Wenn plötzlich eine Oma vor deiner Tür steht – hat sie jemand geschickt! Warum das passiert ist, erfahren wir erst später…

Es klopfte an Annas Tür, das hieß, jemand hatte die Oma gebracht! Warum das würde sich später zeigen.

Anna lebte ein eintöniges, freudloses Leben. Ihre Familie ja, die hatte sie, und selbst einen Ehemann. Doch sie waren alle beschäftigt, während Anna krank war. Doch schlimmer als die Krankheit setzten ihr Einsamkeit und kreisende Gedanken zu.

An einem gewöhnlichen Tag, als Anna überlegte, wie sie sich aus ihrem Strudel herausziehen könnte, klopfte es an ihrer Wohnungstür

Vor ihr stand eine ältere Dame von kleiner Statur, mit krummen Beinen, im Hauskleid und einer alten Schürze. Sie lächelte Anna an.
Anna blinzelte erstaunt, doch die Dame blieb stehen, sah sie an und begann zu sprechen:

Ich wohne hier, in der Wohnung nebenan, sagte sie und zeigte auf die Nachbartür. Ich wollte nur testen, ob das Schloss funktioniert und jetzt bekomme ich die Tür nicht mehr auf.

Ach so, dachte Anna, dort hat ja ewig niemand gewohnt. Die Wohnung stand lange leer, heruntergekommen und günstig zu haben, aber niemand wollte sie kaufen.

Anna öffnete der alten Dame problemlos die Tür zu ihrer neuen kleinen Wohnung, die sie gemeinsam betraten.

Ach du meine Güte, dachte Anna, was ist denn hier nur los?

In der Wohnung hatte offenbar ewig niemand geputzt, die Fenster waren blind, überall standen Tüten und lag Müll herum. Alte Möbel von den Vorbesitzern füllten die Räume. Wie war diese Oma hierhergekommen? Sie lief nur langsam und schwankte eigentlich müssten sich Angehörige um sie kümmern. Wo waren sie?

Im Gespräch mit der alten Dame begriff Anna alles. Die Oma, sie hieß Frau Gertrud Lehmann, hatte früher in einem Dorf gelebt, in ihrem eigenen Haus. Sie hatte zwei Söhne, Schwiegertöchter, sogar Enkel.

Doch Frau Lehmann war schon 82. Die Söhne, schon längst erwachsen, waren wenig verlässlich. Einer drängte sie:

Verkauf dein Haus, was willst du noch mit so viel Platz? Gib mir meinen Anteil vom Geld!

So hatten sie sie mürbe gemacht, bis sie schließlich alles verkaufte. Immerhin, Gott sei Dank, war sie nicht betrogen worden und konnte davon diese kleine Wohnung in der Stadt erwerben.

Der jüngere Sohn zog mit seiner Frau und der alten Mutter in diese unsanierte Wohnung und ließ sie sofort allein!

Frau Lehmann wohnte hier nun seit einer Woche, wie sie Anna erzählte. Es ging ihr schlecht: Am Bein klaffte ein Geschwür, die Beine schmerzten und waren ganz krumm, sie konnte kaum besser als sitzen und das inmitten von Schmutz. Zu gehen, fiel ihr schwer.

Anna war bestürzt von dem, was sie sah und hörte.

Wie kann man die Großmutter hier einfach abladen, ohne sie wenigstens sauber zu machen? dachte sie. Eine furchtbare Ahnung kam ihr.

Sie haben sie hierhergebracht, damit sie stirbt?

Wie sonst sollte man das erklären? In dieser einen Woche war die Schwiegertochter nur einmal da und brachte ein bisschen Brot und Milch.

Anna konnte die Gedanken an sich selbst nicht mehr festhalten; sie konzentrierte sich nun ganz auf Frau Lehmann.

Sie ist hungrig, deshalb schwankt sie so. Dazu der Stress, der Schock, und dann noch die Beine mit dem Geschwür

Ohne lange zu überlegen, rannte Anna nach Hause. Da sie selbst von Krankheit nicht verschont war, kannte sie sich mit Grundzügen in der Medizin aus.

Sie füllte einen Teller mit Suppe, packte die Hausapotheke ein und ein Blutdruckmessgerät, dann klopfte sie bei Frau Lehmann. Lange öffnete niemand, und Anna bangte schon, der alten Dame könnte etwas passiert sein sehr zur Freude ihrer Angehörigen, wie sie bitter dachte.

Doch Frau Lehmann schaffte es schließlich zur Tür. Nachdem Anna sie gefüttert, das Geschwür am Bein versorgt hatte, fragte sie:

Frau Lehmann, wie lange haben Sie dieses Geschwür schon? Und wann war Sie das letzte Mal beim Arzt?

Die Antwort überraschte sie: Das Geschwür sei drei Monate alt und beim Arzt sei sie vor zehn Jahren gewesen.
Nach dem Essen bekam Frau Lehmann wenigstens etwas Farbe ins Gesicht, saß aufrecht und scherzte sogar etwas:

Eigentlich heilt bei mir sonst alles wie bei einem Dackel, aber das will einfach nicht zugehen.

