Heimkehr von der Geburtstagsfeier: Erinnerungen an einen unvergesslichen Abend Andrea kam mit ihrem Mann Stefan aus dem Restaurant zurück, wo sie seinen Geburtstag gefeiert hatten. Es war ein wunderschöner Abend gewesen. Viele Menschen waren da – Verwandte, Kollegen aus dem Büro. Die meisten hatte Andrea zum ersten Mal gesehen, aber wenn Stefan sie eingeladen hatte, dann musste es wohl so sein. Andrea war nicht der Typ, der mit ihrem Mann über seine Entscheidungen streitet; sie mochte keine Auseinandersetzungen, keine Dramen. Es war leichter, Stefans Entscheidungen zu akzeptieren, als auf dem eigenen Standpunkt zu beharren. „Andrea, hast du deinen Wohnungsschlüssel griffbereit? Findest du ihn?“ Andrea öffnete ihre Handtasche, suchte nach dem Schlüssel. Plötzlich – ein stechender Schmerz, sie zuckte so heftig zusammen, dass die Tasche aus der Hand fiel. „Was schreist du denn da so?“ „Ich habe mich an etwas gestochen!“ „Bei deinem Taschen-Chaos kein Wunder…“ Andrea widersprach ihrem Mann nicht, hob ihre Tasche auf und zog vorsichtig den Schlüssel heraus. Sie betraten die Wohnung, und schon hatte sie den kleinen Stich vergessen. Ihre Füße schmerzten vor Müdigkeit, sie sehnte sich nach einer Dusche und wollte einfach nur noch ins Bett fallen. Am nächsten Morgen aber spürte sie einen stechenden Schmerz in der Hand – ein Finger war gerötet und geschwollen. Da erinnerte sie sich an das Ereignis vom Vorabend, holte ihre Tasche und schaute nach, was es gewesen sein könnte. Vorsichtig nahm sie die Sachen heraus – am Boden der Tasche lag eine große, verrostete Nadel. „Wie kommt die denn da rein?“ Andrea wusste nicht, wie sie dorthin gelangt sein konnte. Sie nahm den seltsamen Fund und warf ihn weg. Anschließend desinfizierte sie die Wunde mit dem Erste-Hilfe-Set. Nachdem der Finger versorgt war, ging sie zur Arbeit. Schon mittags spürte sie, dass sie Fieber bekam. Sie rief ihren Mann an: „Stefan, ich fühle mich hundeelend. Vermutlich habe ich mir gestern irgendwas eingefangen. Ich habe Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Weißt du, ich hab in meiner Tasche eine verrostete Nadel gefunden – an die habe ich mich gestochen.“ „Vielleicht solltest du zum Arzt gehen, nicht, dass du dir eine Blutvergiftung einfängst.“ „Mach dir keine Sorgen, ich habe die Wunde desinfiziert, das wird schon…“ Doch fast stündlich wurde Andrea schlechter. Sie quälte sich durch den Tag, bestellte sich schließlich ein Taxi nach Hause – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hätte sie den Heimweg nicht geschafft. Zuhause sank sie auf das Sofa und schlief sofort ein. Im Traum erschien ihr ihre Oma Anna, die gestorben war, als Andrea noch ein kleines Mädchen war. Woher sie wusste, dass es die Oma war, wusste Andrea nicht – aber sie wusste es eben. Die Oma, alt und gebeugt, hätte anderen Angst gemacht, doch Andrea spürte, dass sie ihr helfen wollte. Die Oma führte Andrea über eine Wiese, zeigte ihr, welche Pflanzen sie sammeln sollte, erklärte, dass sie daraus einen Sud kochen und trinken müsse, um den „Schwarz“, der sie von innen zerfraß, zu vertreiben. Es gebe jemanden, der ihr übel wolle. Doch um das zu bekämpfen, müsse Andrea am Leben bleiben. Die Zeit sei knapp. Andrea erwachte im kalten Schweiß. Sie dachte, sie hätte lange geschlafen, doch der Blick auf die Uhr verriet ihr: Es waren nur wenige Minuten vorbei. In diesem Moment knallte die Wohnungstür, Stefan war zurück. Andrea schleppte sich in den Flur. Erschrocken sah Stefan sie an: „Was ist denn mit dir passiert? Sieh dich mal im Spiegel an!“ Andrea trat vor den Spiegel. Gestern Abend hatte sie noch eine strahlende, lachende junge Frau gesehen. Doch nun erkannte sie sich kaum wieder: Das Haar strähnig, dunkle Schatten um die Augen, das Gesicht fahl, der Blick leer. „Was ist das nur?