Mein Liebster ist noch mit seiner Frau verheiratet und hat eine Tochter.
Ich liebe meinen Mann von ganzem Herzen. Wir sind inzwischen über sieben Jahre zusammen und haben einen sechsjährigen Sohn. Mein Mann verbringt viel Zeit mit unserem Jungen er nimmt ihn häufig mit in die Werkstatt oder macht Ausflüge mit ihm. Auch mir schenkt er Aufmerksamkeit: Ab und zu bekomme ich Blumen ohne Anlass oder er überrascht mich mit einem romantischen Abendessen irgendwo in München. Unser Leben ist ganz normal wir sind eine glückliche Familie.
Vor Kurzem haben wir uns mithilfe eines kleinen Darlehens von unseren Eltern unsere erste eigene Wohnung gekauft. Ich kümmere mich gern um den Haushalt; es freut mich, wenn alles gemütlich, sauber ist und herrlich nach frischem Apfelkuchen duftet. Ich arbeite schwarz als Friseurin, doch das Geld reicht für ein gutes Auskommen. Mit der neuen Wohnung habe ich große Pläne und setze alles daran, dass sie in Erfüllung gehen!
Nebenbei arbeite ich auch in einem Schönheitssalon und übernehme viele private Aufträge. Mein Mann verdient gut. Wir geben nicht das Geld für Luxus aus, aber wenn wir uns etwas vornehmen etwa einen Urlaub oder größere Anschaffungen können wir gemeinsam darauf sparen. Ursprünglich wollten wir uns ein kleines Häuschen auf dem Land bei Augsburg kaufen, aber wir haben entschieden, noch abzuwarten.
Ich genieße mein Leben, und unsere Beziehung läuft wunderbar. Wir haben uns recht spät kennengelernt, aber ich erzähle jedem, dass ich genau auf diesen Mann gewartet habe.
Mein Partner hat immer noch einen guten Kontakt zu seiner Tochter, unterstützt sie finanziell und hält Kontakt zu den Schwiegereltern, weil die Kleine dort lebt. Was aus seiner Noch-Ehefrau wurde, hat mich nie so recht interessiert.
Ich habe ihm sein altes Leben nicht zurückgegeben, er war frei und wohnte schon damals allein. Doch immer mehr beschäftigt mich, dass er sich nicht von dieser Frau scheiden lässt. Im Betrieb, wenn Kolleginnen fragen, warum wir nicht endlich heiraten, sage ich meistens nur, wir hätten das “verschoben”. Alles scheint gut zu laufen, und schließlich sei eine Ehe doch bloß Formsache.
Vor Kurzem hat meine Mutter mir geraten, meinem Liebsten ein Ultimatum zu stellen entweder macht er mir bald einen Antrag oder ich ziehe Konsequenzen. Für sie ist es seltsam, dass er auf dem Papier noch mit einer anderen Frau verbunden ist. Sie meint, jene Frau habe alle Rechte, während ich nur Verpflichtungen hätte. Und obwohl wir gerade erst in unser neues Zuhause gezogen sind, gehört es rechtlich eigentlich immer noch ihr. Wie nennt man so ein Ehedreieck bloß?
Heute habe ich lange darüber nachgedacht und erkannt: In der Liebe zählt Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und dem Partner. Und auch wenn das Leben manchmal Umwege geht, sollte man nicht zulassen, dass sich alte Geschichten in die Zukunft mischen. Ich muss für mein Glück klare Verhältnisse schaffen, denn das habe ich verdient.





