zu brachte er ihr Blumen mit, manchmal ließ er sich von ihr zu einem Restaurantbesuch überreden, auf Spaziergänge, zu Freunden oder ins Kino. Aber es war nicht mehr wie früher.
Klaus, nimm mich doch mal mit auf Dienstreise! fragte Eva plötzlich.
Mhm, antwortete Klaus, ohne von seinem Telefon aufzusehen.
Ach komm, ist doch keine große Sache! Ihr seid doch im Hotel, oder? Tagsüber bist du mit den Kollegen unterwegs, abends wären wir für uns.
Was?! Wie meinst du das? Nein, wie kommst du da drauf? Klaus erschrak, als er bemerkte, was Eva wollte.
Warum denn nicht, Klaus? Was ist denn so schwer daran? Du fährst doch mit dem Auto?
Ja, schon, aber was willst du dort? Es ist Wochenende, ruh dich doch hier aus. Ich komme Montag oder Dienstag zurück.
Aber ich war doch noch nie in dieser Stadt. Ich könnte bummeln gehen, einkaufen, vielleicht ins Museum…
Ach, bitte! Das ist ein verschlafenes Nest, da gibt es nichts Sehenswertes! Haben wir hier nicht genug Läden? An jeder Ecke!
Klaus, mir ist hier langweilig! Du würdest mich gar nicht stören seufzte Eva.
Eva, nein! Wenn du verreisen willst, nimm dir Urlaub und fahr doch! fuhr Klaus sie genervt an.
Allein? Ich will doch Zeit mit dir verbringen! Wir sind verheiratet, schon vergessen?!
Eva, nicht schon wieder! Ich habe dir schon hundertmal erklärt, dass es auf der Arbeit gerade extrem stressig ist! Mein Chef ist ein Tyrann! Was soll ich denn machen, wenn ich am Wochenende weg muss?!
Komisch, dass immer nur du fahren musst! Letzte Woche habe ich Markus von deiner Firma mit Frau und Kindern im Einkaufszentrum gesehen. Aber du, du hast natürlich gearbeitet! Eva wollte keinen Streit, schon gar nicht vor der Abfahrt, aber es platzte aus ihr heraus.
Und jetzt willst du mir wieder alles vorhalten?! Danke fürs Frühstück! Klaus stand auf und verschwand im Bad.
Eva räumte auf, während Klaus fernsah. Dann packte sie ihm noch Brote und Tee für unterwegs ein.
Eva, wo ist meine Tasche? Kam seine Stimme aus dem Flur.
Steht auf der Kommode, antwortete Eva ruhig.
Also, ich bin dann weg. Nimms mir nicht übel, aber dort gibt es wirklich nichts zu tun.
Schon gut, ist nicht schlimm. Bis dann.
Klaus verschwand, und Eva blieb zurück. Es war Samstag. Sie könnte eine der Freundinnen anrufen, abends ins Restaurant gehen, quatschen.
Doch wen sollte sie anrufen? Julia hatte einen Mann und zwei Kinder die kam sicher nicht. Marie war aufs Land gezogen und lebte jetzt dort aus der Stadt kam die auch nicht mehr. Katharina war nach Berlin gegangen, um die Welt zu erobern schon lange kein Lebenszeichen mehr. Jede hatte ihre eigenen Sorgen, Verpflichtungen, Kinder
Eva war fast achtunddreißig, und mit Klaus hatte sie keine Kinder. Wegen eines Fehlers in jungen Jahren einer schlechten Abtreibung. Damals hatten sie gerade erst zusammen in einer kleinen Mietwohnung gewohnt. Beide frisch ins Berufsleben gestartet, das Geld war knapp.
Manchmal dachte Eva über das Leben nach und erkannte: Ganz gleich, wie viel wir besitzen, wahres Glück findet sich dort, wo wir uns verstanden, gehört und geborgen fühlen. Denn am Ende zählen nicht Status, Wohnung oder Auto, sondern die Liebe und das Verständnis füreinander.