“ Andrea erinnerte sich an ihren Traum und erzählte ihrem Mann davon: „Ich habe von Oma Anna geträumt. Sie hat mir gesagt, was ich tun muss…“ „Andrea, zieh dich an, wir fahren ins Krankenhaus!“ „Ich gehe nicht ins Krankenhaus. Oma hat gesagt, da kann mir keiner helfen…“ Ein heftiger Streit entbrannte. Stefan erklärte Andrea für verrückt, weil sie sich von visionären Omas in Träumen leiten lassen wollte. Zum ersten Mal stritten die beiden heftig. Stefan versuchte, sie mit Gewalt ins Auto und zum Arzt zu bringen. „Wenn du nicht freiwillig gehst, schleppe ich dich hin!“ Doch Andrea riss sich los, brach zusammen und stieß sich am Türrahmen. Wütend packte Stefan ihre Tasche, warf die Tür ins Schloss und ging. Alles, was Andrea noch tun konnte, war, ihrem Chef zu schreiben, sie hätte einen Virus erwischt und müsse ein paar Tage zu Hause bleiben. Stefan kam erst kurz vor Mitternacht zurück und entschuldigte sich. Alles, was Andrea sagte: „Bring mich morgen früh in das Dorf, in dem Oma Anna gelebt hat.“ Am nächsten Morgen sah Andrea aus wie ein Schatten ihrer selbst. Stefan flehte sie an: „Andrea, bitte, wir müssen ins Krankenhaus! Ich will dich nicht verlieren.“ Aber sie fuhren ins Dorf. Das einzige, woran Andrea sich erinnerte, war der Name des Dorfes. Dort war sie seit Omas Tod nicht mehr gewesen. Die ganze Fahrt schlief sie. Erst als sie dort ankamen, sagte sie ihrem Mann: „Dort lang.“ Kaum aus dem Auto, sackte sie in der Wiese zusammen, aber irgendwie wusste sie, dass sie am richtigen Ort war. Sie sammelte die Pflanzen, die Oma ihr im Traum gezeigt hatte, und sie fuhren wieder nach Hause. Stefan kochte nach Andreas Anweisung den Sud, und sie begann, ihn in kleinen Schlucken zu trinken – und fühlte, wie es ihr langsam besser ging. Kaum im Bad, stellte Andrea fest, dass ihr Urin pechschwarz gefärbt war. Doch statt Angst zu haben, wiederholte sie die Worte der Oma: „Das Schwarze muss raus…“ In der nächsten Nacht erschien die Oma wieder. – Dir wurde durch eine verrostete Nadel ein Fluch angehängt. Mein Sud gibt dir deine Kraft zurück, aber nicht für lange. Du musst herausfinden, wer das war, und ihm das Böse zurückgeben. Durch die Nadel, die du weggeworfen hast, hätte ich mehr sagen können. Aber… So sollst du es machen: Kauf dir ein Set Nähnadeln, nimm die größte, sprich diesen Spruch über ihr: „Geister der Nacht, späht herbei! Offenbart mir meinen Feind, zeigt mir den Weg…“, und stecke die Nadel in die Tasche deines Mannes. Wer dir den Fluch gebracht hat, wird sich daran stechen. Dann wirst du seinen Namen erfahren und kannst ihm das Böse zurückgeben. Mit diesen Worten verschwand Oma Anna im Nebel. Andrea erwachte. Sie fühlte sich noch schwach, aber sicher, dass sie gesund werden würde – mit Omas Hilfe. Stefan blieb an diesem Tag zu Hause, um sich um sie zu kümmern, war aber verwundert, als Andrea plötzlich sagte, sie müsse alleine zum Einkaufen. „Andrea, das ist doch Unsinn – du kannst kaum auf den Beinen stehen! Lass mich mitkommen.“ „Mach mir bitte eine Suppe. Seit ich diesen Virus habe, habe ich einen Bärenhunger.“ Andrea tat alles wie im Traum, und schon am Abend lag die verzauberte Nadel in Stefans Taschen. Am Abend fragte Stefan: „Schaffst du das wirklich allein? Soll ich noch bleiben?“ „Ich schaffe das.“ Andrea fühlte sich immer besser, aber sie wusste, das Böse war noch nicht ganz aus ihr verschwunden. Doch mit jedem Schluck des Suds wurde es schwächer. Sie wartete auf Stefans Rückkehr nach der Arbeit. An der Tür fragte sie: „Wie war dein Tag?“ „Alles gut – warum fragst du?“ Andrea befürchtete schon, der Täter zeigte sich noch nicht, da erzählte Stefan: „Stell dir vor, heute wollte mir Eva aus dem Nachbarbüro helfen und hat in meine Tasche gegriffen, um meinen Schlüssel zu holen. Sie hat in eine Nadel gegriffen – woher habe ich Nadeln in meiner Tasche? Sie hat mich wütend angesehen…“ „Was ist mit dieser Eva?