Am nächsten Tag gab Frau Lehmann Anna einen Schlüssel, damit sie jederzeit hereinkommen konnte. Drei Tage lang kam Anna nun, behandelte das Bein, fütterte sie. Schließlich kam die Schwiegertochter brachte Leberwurst und Brot.

Die Anwesenheit Annas nahm die Schwiegertochter kaum zur Kenntnis. Sie sagte nur, sie wäre ja immer am Arbeiten und könne nicht oft kommen. Vom Sohn war nicht die Rede.

Anna dachte:

Die wollten sie wirklich nur zum Sterben hierherbringen Aber daraus wird nichts! und fasste einen festen Entschluss.

Alle Gedanken um sich selbst waren wie weggewischt. Plötzlich hatte Anna einen Sinn im Leben. Auch wenn diese Großmutter nicht ihre eigene war sie hatte eine Aufgabe gefunden.

Das Erste, was Anna tat: Sie organisierte einen Hausbesuch vom Hausarzt für Frau Lehmann. Der verschrieb Tests, und Anna sorgte dafür, dass sie auch zuhause abgenommen wurden.

Sie ging persönlich in die Praxis, um sich nach den Ergebnissen zu erkundigen der Ärztin nach könnte man Frau Lehmann glatt ins All schießen.

Anna begleitete Frau Lehmann zum Arzt, zum Röntgen, zu Spezialisten für die Knie. Während all dieser Zeit sorgte sie für das Essen, achtete darauf, dass die Medikamente genommen wurden, wusch Frau Lehmann, kümmerte sich um die Wundversorgung.

Eines Tages kam Anna in die Wohnung und hörte Frau Lehmann am Telefon. Inzwischen lehnte Frau Lehmann das Jenseits entschieden ab, sie war viel fröhlicher geworden. Anna hatte eine Aufgabe, Frau Lehmann eine Stütze.

Kommt ihr nicht vorbei, sagte Frau Lehmann ins Telefon, dann eben nicht, ich werde hier gut versorgt sauber und satt, auch ohne euch!

Wie sich herausstellte, sprach sie mit ihrer Schwiegertochter.

Anna dachte daran, dass die Verwandtschaft sicherlich argwöhnen würde, sie wolle Frau Lehmann die Wohnung abspenstig machen. Sie kannte solche Leute und genauso kam es.

Nachdem Frau Lehmann wieder auf den Beinen und kaum noch ohnmächtig wurde, tauchten plötzlich alle auf: Der Sohn, die Enkel, seltsame Bekannte. Doch sie brachten nichts, machten nichts, putzten nicht, halfen nicht.

Immerhin, der Sohn ging einkaufen, wenn seine Mutter ihm Geld gab und ihn bat.

Anna erkannte: Diese Verwandtschaft hatte nur eines im Sinn, aber dass Frau Lehmann nicht nur nicht gestorben war, sondern wieder selbst die Wäsche machte und sogar zum Arzt ging, schien sie zu ärgern.

Nach drei Monaten verschwanden die Schwindelgefühle dank der Medikamente des Arztes, das Essen gab Kraft, das Bein war geheilt. Blieben noch die krummen Knie. Zeit, sich um sie zu kümmern.

Anna nahm Frau Lehmann mit in die Klinik; da wurde eine orthopädische Operation am Knie angesetzt.

Anna und Frau Lehmann waren inzwischen unzertrennlich, sie halfen sich gegenseitig. Also fuhren sie gemeinsam zur Klinik.

Anna sah die endlosen Flure und fragte sich, wie Frau Lehmann das wohl zu Fuß schaffen sollte. Da entdeckte sie einen Rollstuhl das war die Lösung!

Sie setzte Frau Lehmann hinein, die Tasche auf den Schoß, den Stock in der Hand, Anna schob sie lachend durch die Flure.

Rollstuhl voran, Frau Lehmann wie eine Königin, lächelnd mit all ihren dritten Zähnen, Stock in die Luft gereckt, Anna schob fröhlich hintendrein.

Sie besuchten alle nötigen Ärzte. Frau Lehmann kam auf die Warteliste für das künstliche Knie und nun war es Zeit, wieder aus der Klinik zu gehen.

Frau Lehmann wollte gar nicht aus dem Rollstuhl aufstehen und stachelte Anna an, ihn einfach mitzunehmen und so nach Hause zu rollen.

Doch Anna lehnte ab und zog die Oma sanft, aber bestimmt auf die Beine.

Ich weiß nicht, ob Frau Lehmann die Operation noch erleben wird oder was aus mir selbst wird, aber manchmal gibt es im Leben solche Hinweise, solche Anstöße, die das Leben verlängern sowohl für den, dem geholfen wird, als auch für den, der hilft.

Man darf sie nur nicht von sich weisen.

Kommt eine Oma zu dir dann hat sie jemand geschickt! Warum, ergibt sich oft erst später

Und was denkt ihr? Schreibt eure Gedanken in die Kommentare und gebt einen Daumen nach oben!

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Homy
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