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Homy
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Wir haben uns getroffen, doch wir haben einander nicht verstanden — „Kommst du nicht zu spät? Wann fährst du los, Daniel?! Daniel…“ — Alina rüttelte ihren Mann an der Schulter, während er so tat, als würde er noch schlafen, und mit der Hand abwinkte, als wolle er sagen, er wolle noch nicht aufstehen und werde trotzdem nicht zu spät kommen. Alina blickte auf ihr Handy — es war erst sieben Uhr morgens. „Und warum bin ich an einem Samstag so früh aufgewacht?! Ich habe nichts zu tun, seine Reisetasche habe ich gestern schon gepackt…“, sagte sich Alina innerlich und überlegte, wieder unter die warme Decke zu kriechen, doch plötzlich … Mehr entdecken Zeitung Lebensmittel Tagebuch Familienspiele Plötzlich überkam sie wieder dieses seltsame Gefühl der Unruhe, das sie in letzter Zeit immer öfter heimsuchte. Dabei gab es keinen Grund zur Sorge: Der Ehemann lag neben ihr, die Wohnung lag zentral, war geschmackvoll renoviert, Designer-Möbel, teure Elektrogeräte. Ihr Mann hatte ein Auto, Alina ein weiteres. Vor Kurzem hatten sie auch ein Haus am Stadtrand gekauft. Sie hatten alles – auf den ersten Blick. Viele träumen nicht einmal davon. Versuch mal, zur Miete zu wohnen, mit der Straßenbahn zur Arbeit zu fahren, abends die Hausaufgaben der Kinder, für alle das Abendessen zuzubereiten, Raten abzuzahlen, Geld für die Schule zu zahlen… Kaum schläfst du ein, klingelt schon wieder der Wecker, und alles beginnt von vorn. Ich hätte gern deine Probleme! Was ist das bloß wieder für eine düstere Vorahnung? Was soll das?! Genau dieses Gefühl! Alina hatte gelernt, es zu erkennen. Eine grundlose Unruhe, ein Stechen in der Brust, eine dunkle Vorahnung und das Gefühl, dass ihr etwas Wichtiges entgeht. Es kam ganz plötzlich und verschwand ebenso. Ließ sie eine Weile in Ruhe, dann kehrte es zurück. Auch an diesem Morgen überfiel Alina dieses unangenehme Gefühl wieder ohne Vorwarnung mitten ins Herz. Sie stand auf, warf noch einen Blick auf den schlafenden Mann und ging in die Küche. Daniel war schon wieder auf Geschäftsreise – wie sehr das Alina in letzter Zeit quälte! Vor anderthalb Jahren war ein neuer Chef gekommen, das Gehalt war deutlich gestiegen, die Firma, in der Daniel arbeitete, war groß und vielversprechend. Er war einer der besten Mitarbeiter, Abteilungsleiter. Aber der Job verschlang einfach zu viel Zeit! Nun schickten sie ihn sogar an den Wochenenden auf Dienstreise. Alina machte Frühstück und ging zurück ins Schlafzimmer, um ihren Mann zu wecken. — „Daniel, los, stehst du jetzt endlich auf oder nicht?! Beeil dich, sonst kommst du zu spät zur Dienstreise. Ihr wolltet doch am Nachmittag losfahren?“ — „Ja. Nach…“, antwortete Daniel noch halb im Schlaf und stand schließlich auf. — „Komm, Frühstück ist fertig.“ — „Ja, ja“, nuschelte Daniel und folgte ihr in die Küche. Beim Frühstück versank ihr Mann sofort in sein Handy. Alina hatte bemerkt, wie wenig sie und ihr Mann in letzter Zeit noch miteinander redeten, wie fremd sie sich geworden waren. Nein, sie stritten nicht. Alles war in Ordnung — ab und zu brachte er ihr Blumen mit, manchmal schaffte sie es, ihn zu einem Restaurantbesuch zu überreden, und Daniel stimmte dann zu. Sie konnten im Park spazieren gehen, Freunde besuchen oder ins Kino… aber es war nicht mehr wie früher. Mehr entdecken Lebensmittel Tagebuch Familienspiele Zeitung — „Daniel, nimm mich doch mit auf deine Dienstreise?