“ „Andrea, bitte, ich liebe nur dich. Eva, Michaela, völlig uninteressant.“ „War sie auf deiner Geburtstagsfeier? Im Restaurant?“ „Ja, sie ist eine gute Kollegin, nicht mehr.“ Mit diesen Worten erkannte Andrea, wie die alte, rostige Nadel in ihre Tasche gelangt war. Stefan ging in die Küche zum Abendessen. Kaum war Andrea eingeschlafen, erschien ihr wieder die Oma und erklärte ihr, wie sie Eva das Böse zurückgeben konnte. Plötzlich war alles klar: Eva hatte versucht, mit Magie ihre Konkurrentin auszuschalten und Stefans Platz an Andreas Seite zu besetzen – wenn es mit einem Fluch nicht klappen sollte, wäre es wieder Magie. Diese Frau würde nicht locker lassen. Andrea tat, wie ihr geheißen. Schon wenig später berichtete Stefan, dass Eva ins Krankenhaus gekommen war. Ihr ginge es sehr schlecht – die Ärzte waren ratlos. Andrea bat ihren Mann, sie am Wochenende ins Dorf zu fahren, wo Oma Anna gelebt hatte, zum Friedhof. Sie hatte den Ort seit der Beerdigung nicht mehr besucht. Sie kaufte einen großen Blumenstrauß, nahm Gartenhandschuhe mit, um das Grab zu pflegen. Sie fand das Grab der Oma nur mit Mühe. Als sie davorstand, entdeckte sie das Foto auf dem Grabstein – genau das Gesicht, das ihr im Traum erschienen war, genau die Frau, die sie gerettet hatte. Andrea machte das Grab sauber, stellte die Blumen hin, setzte sich auf die Bank und sagte: „Oma, verzeih, dass ich so lange nicht hier war. Ich dachte, wenn die Eltern dich jedes Jahr auf dem Friedhof besuchen, reicht das. Ich lag falsch. Jetzt komme ich auch. Ohne dich wäre ich vielleicht gar nicht mehr da.“ Plötzlich hatte Andrea das Gefühl, dass zwei Hände sanft auf ihren Schultern lagen. Als sie sich umdrehte, war da niemand – nur ein leiser Windhauch…

Rückkehr vom Geburtstagsessen: Erinnerungen an einen gelungenen Abend.
Annika war mit ihrem Mann aus dem Restaurant zurückgekommen, wo sie seinen Geburtstag gefeiert hatten. Es war ein bunter Abend gewesen. Viele Menschen, Verwandte, Kollegen Annika kannte die meisten gar nicht, aber wenn Sebastian meinte, sie sollten dabei sein, dann hatte das schon seinen Grund.
Annika war nicht der Typ, der ihrem Mann groß widersprach. Nein, Diskussionen oder Beziehungsdramen waren nicht ihr Ding. Es war für sie einfacher, Sebastian zuzustimmen, als ihm lange ihre eigene Sicht der Dinge zu erklären.
Annika, wo hast du eigentlich deinen Wohnungsschlüssel versteckt? Findest du den überhaupt?
Annika öffnete ihre Handtasche und begann, nach dem Schlüssel zu tasten. Plötzlich durchfuhr sie ein stechender Schmerz, sie zog die Hand hastig zurück, sodass die Tasche schwungvoll zu Boden fiel.
Warum brüllst du denn so rum?
Ich hab mich an irgendwas gestochen.
Dein Tascheninhalt sieht doch aus wie nach einem Orkan, kein Wunder, dass da Gefahren lauern.
Annika machte keine große Sache daraus, hob die Handtasche wieder auf und zog vorsichtig die Schlüssel hervor. Kaum waren sie in der Wohnung, hatte sie den kleinen Zwischenfall schon wieder vergessen. Ihre Beine taten vom langen Stehen weh, sie wollte nur noch duschen und ins Bett kippen. Am nächsten Morgen aber wurde sie mit einem pochenden Schmerz im Finger wach: rot, geschwollen, als wäre ihr Finger auf dem Oktoberfest in die Maßkrug-Schlacht geraten. Jetzt erinnerte sie sich wieder, nahm die Handtasche hervor und untersuchte das Malheur.
Ganz vorsichtig räumte sie alles aus, bis sie auf dem Taschenboden eine große, rostige Nadel entdeckte.
Wo kommt die denn her?
Sie hatte nicht die geringste Ahnung. Sie nahm das unselige Stück, warf es direkt in den Müll, desinfizierte den Finger mit dem, was die Hausapotheke hergab, und machte sich auf den Weg zur Arbeit. Doch schon mittags wurde ihr schwindelig: Fieber, Kopfweh, bleierne Glieder.
Sie rief Sebastian an:
Sebastian, also ich weiß nicht. Irgendwas stimmt nicht mit mir. Ich glühe, alles tut weh. Und weißt du, gestern hab ich in meiner Tasche eine riesige, verrostete Nadel gefunden genau daran hab ich mich gestochen.
Sag mal, vielleicht wäre jetzt langsam mal Zeit für den Arzt? Nicht dass du noch Sepsis oder was weiß ich bekommst.
Sebastian, entspann dich. Ich hab alles desinfiziert, das wird schon vergehn.
Es wurde aber nicht besser, nein, im Gegenteil. Stunde um Stunde fühlte sie sich elender. Irgendwie schleppte sie sich bis zum Feierabend, ließ sich ein Taxi nach Hause kommen für die Bahn war sie zu matschig. Kaum angekommen, fiel sie auf die Couch und schlief sofort ein.
Im Schlaf erschien ihr ihre Oma Gertrud, die gestorben war, als Annika noch ein echtes Nordlicht mit Windeln war. Wie sie sicher war, dass das die Oma war, wusste sie nicht, aber sie wusste es. Die Oma war alt und gebeugt, so wie man es aus Schwarzweißfotos kennt die Art von Person, die andere vielleicht fürchten, aber Annika fühlte, dass sie ihr nur Gutes wollte.
Die Oma führte Annika über eine Blumenwiese, zeigte ihr, welche Kräuter sie sammeln müsse, sagte, dass ein Aufguss daraus den Körper von der schwarzen Pest reinigen würde, die sie gerade anfresse. Und dass jemand es nicht gut mit ihr meine. Aber um es zu besiegen, müsse Annika weiterleben. Es sei nicht viel Zeit.
Annika wachte schweißgebadet auf. Sie dachte, ewig geschlafen zu haben, aber der Wecker zeigte nur zehn Minuten später. Dann krachte auch schon die Wohnungstür Sebastian war zu Hause. Sie stakste in den Flur. Sebastian sah sie und erstarrte:
Was ist mit dir los? Schau dich mal im Spiegel an!
Annika trat vor den Flurspiegel. Gestern noch hatte sie eine fröhliche junge Frau gesehen jetzt blickte etwas zurück, das sie kaum erkannte. Die Haare hingen wie Spaghetti, dunkle Augenringe, aschfahles Gesicht, wacher Blick war anders.
Was zum Kuckuck passiert hier?
Da fiel ihr der Traum wieder ein. Sie sagte zu Sebastian:
Ich hab Oma im Traum gesehen. Sie hat mir gesagt, was zu tun ist …
Annika, zieh dich an, wir fahren jetzt ins Krankenhaus.
Ich fahr nicht! Oma meint, die Ärzte können mir nicht helfen.
Natürlich gabs dann erstmal einen richtigen Ehestreit. Sebastian erklärte seine Frau für bekloppt, das könne ja wohl nicht sein, dass sie auf Traumbotschaften hört.
Das erste Mal krachte es so richtig zwischen den beiden. Sebastian wollte sie am liebsten gepackt und ins Auto geschleift sehen.
Wenn du nicht freiwillig fährst, trag ich dich hin!
Aber Annika wand sich los, konnte sich kaum halten und knallte gegen die Zimmerecke.
Jetzt war Sebastian noch wütender, schnappte die Handtasche, knallte die Tür und verschwand. Annika konnte gerade noch ihrem Chef schreiben, sie habe sich einen Virus eingefangen und müsse leider ein paar Tage zu Hause bleiben.
Sebastian kam tief in der Nacht zurück, voller Reue. Alles, was Annika sagte:
Morgen bringst du mich ins Dorf, in dem Oma früher gewohnt hat.
Am nächsten Morgen sah Annika mehr nach Nachtgestalt aus als nach vitaler junger Frau. Sebastian versuchte es nochmal:
Annika, jetzt hör auf mit dem Quatsch wir müssen ins Krankenhaus. Ich hab keine Lust, dich zu verlieren!
Aber sie fuhren ins Dorf. Alles, woran sich Annika erinnerte, war der Dorfname. Seit dem Verkauf von Omas Häuschen nach deren Tod war sie nicht mehr da gewesen. Die ganze Fahrt über schlief sie. Aber kaum waren sie kurz vor dem Ort, wachte sie auf und sagte:
Hier lang.
Kaum ausgestiegen, sackte sie auf die Wiese. Aber sie wusste genau, dass sie auf jener Wiese war, die ihr Oma Gertrud im Traum gezeigt hatte. Sie fand die Kräuter aus dem Traum. Zurück zu Hause machte Sebastian ihr einen Sud daraus, genau nach ihren Anweisungen. Annika trank das Gebräu in winzigen Schlücken und merkte, wie sie mit jedem Schluck etwas leichter wurde.