“, fragte Alina plötzlich. — „Mhm“, antwortete Daniel, ohne vom Bildschirm hochzusehen. — „Los, ehrlich, was spricht denn dagegen? Ihr wohnt doch eh im Hotel, tagsüber bist du bei den Kollegen, abends bei mir.“ — „Wie bitte? Nein! Was ‚bei mir‘?!“ — Daniel zuckte zusammen, als er verstand, was sie vorschlug. — „Warum denn nicht, Daniel? Was ist daran so schlimm? Du fährst doch mit dem Auto, oder?“ — „Ja, schon mit dem Auto. Aber was willst du da? Es ist Wochenende, ruh dich zu Hause aus. Ich bin Montag oder Dienstag zurück.“ — „Wieso? Ich war noch nie in dieser Stadt. Ich würde spazieren, shoppen… vielleicht ins Museum…“ — „Ach bitte! Das ist ein Kaff, da gibt’s nichts. Wir haben hier genug Geschäfte, an jeder Ecke!“ — „Daniel, mir ist langweilig hier! Ich störe dich doch nicht…“, jammerte Alina. — „Alina, nein! Wenn du Urlaub machen willst, buch dir einen Flug!“, antwortete Daniel gereizt. — „Allein? Ich will mit dir! Wir sind ein Ehepaar, falls du das vergessen hast!“ — „Alina, fang jetzt nicht schon wieder damit an! Ich hab dir doch schon hundert Mal gesagt, dass auf der Arbeit gerade Land unter ist! Mein Chef ist ein Tyrann! Was soll ich machen, dass er mich am Wochenende schickt?!“ — „Komisch, dass IMMER nur du losgeschickt wirst! Letzte Woche hab ich Roman aus deiner Abteilung mit Frau und Kindern im Center gesehen. Aber du hattest ‚natürlich‘ dienstlich zu tun!“, konnte Alina sich den Seitenhieb nicht verkneifen, obwohl sie keinen Streit wollte. — „Jetzt fangen wir noch an, Buch zu führen, wer wo war! Danke für das Frühstück!“ — Daniel stand auf und ging ins Bad. Alina räumte auf, während Daniel fernsah. Dann machte sie ihm für unterwegs noch ein paar Sandwiches und füllte Tee in eine Thermoskanne. — „Alina, wo ist meine Tasche?“ — rief Daniel aus dem Flur. — „Auf der Kommode“, antwortete Alina ruhig. — „Gut, dann fahr ich jetzt. Mach dir keinen Kopf, dort gibt‘s eh nichts zu tun.“ — „Ist schon in Ordnung, bin nicht sauer. Bis dann.“ Daniel fuhr los, Alina blieb zurück. Es war Samstag, sie könnte eine Freundin anrufen, abends schön essen gehen, quatschen. Mehr entdecken Lebensmittel Tagebuch Familienspiele Zeitung Aber wen sollte sie anrufen? Julia hatte Mann und zwei Kinder — die ging nirgendwohin! Maria hatte sich ein Haus auf dem Land gekauft, wohnte jetzt dort – auch sie würde nicht extra in die Stadt kommen. Catrin war nach Berlin gezogen, seitdem hatte sie sich kaum noch gemeldet! Jede hatte ihre Probleme, Sorgen, Kinder… Alina war fast achtunddreißig, und sie und Daniel hatten keine Kinder. Wegen eines Fehlers in der Jugend — einer schlecht verlaufenen Abtreibung. Damals hatten sie gerade erst zusammengewohnt, zur Miete. Frisch im Job, wenig Geld. Jahre später feierten Alina und Leonhard ihren Hochzeitstag, und die inzwischen jugendliche Katharina, Leonhards Tochter, erhob das Glas auf ihre Stiefmutter und sagte mit Tränen in den Augen: „Danke, Mama, dass du in unser Leben gekommen bist und uns wieder zu einer richtigen Familie gemacht hast.“
Gehen, um zu bleiben: Ein interner Konflikt der Seelen