Sie schleppte sich ins Bad, und als sie aufstand, sah sie, dass ihr Urin pechschwarz war. Aber statt Panik zu kriegen, murmelte sie nur:
Das Schwarze geht raus
In dieser Nacht erschien die Oma wieder. Sie stand da, lächelte und redete diesmal:
Dir wurde ein Fluch angehängt durch die rostige Nadel. Mein Sud gibt dir Kraft, aber das ist nur vorübergehend. Du musst herausfinden, wer das getan hat, und das Böse auf sie zurückführen. Ich weiß nicht, wer es war. Aber dein Mann hat mit der Geschichte zu tun. Hättest du die Nadel nicht weggeworfen, könnte ich mehr sagen. Aber …
So liefen die Dinge nun mal. Du gehst zum Laden, kaufst eine Packung Nadeln und über die größte davon sprichst du:
Geister der Nacht, Tiere vergangener Zeit! Hört mich, Nachtschatten, Bringer der Wahrheit. Umschlingt mich! Helft mir, findet meinen Feind
Und dann steckst du die Nadel in die Tasche deines Mannes. Wer immer dich verflucht hat, wird sich an dieser Nadel stechen. Dann wissen wir, wer es war und können das Böse zurückgeben.
Mit diesen Worten entschwand die Oma wie ein Nebelstreif.
Annika wachte auf. Es ging ihr noch mies, aber innerlich wusste sie: Ich schaffe das. Oma hilft mir.
Sebastian beschloss, heute lieber daheim zu bleiben, um sich um Annika zu kümmern. Der Schock kam, als Annika plötzlich in die Schuhe sprang und sagte, sie müsse allein in den Laden:
Annika, du redest wirres Zeug, du kannst kaum stehen. Lass mich wenigstens mitkommen.
Sebastian, koch mir lieber eine Suppe nach der Aktion hab ich Appetit wie ne Abrissbirne.
Annika machte alles, wie Oma es im Traum beschrieben hatte. Schon am Abend lag die magische Nadel in Sebastians Tasche. Vor dem Schlafen fragte er:
Packst du das wirklich alleine? Soll ich besser noch hierbleiben?
Ich krieg das hin.
Annika fühlte sich schon besser, spürte aber, dass das Böse sich noch durch ihren Körper lustwandelte und alles vergiften wollte. Aber der Sud war wie Gegengift, und das missfiel dem Ding, das in ihr lauerte. Sie wartete, bis Sebastian von der Arbeit heimkam. Schon an der Tür fragte sie:
Und, wie war dein Tag?
Ach, alles normal. Warum fragst du?
Schon dachte sie, der Fluchwerfer habe sich noch nicht verraten, da setzte Sebastian hinzu:
Du, Annika, witziger Zufall: Heute wollte mir die Ines aus dem Nachbarbüro helfen, als ich die Hände voll hatte. Greift in meine Tasche und sticht sich prompt an ner Nadel! Die hat mich angeguckt, als wollte sie mir mit Blicken den Marsch blasen. Sag mal, wieso ist da eine Nadel in meiner Tasche?!
Was ist denn mit Ines?
Jetzt fang doch nicht an, Annika! Du bist die Einzige für mich. Keine Ines, keine Sabine, keine sonst wer!
War sie bei deiner Geburtstagssause?
Klar. Sie ist halt eine gute Kollegin. Aber das ist auch alles.
Annika sah jetzt, wie die alte, rostige Nadel es in ihre Handtasche geschafft hatte.
Sebastian verschwand in die Küche, wo das Abendessen auf ihn wartete.
Kaum schlief Annika ein, tauchte Oma wieder auf. Diesmal sagte sie, wie Annika der Ines das Böse zurückgeben könne. Jetzt war ihr alles klar: Ines hatte mit dunklen Künsten versucht, eine Konkurrentin loszuwerden, um neben Sebastian ihren Platz zu ergattern. Würde der Plan schiefgehen, würde sie es wieder mit Magie versuchen. Diese Frau würde nicht locker lassen.
Annika hielt sich an Omas Tipp. Kurz darauf berichtete Sebastian, dass Ines ins Krankenhaus musste. Ihr gings richtig schlecht, und den Ärzten fiel auch nichts mehr ein.
Annika bat Sebastian, am Wochenende ins Dorf zu fahren, zu dem alten Friedhof, wo Annika seit Oma Gertruds Beerdigung nicht mehr gewesen war. Sie kaufte einen Strauß Blumen, zog sich Gummihandschuhe an, um das Unkraut zu jäten, und fand nach einigem Suchen Omas Grab. Auf dem Grabstein war das Foto, genau das aus ihren Träumen. Sie war es, die Annika das Leben gerettet hatte. Annika machte alles ordentlich, stellte die Blumen ins Wasser, setzte sich auf die Bank davor und sagte:
Oma, entschuldige, dass ich so selten da war. Ich dachte immer, es reicht, wenn meine Eltern dich einmal im Jahr besuchen. Das war falsch. Jetzt komme ich selbst. Ohne dich wäre ich heute nicht mehr hier.
Annika spürte auf einmal, als hätte Oma ihr die Hände auf die Schultern gelegt. Sie drehte sich rasch um aber da war niemand. Nur ein laues Sommerlüftchen, das leise über den Friedhof wehte Annika blieb noch eine Weile sitzen. Ein sanfter Windhauch strich über die Gräber, trug den süßen Duft der Blumen davon und brachte einen Hauch von Frieden mit sich. Ihr Finger war zwar immer noch rot, aber der pochende Schmerz hatte nachgelassen und in ihrer Brust breitete sich eine leise Zuversicht aus, als hätte Oma Gertrud ihr einen unsichtbaren Schutzmantel umgelegt.
Sebastian stand ein Stück abseits, verlegen, die Hände in den Jackentaschen, und trat schließlich näher zu ihr. Annika sah auf und entdeckte in seinen Augen mehr Unsicherheit als je zuvor.
Was machen wir jetzt? fragte er leise.
Annika blickte zum Himmel, wo sich die ersten Sterne zeigten. Wir leben weiter, sagte sie schlicht. Und passen besser auf uns auf. Ab jetzt höre ich mehr auf mein Gefühl.
Sebastian nickte langsam, dann reichte er ihr wortlos die Hand. Annika nahm sie, spürte die Wärme und fühlte sich, als hätte sie gerade etwas Altes und Schmerzliches losgelassen. Gemeinsam traten sie den Rückweg zum Auto an.
Als sie das Friedhofstor hinter sich schlossen, blieb Annika noch einmal stehen. Sie drehte sich um, lächelte dem dunklen Schatten der alten Bäume entgegen wissend, dass irgendwo dazwischen Omas Güte wachte.
Auf halber Strecke zu Hause, lachte Annika plötzlich leise auf. Sebastian sah sie fragend an.
Weißt du, ich glaube, Geburtstage feiere ich künftig wieder im kleinen Kreis.
Sebastian lachte erleichtert mit, zum ersten Mal seit Tagen klang es echt und hell. Und während die Lichter des Dorfes im Rückspiegel verblassten, wusste Annika: Das Böse hatte keinen Platz mehr in ihrem Leben nicht, solange jemand über sie wachte, dem sie wirklich vertrauen konnte.

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Homy
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Heimkehr von der Geburtstagsfeier: Erinnerungen an einen unvergesslichen Abend Andrea kam mit ihrem Mann Stefan aus dem Restaurant zurück, wo sie seinen Geburtstag gefeiert hatten. Es war ein wunderschöner Abend gewesen. Viele Menschen waren da – Verwandte, Kollegen aus dem Büro. Die meisten hatte Andrea zum ersten Mal gesehen, aber wenn Stefan sie eingeladen hatte, dann musste es wohl so sein. Andrea war nicht der Typ, der mit ihrem Mann über seine Entscheidungen streitet; sie mochte keine Auseinandersetzungen, keine Dramen. Es war leichter, Stefans Entscheidungen zu akzeptieren, als auf dem eigenen Standpunkt zu beharren. „Andrea, hast du deinen Wohnungsschlüssel griffbereit? Findest du ihn?“ Andrea öffnete ihre Handtasche, suchte nach dem Schlüssel. Plötzlich – ein stechender Schmerz, sie zuckte so heftig zusammen, dass die Tasche aus der Hand fiel. „Was schreist du denn da so?“ „Ich habe mich an etwas gestochen!“ „Bei deinem Taschen-Chaos kein Wunder…“ Andrea widersprach ihrem Mann nicht, hob ihre Tasche auf und zog vorsichtig den Schlüssel heraus. Sie betraten die Wohnung, und schon hatte sie den kleinen Stich vergessen. Ihre Füße schmerzten vor Müdigkeit, sie sehnte sich nach einer Dusche und wollte einfach nur noch ins Bett fallen. Am nächsten Morgen aber spürte sie einen stechenden Schmerz in der Hand – ein Finger war gerötet und geschwollen. Da erinnerte sie sich an das Ereignis vom Vorabend, holte ihre Tasche und schaute nach, was es gewesen sein könnte. Vorsichtig nahm sie die Sachen heraus – am Boden der Tasche lag eine große, verrostete Nadel. „Wie kommt die denn da rein?“ Andrea wusste nicht, wie sie dorthin gelangt sein konnte. Sie nahm den seltsamen Fund und warf ihn weg. Anschließend desinfizierte sie die Wunde mit dem Erste-Hilfe-Set. Nachdem der Finger versorgt war, ging sie zur Arbeit. Schon mittags spürte sie, dass sie Fieber bekam. Sie rief ihren Mann an: „Stefan, ich fühle mich hundeelend. Vermutlich habe ich mir gestern irgendwas eingefangen. Ich habe Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Weißt du, ich hab in meiner Tasche eine verrostete Nadel gefunden – an die habe ich mich gestochen.“ „Vielleicht solltest du zum Arzt gehen, nicht, dass du dir eine Blutvergiftung einfängst.“ „Mach dir keine Sorgen, ich habe die Wunde desinfiziert, das wird schon…“ Doch fast stündlich wurde Andrea schlechter. Sie quälte sich durch den Tag, bestellte sich schließlich ein Taxi nach Hause – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hätte sie den Heimweg nicht geschafft. Zuhause sank sie auf das Sofa und schlief sofort ein. Im Traum erschien ihr ihre Oma Anna, die gestorben war, als Andrea noch ein kleines Mädchen war. Woher sie wusste, dass es die Oma war, wusste Andrea nicht – aber sie wusste es eben. Die Oma, alt und gebeugt, hätte anderen Angst gemacht, doch Andrea spürte, dass sie ihr helfen wollte. Die Oma führte Andrea über eine Wiese, zeigte ihr, welche Pflanzen sie sammeln sollte, erklärte, dass sie daraus einen Sud kochen und trinken müsse, um den „Schwarz“, der sie von innen zerfraß, zu vertreiben. Es gebe jemanden, der ihr übel wolle. Doch um das zu bekämpfen, müsse Andrea am Leben bleiben. Die Zeit sei knapp. Andrea erwachte im kalten Schweiß. Sie dachte, sie hätte lange geschlafen, doch der Blick auf die Uhr verriet ihr: Es waren nur wenige Minuten vorbei. In diesem Moment knallte die Wohnungstür, Stefan war zurück. Andrea schleppte sich in den Flur. Erschrocken sah Stefan sie an: „Was ist denn mit dir passiert? Sieh dich mal im Spiegel an!“ Andrea trat vor den Spiegel. Gestern Abend hatte sie noch eine strahlende, lachende junge Frau gesehen. Doch nun erkannte sie sich kaum wieder: Das Haar strähnig, dunkle Schatten um die Augen, das Gesicht fahl, der Blick leer. „Was ist das nur?“ Andrea erinnerte sich an ihren Traum und erzählte ihrem Mann davon: „Ich habe von Oma Anna geträumt. Sie hat mir gesagt, was ich tun muss…“ „Andrea, zieh dich an, wir fahren ins Krankenhaus!“ „Ich gehe nicht ins Krankenhaus. Oma hat gesagt, da kann mir keiner helfen…“ Ein heftiger Streit entbrannte. Stefan erklärte Andrea für verrückt, weil sie sich von visionären Omas in Träumen leiten lassen wollte. Zum ersten Mal stritten die beiden heftig. Stefan versuchte, sie mit Gewalt ins Auto und zum Arzt zu bringen. „Wenn du nicht freiwillig gehst, schleppe ich dich hin!“ Doch Andrea riss sich los, brach zusammen und stieß sich am Türrahmen. Wütend packte Stefan ihre Tasche, warf die Tür ins Schloss und ging. Alles, was Andrea noch tun konnte, war, ihrem Chef zu schreiben, sie hätte einen Virus erwischt und müsse ein paar Tage zu Hause bleiben. Stefan kam erst kurz vor Mitternacht zurück und entschuldigte sich. Alles, was Andrea sagte: „Bring mich morgen früh in das Dorf, in dem Oma Anna gelebt hat.“ Am nächsten Morgen sah Andrea aus wie ein Schatten ihrer selbst. Stefan flehte sie an: „Andrea, bitte, wir müssen ins Krankenhaus! Ich will dich nicht verlieren.“ Aber sie fuhren ins Dorf. Das einzige, woran Andrea sich erinnerte, war der Name des Dorfes. Dort war sie seit Omas Tod nicht mehr gewesen. Die ganze Fahrt schlief sie. Erst als sie dort ankamen, sagte sie ihrem Mann: „Dort lang.“ Kaum aus dem Auto, sackte sie in der Wiese zusammen, aber irgendwie wusste sie, dass sie am richtigen Ort war. Sie sammelte die Pflanzen, die Oma ihr im Traum gezeigt hatte, und sie fuhren wieder nach Hause. Stefan kochte nach Andreas Anweisung den Sud, und sie begann, ihn in kleinen Schlucken zu trinken – und fühlte, wie es ihr langsam besser ging. Kaum im Bad, stellte Andrea fest, dass ihr Urin pechschwarz gefärbt war. Doch statt Angst zu haben, wiederholte sie die Worte der Oma: „Das Schwarze muss raus…“ In der nächsten Nacht erschien die Oma wieder. – Dir wurde durch eine verrostete Nadel ein Fluch angehängt. Mein Sud gibt dir deine Kraft zurück, aber nicht für lange. Du musst herausfinden, wer das war, und ihm das Böse zurückgeben. Durch die Nadel, die du weggeworfen hast, hätte ich mehr sagen können. Aber… So sollst du es machen: Kauf dir ein Set Nähnadeln, nimm die größte, sprich diesen Spruch über ihr: „Geister der Nacht, späht herbei! Offenbart mir meinen Feind, zeigt mir den Weg…“, und stecke die Nadel in die Tasche deines Mannes. Wer dir den Fluch gebracht hat, wird sich daran stechen. Dann wirst du seinen Namen erfahren und kannst ihm das Böse zurückgeben. Mit diesen Worten verschwand Oma Anna im Nebel. Andrea erwachte. Sie fühlte sich noch schwach, aber sicher, dass sie gesund werden würde – mit Omas Hilfe. Stefan blieb an diesem Tag zu Hause, um sich um sie zu kümmern, war aber verwundert, als Andrea plötzlich sagte, sie müsse alleine zum Einkaufen. „Andrea, das ist doch Unsinn – du kannst kaum auf den Beinen stehen! Lass mich mitkommen.“ „Mach mir bitte eine Suppe. Seit ich diesen Virus habe, habe ich einen Bärenhunger.“ Andrea tat alles wie im Traum, und schon am Abend lag die verzauberte Nadel in Stefans Taschen. Am Abend fragte Stefan: „Schaffst du das wirklich allein? Soll ich noch bleiben?“ „Ich schaffe das.“ Andrea fühlte sich immer besser, aber sie wusste, das Böse war noch nicht ganz aus ihr verschwunden. Doch mit jedem Schluck des Suds wurde es schwächer. Sie wartete auf Stefans Rückkehr nach der Arbeit. An der Tür fragte sie: „Wie war dein Tag?“ „Alles gut – warum fragst du?“ Andrea befürchtete schon, der Täter zeigte sich noch nicht, da erzählte Stefan: „Stell dir vor, heute wollte mir Eva aus dem Nachbarbüro helfen und hat in meine Tasche gegriffen, um meinen Schlüssel zu holen. Sie hat in eine Nadel gegriffen – woher habe ich Nadeln in meiner Tasche? Sie hat mich wütend angesehen…“ „Was ist mit dieser Eva?“ „Andrea, bitte, ich liebe nur dich. Eva, Michaela, völlig uninteressant.“ „War sie auf deiner Geburtstagsfeier? Im Restaurant?“ „Ja, sie ist eine gute Kollegin, nicht mehr.“ Mit diesen Worten erkannte Andrea, wie die alte, rostige Nadel in ihre Tasche gelangt war. Stefan ging in die Küche zum Abendessen. Kaum war Andrea eingeschlafen, erschien ihr wieder die Oma und erklärte ihr, wie sie Eva das Böse zurückgeben konnte. Plötzlich war alles klar: Eva hatte versucht, mit Magie ihre Konkurrentin auszuschalten und Stefans Platz an Andreas Seite zu besetzen – wenn es mit einem Fluch nicht klappen sollte, wäre es wieder Magie. Diese Frau würde nicht locker lassen. Andrea tat, wie ihr geheißen. Schon wenig später berichtete Stefan, dass Eva ins Krankenhaus gekommen war. Ihr ginge es sehr schlecht – die Ärzte waren ratlos. Andrea bat ihren Mann, sie am Wochenende ins Dorf zu fahren, wo Oma Anna gelebt hatte, zum Friedhof. Sie hatte den Ort seit der Beerdigung nicht mehr besucht. Sie kaufte einen großen Blumenstrauß, nahm Gartenhandschuhe mit, um das Grab zu pflegen. Sie fand das Grab der Oma nur mit Mühe. Als sie davorstand, entdeckte sie das Foto auf dem Grabstein – genau das Gesicht, das ihr im Traum erschienen war, genau die Frau, die sie gerettet hatte. Andrea machte das Grab sauber, stellte die Blumen hin, setzte sich auf die Bank und sagte: „Oma, verzeih, dass ich so lange nicht hier war. Ich dachte, wenn die Eltern dich jedes Jahr auf dem Friedhof besuchen, reicht das. Ich lag falsch. Jetzt komme ich auch. Ohne dich wäre ich vielleicht gar nicht mehr da.“ Plötzlich hatte Andrea das Gefühl, dass zwei Hände sanft auf ihren Schultern lagen. Als sie sich umdrehte, war da niemand – nur ein leiser Windhauch…
Das Recht auf deine eigene Welt